45.000 Prozent Rendite mit einem Deal: 152 Millionen Euro – so viel fordert Trader Armin S. von der …

152 Millionen Euro – so viel fordert Trader Armin S. von der BNP Paribas. Er sagt: Die Bank habe zu Unrecht einen fehlerhaften Zertifikate-Deal storniert, der ihn zum Multimillionär gemacht hätte. Der Ausgang des Rechtsstreits ist ungewiss.

Vier Stunden lang hat Armin S. ausgeharrt, nun ist der Moment seines Auftritts gekommen. Er steht von seinem roten Kinosessel auf, läuft die Ränge im Palais de Congrès in Paris hinab und tritt ans Rednerpult. Von hier aus kann S., der nicht mit vollen Namen genannt werden möchte, der Führungsriege der französischen Großbank BNP Paribas in die Augen blicken. Seine Botschaft richtet er direkt an Verwaltungsratspräsident Jean Lemierre: „Seit letzter Woche fordere ich gerichtlich insgesamt 152 Millionen Euro von Ihrem Unternehmen“.

S., groß gewachsen, breites Kreuz, kurze braune Haare und wache Augen, hat seinen Auftritt bei der Hauptversammlung der BNP im Palais de Congrès in Paris am Dienstag sorgfältig geplant. Er ist extra aus Frankfurt angereist, hat seine Rede Tage zuvor verfasst und sorgfältig einstudiert. Dass er für ein geplatztes Wertpapiergeschäft eine astronomische Summe von der Bank fordert, wollte er dem BNP-Management unbedingt persönlich und in aller Öffentlichkeit überbringen. Die Bank, argumentiert er, habe zu Unrecht ein fehlerhaftes Zertifikate-Geschäft storniert, dass ihn über Nacht zum Superreichen gemacht hätte. Die BNP Paribas will sich auf Handelsblatt-Anfrage nicht äußern. Zu Beziehungen mit einzelnen Kunden sowie laufenden Verfahren gebe man generell keine Stellungnahmen ab, sagte ein Sprecher der Bank.

Der Fall von Armin S. wirft ein Schlaglicht auf den meist im Verborgenen ablaufenden milliardenschweren Handel mit Zertifikaten. Das sind Wertpapiere, deren Kursentwicklung beispielsweise an den Dax oder eine einzelne Aktien gekoppelt ist. Privatanleger können so auch auf fallende Kurse oder bestimmte Kursgrenzen wetten. Ein Riesen-Markt: Laut Derivate-Verband wurden im Februar 2017 Zertifikate mit einem Volumen von 68 Milliarden Euro gehandelt, ein Großteil davon außerhalb regulierter Börsen. Zum Vergleich: Auf den Handelsplattformen der Deutschen Börse wechselten im selben Monat Dax-Aktien mit einem Gesamtwert von 65 Milliarden Euro den Besitzer.

Und wo gehandelt wird, da passieren Fehler: Falsch programmierte Algorithmen, ein Tippfehler beim Verkaufspreis oder ein paar Nullen zu viel bei der gewünschten Stückzahl: Im Branchenjargon heißen diese fehlerhaften Wertpapiergeschäfte „Mistrades“: Allein im ersten Halbjahr 2016 weist die Mistrade-Liste …

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