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Ackern, knechten und sparen




So langsam guckt die Katze aus dem Sack. Minister Schäuble soll es uns schonend beibringen: Es kommen harte Zeiten auf uns zu!

Eigentlich wäre es mir lieber, wenn die Fakten knallhart auf den Tisch kämen und die Politiker endlich aufhören würden, uns Bürger wie kränkliche Greise zu behandeln, denen man besser wenig erzählt, das Wenige noch beschönigt und in verdaulichen Häppchen präsentiert. Was viele Bundesbürger seit Jahren haben kommen sehen, als Fehler noch korrigierbar oder vermeidbar gewesen wären, das überrascht jetzt die uns Regierenden mit aller Macht. Finanzkrise durch undurchsichtige Regelungen auf dem Markt und eine dilettantisch durchgeführte europäische Einheitswährung machen Deutschland demnächst ebenso zahlungsunfähig wie Griechenland.
Jetzt dürfen die die Zeche zahlen, die am wenigsten Einfluss hatten, um derartige Entwicklungen zu verhindern. Nämlich Menschen wie Du und ich. Jetzt werden die Messer gewetzt und statt faule Eier zu entsorgen, werden sie konserviert und noch genießbare Eier halbiert.
Die Renten werden nicht angetastet, und der Erziehungszuschuss soll auch bestehen bleiben. Schön. Mal sehen wie lange, kann ich da nur sagen. Aber im Gesundheitsbereich, das steht wohl fest, soll als erstes gespart werden. Sparen klingt gut, bedeutet aber in diesem Fall nichts anderes als: wir bekommen entweder weniger Leistungen oder müssen diese mit einem Extraschein bezahlen und nicht etwa weniger Geld für Unnützes ausgeben von Seiten der Verantwortlichen. Fragen wir einmal den gesunden Menschenverstand – also die Bevölkerung – wo sie als erstes sparen würden, dann kämen die wenigsten Menschen auf die Idee ausgerechnet bei der Gesundheit oder überhaupt im Sozialbereich zu sparen. Wenn nämlich in der Haushaltskasse der Bürger Ebbe herrscht, dann setzen sie sich hin und schauen, ob es möglich ist Ausgaben zu kürzen oder dort zu streichen, wo sie zwar Annehmlichkeiten bereiten, aber im Grunde völlig überflüssig oder gar schädlich sind.
Einer dieser Bereiche im Staatshaushalt sind die Subventionsausgaben. Nicht, dass alle Subventionen verbranntes Geld sind. Aber viele von ihnen, sind längst keine Subventionen mehr, die helfen sollen, einen Engpass zu überwinden oder als Starthilfe für Projekte zu dienen, die allen Bürgern zugute kommen!
Allein die neu eingeführte Mehrwertsteuervergünstigung für das Hotel- und Gastronomiegewerbe kostet uns alle jährlich fast 3 Milliarden Euro! Mit zusätzlichen 19,5 Milliarden Euro ist die Förderung der gewerblichen (!) Wirtschaft der dickste Batzen, der ausgegeben wird, ohne dass die Menschen im Lande auch nur den geringsten Vorteil davon haben! Das hat mit freier Marktwirtschaft übrigens nichts mehr zu tun. Wer als Unternehmer nur überleben kann, wenn er für die Vermarktung und Verbreitung seiner Produkte Zuschüsse bekommt, ist alles andere als ein freier Unternehmer in der freien Marktwirtschaft. Interessante und aufschlussreiche Zahlen dazu finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums – besonders interessant für uns sind die Angaben für Niedersachsen (Wurde vergessen die Tabelle auszufüllen oder schon gespart?).
Subventionen gehören dorthin, wo Projekte auf den Weg gebracht werden, die allen Menschen zugute kommen. Immerhin ist es unser Geld, das da verteilt wird an die Wirtschaft. Es ist z.B. auch nicht nachvollziehbar, dass das Benzin der Fluggesellschaften nicht besteuert wird. Im Gegenteil, als einer der größten Umweltverschmutzer sollten Fluggesellschaften dementsprechend mehr Steuern zahlen oder? Natürlich kann es sein, dass Fliegen dann teurer wird, aber dafür steht der Allgemeinheit das eingesparte Geld bzw. die Mehreinnahmen, das ganze Jahr über zur Verfügung und kann dort eingesetzt werden, wo es jetzt irrsinniger Weise gekürzt werden soll.


Wenn mein Budget es nicht hergibt, mir der Familie einen dreiwöchigen Urlaub auf Mallorca zu leisten, dann fahre ich eben mal zwei Wochen auf eine deutsche Insel und komme nicht auf die Idee, die Schulbücher meiner Kinder bei Ebay zu verkaufen oder meinen Kindern den Zugang zu regelmäßigem Sport zu verwehren, indem ich sie vom Sportverein abmelde. Das sind doch die grundlegenden Dinge, die es zu erhalten gilt, das tägliche Leben und die Gesundheit der Menschen.
Wer es genauer wissen möchte, wo seine Steuergelder ver(sch)wendet werden, kann es im Subventionsbericht der Bundesregierung hier nachlesen. Und das sind Zahlen vom letzten Jahr, für 2010 wird der Bericht sicher noch spannender.

So, jetzt muss ich aber wieder arbeiten, eine halbe Stunde für mich und die andere halbe Stunde für das Säckel das unten völlig durchlöchert ist.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Lingen, wer bekommt noch Lohn?

Westerwelle+Hartz-IV



1 Kommentar

  1. Ergänzung:

    Noch mehr knechten ist angesagt!

    Die Landtagsfraktionen von CDU, SPD und FDP in Niedersachsen sprachen sich mit großer Mehrheit am 1.6.2010 in Hannover für eine von der Diätenkommission des Parlaments vorgeschlagene Anhebung aus. Demnach soll die Grunddiät der Parlamentarier ab Juli um 205 € auf 5800 € ansteigen und sich zum Jahreswechsel noch einmal auf 6000 € erhöhen!
    :motz:

    Quelle LT 2.6.2010

    Jetzt muss ich aber weiter knechten

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