Mein Blick aus dem Fenster macht klar: der Herbst nimmt auch in Lingen Einzug.
Herrlich, ich liebe diese Jahreszeit. Warm und gemütlich wird es dann zu Hause. Im Ofen brennen unbeschwert die duftenden Holzscheite. Auf meinem Schreibtisch steht ein Teller mit leckeren Keksen und heißer Kakao. Da macht die Arbeit gleich viel mehr Spaß als in der lähmenden Sommerhitze. Plötzlich fällt mir auf, dass der Keksteller, den ich gerade erst neu bestückt hatte, leer ist. Wo sind die Kekse hin? Ich hab doch höchstens zwei oder drei …? Oder etwa mehr? Nein Nein, kann nicht sein, dass ich die alle allein …? Andererseits, außer mir ist keiner hier.

Nachdenklich auf den Teller starrend, tauchen Gedanken auf, die mir nicht gefallen. Angenommen, der Winter dauert 5 Monate. Weiter angenommen, ich würde tatsächlich in dieser Zeit, jeden Tag eine halbe Tüte Kekse konsumieren und meinen Kakao dazu trinken, dann hätte ich im Frühjahr ein echtes Problem mit meinem Gewicht. Zumal Kekse nur den Nachmittag versüßen, abends greife ich gern zu Schokolade und Pralinen …
Um ehrlich zu sein: Ich hatte dieses Problem. Denn dies war ein Rückblick, auf die Zeit von vor drei bis vier Jahren. Bis dahin hatte ich tatsächlich in jedem Frühjahr das gleiche Gewichtsproblem. Lockere 6 Kilo mehr schleppte ich schon im Januar/Februar mit mir herum. Und jedes Frühjahr folgte auf die Schlemmerzeit, die Fastenzeit. Mal mit mehr, meistens mit weniger Erfolg. Wie viele andere Menschen, habe ich jahrein, jahraus versucht, die Kilos mit einer der unzähligen Diäten, die ich nicht zum xten Male aufzählen will, in den Griff zu bekommen. Unterm Strich hat mir keine auf Dauer geholfen. Der Grund dafür ist eigentlich klar.
Die Gewichtszunahme zum Winter, ist ein von der Natur gewollter Mechanismus. Er stammt, wie so viele unserer genetischen Anlagen, aus der Zeit, als Menschen kaum Vorräte für die harten Wintermonate hatten, geschweige denn, dass genügend frische Nahrung wuchs. Was also lag näher, als die Vorräte im eigenen Körper anzusammeln? Es hieß also, in den Sommermonaten die Fettzellen bis zum Anschlag mit Energie zu füllen, solange das Nahrungsangebot üppig war. Danach verkroch man sich in Höhlen und bewegte sich so wenig wie möglich, um Energie zu sparen. Tiere im Winterschlaf machen es heute noch so. Dick war also nicht schick aber überlebensnotwendig.
Gemeinerweise wird dieses Verhalten von Hormonen gesteuert, die noch nicht mitbekommen haben, dass in der westlichen Welt, das ganze Jahr über, ein gut gefüllter Kühlschrank jede Hungerzeit unterbindet. Es ist also nicht meine Naschsucht schuld, sondern die Hormone, die mich herbstzeitlich zu vermehrter Nahrungsaufnahme drängen. Gekoppelt mit müßigen Stunden in Sofa- und Sesselecken, wird über meinen Verstand hinweg, einfach ein Fettdepot angelegt!
Ich mag es nicht, wenn ich fremdmanipuliert werde. Auch nicht, wenn es meine eigenen Hormone sind, die mich hinterlistig zu ungewolltem Verhalten gängeln. Ich möchte gefragt werden, wer was mit meinem Köper machen darf!
Da ich mich aber von meinem genetischen Programm nicht einfach verabschieden kann, habe ich einen Deal mit meinen Hormonen gemacht. Ich gebe ihren Forderungen nach, allerdings nicht mehr mit Energiepaketen wie Keksen und Schokolade. Eingetauscht gegen einen netten Teller mit Karottenschnipseln, Paprikastreifen, Knusperbroteckchen, Apfelscheiben, Joghurtdips und Quarkspeisen, kann ich weiter das Programm meiner Essgelüste bedienen. Dazu habe ich mir eine ganze Palette leckerer Kräutertees zugelegt, die so richtig gemütlich duften und schmecken. Die Fettzellen gehen allerdings leer aus. Das hat zur Folge, dass ich mich wesentlich fitter und beweglicher fühle. Zwar kostet es manches Mal Überwindung, mich in wetterfeste Kleidung zu hüllen, um mir Bewegung in frischer Luft zu gönnen. Doch die Gewissheit, dass ich mich nicht von antiquierten Hormonen überrumpeln lasse, motiviert mich immer wieder. Nach einem ausgiebigen Spaziergang oder einer Radtour kann ich mich guten Gewissens mit Tee und 2-3 (!) Keksen verwöhnen.
Tigerauge
18.10.2008 Ergänzung:
Falls es doch Ärger mit dem „Winterdepot“ gibt, biete ich Ihnen auf den Internetseiten von mir zum Thema Abnehmen sofort Hilfe an.

:clap: Bravo, ein sehr interessanter Bericht!
Auch ich werde mir keine Kekse mehr servieren.
Obst und Gemüse werden als Zwischenmahlzeit reichen müssen!
Und ganz wichtig:
Nach 16:00Uhr keine Kohlenhydrate mehr….
Hoffentlich spielen meine Hormone mit…
Ich würde gerne auf mein Winterdepot verzichten…
@Ulla
Warum sollte man ab 16:00 Uhr keine Kohlenhydrate mehr servieren? Ich finde man sollte schon ganz normal Essen, bloß halt nicht so wie Mittags :))