Der 1. Mai – und was von ihm noch übrig ist
Ist Ihnen aufgefallen, dass der April schon wieder vorbei ist? Der Blick heute in meinen Kalender hat mich doch ein wenig geschockt. Heute ist der 1. Mai. Da wird es ja vielerorts wieder rund gehen, wenn der Maibaum aufgestellt und bewacht wird. In unserem Stadtviertel jedenfalls ist diese Tradition ein absolutes Muss. Da werden schon Tage vorher die bunten Bänder gebastelt und der Stamm des Baumes kunstvoll mit Tannengrün und anderen Glücksbringern umwickelt. Kästenweise wird Bier und Alkoholisches herangeschafft, ein Grill organisiert, der groß genug ist, um gleichzeitig 20 Koteletts und 30 Bratwürste zu grillen. Die Frauen sorgen für Salate und belegte Brötchen und alle sind schwer beschäftigt. Das Maifest ist das einzige Fest, an dem die Männer sich auch an den Vorbereitungen freiwillig beteiligen und sich so richtig von Herzen engagieren. Irgendwie ist es beliebter bei der männlichen Bevölkerung als Weihnachten, Ostern oder sogar der Fasching.
Woran mag das liegen? Ist das Maifest mit dem Maibaumaufstellen ein traditionelles Männerfest? Vermutlich ja. Denn der 1. Mai ist der „Internationale Tag der Arbeiterbewegung“ oder auch landläufig einfach als „Tag der Arbeit“ bezeichnet. Zurück geht dieser Feiertag auf die Arbeiterbewegung aus dem Jahr 1886, als in Amerika die Arbeiter sich zusammentaten und erstmals für einen Acht-Stunden-Tag demonstrierten.
Die Nationalsozialisten führten den ersten Mai 1933 in Deutschland als gesetzl. Feiertag ein. Erst nach dem Krieg wurde der 1. Mai wieder für Kundgebungen der Arbeiterbewegung und Gewerkschaften genutzt, um sich für die Rechte der Arbeiter einzusetzen.

In der Tat ist der 1. Mai also ein Männerfest, denn damals waren es hauptsächlich die Männer die einer Arbeit nachgingen und für den Lebensunterhalt sorgten, während die Frauen traditionell zu Hause für die Familien sorgten. Dennoch gab und gibt es auf fast allen Maifeiern den Tanz in den Mai, der natürlich gemeinsam mit den Frauen gefeiert wird. Was danach kommt, zu fortgeschrittener Stunde, ist allerdings wieder reine Männersache, und Frauen tun gut daran, rechtzeitig die Party zu verlassen. Denn nächtens machen sich die angetrunkenen Maikönige auf den Kriegspfad und versuchen, sich gegenseitig die Maibäume aus dem Revier zu entwenden. Das bedeutet: ein Teil der Männer bleibt die Nacht über am eigenen Baum, bewacht ihn und wärmt sich fleißig mit Alkohol, während ein anderer Teil auf Beutezug geht und sich anschickt, die Bewacher eines anderen Maibaums außer Gefecht zu setzen und den Baum zu stehlen.
Das klingt zwar wie ein nettes Spielchen, mündet aber dank maßlosem Alkoholgenuss über viele Stunden, oftmals in handfesten Prügeleien mit Verletzungen. Dort wo der Klau gelingt, wird das Ereignis natürlich fröhlich begossen, dort wo er misslingt, wird der Frust in weiteren Gläsern ertränkt. Manch tapferer Verteidiger bleibt da auf der Strecke und findet sich am nächsten Morgen durchgefroren und verkatert am Straßenrand. So können ausgeschlafene Frühaufsteher, beim morgendlichen Brötchenholen am 1. Mai, manch traurige Gestalt beobachten, die verzweifelt versucht, ihr demoliertes Fahrrad nach Hause zu schieben.
Ansich ist die Tradition des Maifeierns doch ein schöner Brauch und kann eine Mahnung und ein Anstoß sein, sich daran zu erinnern, dass tatsächlich alle Macht vom Volke ausgeht und Menschen, die zusammenhalten etwas bewegen können, im Land das sie regiert. Ist der „Tag der Arbeit“ der einst ein stolzes Fest der Arbeiterbewegung war, die mit nüchternem, eisernen Willen, für uns alle um bessere Arbeitsbedingungen gekämpft hat – mittlerweile verkommen zu einem inhaltslosen Saufgelage?
Tigerauge
Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:
Maifeiern
Tanz in den Mai–Kontrolle

Mein Mann hat mir noch nie einen Maibaum gestellt. Ich finde diesen Brauch eigentlich auch nicht so wichtig bzw. es macht doch keinen Sinn :ugly: Allerdings wurden auf unserem Grundstück schon mal Bäume entwendet am 1. Mai. Das finde ich dann nämlich auch nicht so toll. In den Mai getanzt haben wir dieses Jahr leider nicht, da ich ein paar Tage vorher unglücklich gestolpert bin. Also war erstmal Beine und Füße hochlegen angesagt. :frown:
Tanz in den Mai? Nein, also ich kann auch nicht tanzen. Deshalb ist das für mich auch keine wichtige Tradition. Wir gehen am 1. Mai immer wandern, auch dieses Jahr. Dabei spielt übrigens das Wetter kaum eine Rolle. Von mir aus kann es regenen wie aus Eimern. Was ich am 1. Mai jedoch nicht so gut finde, sind die ganzen Auseinanderschreitungen in Berlin und anderen Großstädten. Ich frag mich immer, was das eigentlich soll. :????:
Das ist in meinen Augen ein typischer Männer Sauf-Tag, bloß mit Erlaubnis.
Immer am Ende des Tages, darf ich meinen Mann abholen und hoffen, dass er das Auto nicht vollkotzt :wallbash: