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25 Jahre Tschernobyl

Erinnern Sie sich noch, wo Sie am 26. April 1986 gewesen sind, und was Sie an diesem Tag getan haben? – Wahrscheinlich nicht spontan, nehme ich an. Wenn Sie jedoch hören, dass an diesem Tag der Unfall von Tschernobyl passiert ist, fällt es Ihnen höchstwahrscheinlich sofort ein. Dieser erste atomare Super-GAU in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie gehört zu den Ereignissen der Weltgeschichte, die solchen Eindruck hinterlassen, dass sie eine Markierung in der Zeitleiste des eigenen Lebens darstellen.
Ausgelöst worden war das Unglück durch einen Stresstest, den Reaktor 4 des in der Ukraine gelegenen Atomkraftwerks nicht bestand. Dabei hatte man ausprobieren wollen, wie der Reaktor auf einen totalen Stromausfall reagieren würde. Durch den so verursachten kurzen Ausfall des Kühlsystems kam es zu einer Leistungsspitze im Kernreaktor, die schnell außer Kontrolle geriet und zu einer schweren Explosion führte, in deren Folge riesige Mengen Cäsium-137 und Jod-131 freigesetzt wurden, die in ganz Europa, sowie in Vorderasien und Nordafrika für erhöhte radioaktive Strahlungswerte sorgten, die teilweise bis heute anhalten.
Die Stunden und Tage nach der Explosion waren geprägt durch Vertuschungsversuche, wodurch wertvolle Zeit für die Evakuierung der Anwohner, besonders der Stadt Prypjat, ungenutzt verstrich.

Opferzahlen: Unbekannt

Niemand weiß, wie viele Todesopfer der Super-GAU von Tschernobyl effektiv gefordert hat bzw. noch nach sich ziehen wird. Klar ist, dass auch heute noch etwa 90 % der Kinder in der Region an strahlungsbedingten, oft sehr schweren, Krankheiten leiden. Die im Erbgut der Menschen gesetzten Schäden werden noch viele Generationen lang immer wieder sichtbar werden.

Lügen und Vertuschung


Maximal alle 100.000 Jahre ein Super-GAU. So lautete die unsägliche Propaganda, mit der Atomlobbyisten wie Franz-Josef Strauß den Menschen hierzulande die Atomenergie schmackhaft machen wollten. Eine saubere, sichere Sache sei das, lautete die Devise. Wen interessierten schon theoretische Gefahren, die noch dazu im Ernstfall so schön unsichtbar und geruchlos daherkommen?
Ich erinnere mich, dass ich schon damals verwundert war, wenn ich Franz-Josef Strauß über Atomkraftwerke schwärmen hörte. Unsichtbar als Synonym für nicht vorhanden zu verwenden, das war schon ein starkes Stück für einen, der als bekennender katholischer Fundamentalist schließlich an den Heiligen Geist glaubte.
Leider gelang es auch dem furchtbaren Unglück von Tschernobyl nicht, die Menschheit zum Umdenken zu bewegen. Auch in den Jahren danach kochten die Meiler weltweit munter vor sich hin. Entschlossenes Einleiten einer Energiewende? – Fehlanzeige.
Inzwischen sind wieder 100.000 Jahre 25 Jahre vergangen, und der nächste Super-GAU ist in vollem Gange. Während europaweit mit Betroffenheit der Jahrestag von Tschernobyl begangen wird, kämpft Japan verzweifelt gegen die Katastrophe von Fukushima. Wie gut, dass wir nun wieder 100.000 Jahre Zeit haben, bis zum nächsten Super-GAU …





Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Atomkraft und die Strompreise

Fukushima ist überall

Kernkraftwerk Emsland in Lingen

Lingen: Atomkraftwerk abgeschaltet



1 Kommentar

  1. Ich erinnere mich nicht an diesen Vorfall, da ich noch sehr klein war. Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Ausmaße dieser Super-Gau gehabt haben muss. Wenn man bedenkt, wieviele Menschen noch heute unter den Folgen dieser Katastrophe leiden, dann wird einem ganz mulmig. Ich denke, dass es wirklich Zeit wird für Veränderung und wir aus solchen Katastrophen lernen.

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