Ein Bakterium das in der Gartenerde schlummert.
Clostridium tetani
Zu den Bakterien, die im Allgemeinen unterschätzt werden oder noch nicht einmal bekannt sind, gehört das Clostridium tetani. Menschen, die sich wenig in der Natur aufhalten, kommen seltener mit ihm in Berührung. Wer allerdings einen Garten hat und diesen auch selber tatkräftig pflegt, der sollte schon davon gehört haben.
Clostridium tetani ist ein Bakterium, das u.a. in der Gartenerde schlummert. Gesunder Haut kann es für gewöhnlich nichts anhaben. Hat es aber die Chance, durch eine winzige Hautverletzung in die Blutbahn einzudringen, kann es verheerenden gesundheitlichen Schaden anrichten. Dabei ist es nicht das Bakterium selbst, das die Erkrankung Tetanus auslöst, sondern die giftigen Stoffe, die es ausscheidet, führen zum sog. Wundstarrkrampf.
Zu erkennen ist die Infektion oft erst drei bis sieben Tage später, wenn die Wunde Entzündungszeichen aufweist. Kommen zu diesen Symptomen noch Kopfschmerzen, Fieber und Muskelkrämpfe hinzu, hat sich das Gift bereits über das Rückenmark im Körper ausgebreitet. Krämpfe und Lähmungen, die zuerst am Kopf und im Gesicht auftreten, können sogar bis zu drei Wochen nach der Infektion auftreten. Die Krämpfe sind extrem schmerzhaft, breiten sich über den ganzen Körper aus und sind derart stark, dass es durch sie zum Bruch von Wirbelkörpern kommen kann.
Hoch dosiertes Antibiotika ist zur Zeit die einzige Möglichkeit, den Wundstarrkrampf zu behandeln. Wobei der Erfolg entscheidend davon abhängt, dass die Patienten früh genug den Arzt aufsuchen. Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem oft nicht stark genug ist. Dreißig Prozent der nicht geimpften Tetanuspatienten sterben an der Infektion.

Eine Tetanusimpfung kann schützen. Sie besteht aus einer kleinen Impfung direkt unter die Haut und wird in unterschiedlichen Abständen dreimal durchgeführt. Erst danach entfaltet der Impfstoff seine volle Schutzwirkung. Diese hält in der Regel 10 Jahre und muss dann wiederholt werden. Bevor es diese Impfmöglichkeit gab, führte der Wundstarrkrampf in vielen Fällen zu einem qualvollen Tod. Es lohnt sich, einmal bei Google nach Bildern zum Thema zu suchen. Sie sprechen für sich und sollten jeden, der bisher glaubte, dass ein wenig Erde in der Wunde nicht weiter schlimm ist, zu denken geben. Auch heute noch sterben jedes Jahr Menschen an dieser Erkrankung, weil sie vielleicht kleinste Kratzer und Wunden, im Eifer des Gefechts bei der Gartenarbeit, gar nicht bemerkt haben. Statistisch sind es über eine Millionen Menschen, die jedes Jahr dem Wundstarrkrampf zum Opfer fallen. Die Mehrheit von ihnen war nicht geimpft. Die Impfung selber wird sehr gut vertragen und ist eine der wenigen Impfungen, die kaum ungewollte Nebenwirkungen haben und deren Wirkung seit vielen Jahren bestätigt ist.
Das Bakterium schlummert übrigens nicht nur im Erdreich, sondern auch im Holz. So ist auch bei Holzarbeiten auch kleineren Verletzungen (Splitter!) größte Aufmerksamkeit zu widmen.
Viele Menschen glauben, wenn sie eine Wunde reinigen, dann wäre die Gefahr gebannt. Das ist aber ein Irrtum. Bakterien dringen sehr schnell unsichtbar ins Gewebe ein und sind so für Wasser unerreichbar. Weitere Möglichkeiten mit dem Bakterium in Verbindung zu kommen, sind Operationen in Krankenhäuser und Kliniken, in denen sämtliche Viren und Bakterien ohnehin verstärkt zu finden sind. Um dies zu vermeiden, wird vor OPs immer nach einem vorhandenen Impfschutz gefragt.
Kratzer und kleine Verletzungen während der Gartenarbeit tapfer als Bagatelle abzutun, ist also absolut keine Zeichen besonderer Heldenhaftigkeit, sondern eher Leichtsinn, der im schlimmsten Fall das Leben kosten kann. So darf man zu seinem eigenen Schutz ruhig mit Handschuhen arbeiten, wo immer es möglich ist. Mit Verweichlichung hat das absolut nichts zu tun, aber mit einer einfachen und wirksamen Vorsorge. Schließlich möchte man seinen Garten auch im nächsten Jahr noch in vollen Zügen genießen können.
Tigerauge
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