Eine Aktion der Jugendämter und der Polizei im Emsland und der Grafschaft.
„Minderjährige Alkohol-Testkäufer“
Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Minderjährige Jugendliche, die in der Öffentlichkeit von Ordnungshütern, mit Alkohol angetroffen werden, erhalten eine Ermahnung und der Alkohol wird sichergestellt. Anschließend bekommen die Eltern vom Ordnungsamt ein Schreiben mit einer Ordnungsgeldforderung.
Die Verkäufer, die sich gesetzeswidrig verhalten und den Alkohol an Minderjährige verkaufen – tun im Grunde nichts anderes, als jeder Rauschgiftdealer auch – sie aber gehen straffrei aus. Und das selbst dann, wenn sie bei diesem Deal vorgewarnt und auf frischer Tat ertappt wurden!
Von Eltern kann man nicht erwarten, dass sie ihren pubertierenden Sprösslingen auf Schritt und Tritt auf die Finger sehen und jede Minute des Tages kontrollieren. Wird es aber offensichtlich, da sie ja diejenigen sind, die letztendlich die Ordnungsstrafe zahlen müssen, die eigentlich auf das Konto der Alkoholdealer gehen müsste.
Es gibt übrigens noch einen feinen Unterschied in der Beurteilung, ob die Ordnungswidrigkeit des verbotenen Verkaufs vorsätzlich, oder bedingt vorsätzlich getätigt wurde. Vorsätzlicher Verkauf setzt voraus, dass der Verkäufer weiß, dass sein Kunde noch keine 16 bzw. 18 Jahre alt ist. Bedingt vorsätzlich, bedeutet, dass der Verkäufer zwar die Minderjährigkeit vermutet hat, aber ohne Altersnachweis Alkohol verkauft hat. Der Verkäufer ist also immer auf einer relativ sicheren Seite, wenn er sich darauf beruft, dass er den Einkäufer für volljährig hielt – er hat schlecht geschätzt oder keinerlei Menschenkenntnis. Vorsatz lässt sich bei geschickter Argumentation nicht nachweisen.

Wozu dient ein Jugendschutzgesetz, wenn es die schützt, vor denen die Jugend eigentlich geschützt werden soll? Mit welcher Begründung werden Verstöße beim ersten Mal nicht geahndet? Zwischen der ersten und nächsten Kontrolle liegen oft Jahre. Jahre, in denen weiterhin Alkohol an Minderjährige verkauft wird, die ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Angesichts der dramatischen Zunahme von Alkoholmissbrauch bis hin zum Komasaufen mit Landung auf der Intensivstation, kann man nicht mehr von Ordnungswidrigkeit sprechen. Das ist fahrlässige Körperverletzung, an der die Verkäufer aktiv teilnehmen. Und neuerdings unter staatlicher Kontrolle und Duldung. Die wenigen Fälle, in denen es tatsächlich zu hohen Geldstrafen und Schließungen von Gaststätten oder Verkaufsstellen kommt, stehen in keinem Verhältnis zu der Anzahl der Verstöße. Verstöße, die Tag für Tag begangen werden.
Es ist offensichtlich immer noch ein naives Denken in den Köpfen der Verantwortlichen, dass Alkohol „irgendwie“ nicht wirklich zu den harten Drogen gehört. Ein fataler Irrtum. Alkohol ist einer der härtesten Drogen und führt bei dauerhaftem Missbrauch zu Leber-, Nieren- und Herzschäden, Demenzerkrankungen, Parkinson, körperlichem Verfall, Isolation und sozialem Abstieg bis ganz nach unten. Kein Unterschied zu Heroin und Kokain – jedenfalls nicht, was die zerstörerischen Auswirkungen angeht. Alkoholabhängige Jugendliche sind die Pflegefälle von morgen. Und sie haben verloren, bevor ihr Leben überhaupt angefangen hat. Jeder ist aufgerufen, diese Entwicklung zu stoppen – nicht nur Kiosk- und Gaststättenbesitzer. In erster Linie die Eltern, die für ein Umfeld sorgen müssen, in dem Kinder gesund und frei aufwachsen können und in ihren Fähigkeiten gefördert werden. Dazu dürfen sie auch auf die Barrikaden gehen, wenn sie von Staat und Politik mehr Engagement erwarten. Weiter liegt es natürlich in ihrer Verantwortung, selber einen vorbildlichen Umgang mit der Droge Alkohol zu pflegen und sinnvolle Freizeitgestaltung vorzuleben. Aber eben auch Staat und Politik dürfen sich nicht damit begnügen, Gesetze zu schaffen, die kaum Anwendung finden. Das ist unglaubwürdig und zeugt von wenig Vertrauen in die eigenen Regeln.
Tigerauge
Ergänzung:
Ähnliche Artikel, im gleichen Sinne zum Thema
>> Jugendliche und Alkohol, das Komasaufen
>> Exzessiven Alkoholkonsum stoppen
kann man hier im Olle Piepen Blog lesen.

Ich kann nicht verstehen, wieso immer mehr Jugendliche dem Alkohol so zugeneigt sind. Ich finde es echt schade, dass man da auf politischer Ebene aber vorallem innerhalb der Familie nicht mehr dagegen tut. Man muss einfach mehr in die Offensive gehen, die Dinge ansprechen, mit den Jugendlichen reden. So kann es doch nicht weitergehen! :Klugscheisser:
Hey, toller Beitrag! Ich habe vor kurzem einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen, dass jugendliche Testkäufer für Alkohol eingesetzt werden sollen. Ich wollte euch fragen, ob das dann nur in bestimmten Regionen der Fall ist oder ob solche Testkäufer jetzt bundesweit eingesetzt werden? Ich finde das eine sinnvolle Sache und hoffe, dass es letztlich auch was bringt!
Das mit der Kontrolle bringt nicht viel. Die Jugendlichen sehen auch schon älter aus, als Sie sind. 16 Jährige sehen manchmal schon aus wie 25. Da kann man wirklich nicht immer den Personalausweis fordern.
Viele haben ja auch Freunde, die Älter als 18 sind. Diese kaufen den Alkohol dann einfach.
Es müssen insgesamt andere Bedingungen geschaffen werden.