Erna Pallkes jährlicher Kampf mit den Kilos
Ich weiß nicht recht, so langsam glaube ich, dass niemand wirklich Wert darauf legt, dass ich meine Essgewohnheiten auf “gesund” umstelle. Wann bitte soll ich denn mal in Ruhe abnehmen? Mit dem Osterfest fing alles an dieses Jahr, Hasennester gefüllt bis zum Rand. Was ich nicht verschenken konnte, musste ich natürlich selbst essen. Dann stand mein Geburtstag an. Ich weiß nicht, weshalb das so ist, aber sämtliche Gäste brachten Pralinen und Schokolade mit. “Weil du das ja so gern isst”, sagten sie. Was für ein Unfug! Es ist genau umgekehrt: Ich muss es essen, weil es da ist. Nun habe ich gerade den Sommer mit den fetten Grillabenden hinter mich gebracht, da haben wir auch schon wieder Oktober. Die Kinder werden losziehen, mit ihren grausigen Masken die Nacht verscheuchen und verängstigten Mitbürgern an der Haustür die Süßigkeiten aus dem Küchenschrank nötigen. Halloween – inzwischen weiß ich endlich, was das ist, obwohl sich nur selten jemand zu mir verirrt. Doch sollte doch jemand an meine Tür klopfen, dann soll er auch nicht mit leeren Händen wieder gehen müssen. Aber wenn nicht? Wenn wie so oft in den letzten Jahren keines dieser Monster bei mir auftaucht? Wer sitzt dann mit dem ganzen Zeug und muss Tag für Tag dagegen anessen? Richtig! Ich! Dabei wollte ich endlich die Abspeckrunden in Angriff nehmen, die ich mir beim Jahreswechsel vorgenommen hatte.
Aber nicht genug damit. Sollte ich dann die Halloweenreste glücklich aus dem Verkehr gezogen haben, was kommt dann? Kann ich dann endlich meine guten Vorsätze in die Tat umsetzen? Aber nein! Natürlich nicht! Schließlich steht doch am 10. November schon wieder so ein Tag bevor. Martinisänger werden von Haus zu Haus ziehen und sich ihre Kopfkissen füllen, als hätten sie das ganze Jahr keine Süßigkeiten bekommen. Und ich – ich werde notgedrungen wieder losgehen und neu einkaufen. Ich bin ja nicht eine von denen, die zu Martini ihre Reste aus den Schränken entsorgen und sie klammheimlich den fleißigen Sängern und Sängerinnen mit in den Sack schmuggeln. Und was nicht ersungen wird, bleibt wieder pfundig auf mir sitzen. Immerhin werden da auch schon diverse Nüsse mit dabei sein, Alles wird man eh nicht bei den Kindern los. Also wird es wieder heißen: Reste vertilgen, bis der Eimer kommt.

Man o man. Das Jahr ist fast um, viel Zeit bleibt nicht mehr, um erfolgreich einige Kilos abzuspecken. Dabei zeigt die Waage mittlerweile fast 90 kg an – glatte 20 kg Übergewicht! Der nächste Großeinkauf wird dann auch zum absoluten Albtraum. Was sehe ich in den Regalen? Schokoladen-Weihnachtsmänner so weit das Auge reicht! Lebkuchen, Marzipan und Adventskalender! Mir steigen die Tränen in die Augen. Was habe ich nur verbrochen? Ich bin doch guten Willens!
Was soll ich sagen, die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass man sich nicht wochenlang gegen das Zeug sträuben kann. Also packe ich es gleich in meinen Einkaufskorb. Es ist ja auch schon Adventszeit, der Nikolaus wird kommen und braucht was für die Enkelkinder und überhaupt, was macht das für einen Eindruck, wenn Besuch kommt, und ich kann nichts anbieten, das zur Jahres- und Feierzeit passt.
Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich dieses Jahr mit meinem Vorsatz wieder einmal gescheitert bin. Wie machen andere Menschen das nur? Die haben doch genauso viele Feste zu feiern wie ich? Kaufen die einfach nichts ein? Oder werfen die etwa das ganze leckere Zeug in den Müll? Wo doch so viele Menschen hungern müssen? Das kann ich nicht glauben. Auf jeden Fall kann man doch alles bis zur Silvesterfeier aufbewahren. Danach ist ja dann endlich einmal Schluss mit dem ganzen Zeug. Ich schöpfe Mut und Zuversicht, stopfe eines der letzten Törtchen in mich hinein, das Lieschen mir von ihrer Geburtstagsfeier mit auf den Weg gegeben hat, und sage mir: “Silvester fange ich ganz neu an! Dann ist endgültig Schluss mit den Kilos.”
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„Abnehmen“
Tigerauge
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