Bankkunden: AD = Alt und doof?
Auch wenn die Medien oft viel Mist verzapfen: Manchmal machen sie ihrer Stellung als inoffizielle »Vierte Gewalt« im Staat alle Ehre. Dass demokratische Kontrolle und Gesetzgebung nicht funktionieren und Menschen durch alle Maschen fallen, das ist kein Einzelfall. Tritt dann das Fernsehen auf den Plan und macht den Skandal öffentlich, kommt Bewegung in den Fall.
So geschehen kürzlich in Sachen dubioser Geldanlagen, die offenbar flächendeckend durch Banken an Rentner verkauft werden. Die Sendung »Stern TV« nahm sich des Problems an und die Rechercheergebnisse sind niederschmetternd: Es scheint völlig normal zu sein, dass Senioren im Alter von über 80 Jahren zu Geldanlagen mit 30-jähriger Laufzeit veranlasst werden. Dabei machen Banken sich zunutze, dass die betagten Kunden das Kleingedruckte oft nicht mehr lesen können und stattdessen Vertrauen in ihre Bankberater setzen. Ein Vertrauen, das ihnen schlecht gedankt wird: »AD-Termine« heißen Verkaufsgespräche mit älteren Kunden bankintern. AD steht in diesem Fall für willkommene Opfer, die »alt und doof« und deshalb leicht zu überzeugen sind. Ein schneller Reibach für die unter Erfolgsdruck stehenden Bankberater, die Abschlüsse liefern müssen, wenn sie ihren Job behalten und vielleicht sogar aufsteigen wollen. Ein perfides Geschäft zu Ungunsten der Kunden, das ein schräges Licht auf die angebliche »Seriosität« der Banken wirft.

Sozialhilfe statt eigenem Vermögen
Durch diese Machenschaften kommt es auch zu Fällen, in denen alten Menschen die Minimalpflege auf Staatskosten zuteilwird, weil sie auf ihr eigentliches Vermögen nicht mehr zugreifen können, das in geschlossenen Schiffsfonds steckt, während der eigentliche Besitzer mittellos dasteht. Der Euro-Rettungsschirm ist also durchaus nicht die einzige Möglichkeit der Banken, sich an der Allgemeinheit schadlos zu halten. Dass es ein größeres Verbrechen sei, eine Bank zu gründen, als eine Bank auszurauben, diese Erkenntnis hatte schon Bertolt Brecht gewonnen. Wie richtig er damit lag, das zeigt sich am Umgang mit den »AD-Kunden«.
Sollten Sie ältere Menschen in Ihrer Familie haben, die offensichtlich von Bankberatern bedrängt werden, dann mischen Sie sich ein. Kann der Senior das Kleingedruckte nicht mehr so gut lesen, dann bieten Sie ihm Ihre Hilfe an: Lesen Sie für ihn und erklären Sie ihm genau, worum es sich handelt. Tun Sie dies behutsam und akzeptieren Sie, dass die letzte Entscheidung bei ihm selbst liegt. Es geht nicht darum, ältere Menschen zu entmündigen, sondern dafür zu sorgen, dass sie genau verstanden haben, was sie unterschreiben.
Was tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?
Sie haben in der eigenen Familie einen ähnlich gelagerten Fall? Oder kennen andere Senioren, denen man auf solch legal-verwerfliche Weise faktisch ihr Vermögen gestohlen hat? Oder Sie sind selbst in hohem Alter zu sehr langfristigen Geldanlagen überredet worden? – Dann sollten Sie jetzt aktiv werden! Die hohe öffentliche Aufmerksamkeit, die das Thema momentan dank Stern TV genießt, stellt eine einmalige Chance dar, eine Rückabwicklung der Verträge zu erreichen. Stern TV sammelt entsprechende Fallberichte und wird den medialen Druck weiter erhöhen. Beteiligen Sie sich ebenfalls daran und schildern Sie Stern TV Ihre Erlebnisse mit der Bank Ihres Vertrauens. Nutzen Sie dazu das Kommentarfeld, das Sie über folgenden Link erreichen:
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http://www.stern.de/tv/sterntv/schlechte-geldanlage-fuehlen-auch-sie-sich-von-ihrer-bank-betrogen-1748773.html
Tigerauge
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