Geschichten, wie Sie das Leben schreibt – Eine Frau auf Stellensuche berichtet auf sarkastische Weise von ihren Erlebnissen und Misserfolgen bei verschiedensten Vorstellungsgesprächen.
Teil 5.
Junge Mode – so oder so
Älter werden ist für keine Frau ein Kinderspiel. Man kriegt Falten, geht ein bisschen in die Breite, kurz gesagt: Der Lack ist ab. Das heißt aber noch lange nicht, dass man keine schicken Kleider an die Frau bringen kann, denn dazu gehört ein bisschen mehr als nur ein jugendliches Aussehen. Leider sind nicht alle Besitzerinnen von Boutiquen dieser Meinung.
Das Schaufenster ist sehr ansprechend, das Geschäft von innen auch, und die Besitzerin sieht aus, als wäre sie gerade der „Vogue” entstiegen. Zumindest erinnert sie ein wenig an die berühmt-berüchtigte Chefredakteurin Anne Wintour, die Dame, die so gerne Prada trägt. Sie blättert ein wenig desinteressiert in den Bewerbungsunterlagen und tippt schließlich mit dem spitz gefeilten und rot lackierten Fingernagel auf die Rubrik Geburtsdatum. „Hm, Sie sind also 1958 geboren?” Steht ja da schwarz auf weiß. Was hat sie denn gedacht? Dass es überhaupt noch Frauen diesen Jahrgangs gibt, die noch leben? Es folgt eine eingehende Musterung. Sehr langsam wandert ihr Blick von der Frisur bis zu den Schuhen. Ok, ich trage keine zehn Zentimeter Absätze wie sie, aber meine Schuhe haben auch mal Geld gekostet. „Wie würden Sie denn Ihren eigenen Stil beschreiben?” Sportlich vielleicht oder auch leger. „Sehen Sie, wir verkaufen hier junge elegante Mode für junge Frauen mit Stil!” Toll, ist sportlich kein Stil, oder sollte das heißen, ich bin zu alt? „Ich möchte eher eine junge Frau, die sich mit meiner Mode identifizieren kann!” Das war’s, ich werde diskriminiert, weil ich ein paar Jahre zu viel auf dem Buckel habe! Macht aber nichts, denn mein Gegenüber hat auch schon einige Falten, aber Botox macht ja so manches Fältchen unsichtbar.
Ich trage halt weiter Jeans und verzichte lieber auf die eine oder andere Spritze.

Teil 6.
Kinder können krank werden
Kinder, so wird es einem ständig von allen Seiten immer wieder gesagt, Kinder sind unsere Zukunft. Wer Kinder hat und auf Jobsuche geht, der hat aber eher schlechte Karten. In den Augen der meisten Chefs sind Kinder potenzielle Gefahren. Sie halten ihre Mütter nur von der Arbeit ab und überhaupt, wie kommt eine Frau dazu, sich zu bewerben, wenn sie Kinder zu Hause hat?
Bevor man zu beruflichen Erfahrungen und fachlichen Qualitäten gefragt wird, kommt in der Regel die Frage: Haben Sie Kinder? Und wenn ja, wie alt sind die denn? Wenn man stolz erzählt, dass man Kinder hat, dann hat man eigentlich schon verloren. Warum? Ganz einfach: Kinder machen einfach nur Stress. Da fällt mal eine Schulstunde aus und das Kind kommt womöglich noch in den Laden und will in der Freistunde die Mama besuchen. Oder noch schlimmer, das Kind wird krank und Oma oder Tante haben keine Zeit um aufzupassen. Und dann? Besitzt die Mutter doch die Frechheit und ruft in der Firma an, dass sie etwas später kommt, weil sie ja noch mit dem Kind zum Arzt muss. Müssen mal Sonderschichten oder Überstunden gemacht werden, wer ist nicht da? Richtig, die Muttis, denn die haben auf die Schnelle keinen Babysitter gefunden. Mitarbeiterinnen, die Kinder haben, sind einfach nicht flexibel genug für die heute so hektische Arbeitswelt. Frauen mit Kindern sollten doch lieber zu Hause am Herd und beim Nachwuchs bleiben, dann bliebe den Chefs viel erspart.
Mein Vorschlag wäre in diesem Fall eine Annonce, in der vielleicht steht: Wir suchen Mitarbeiterinnen, die sehr flexibel sind, keine Kinder haben und auch nach Möglichkeit keine mehr bekommen.
Fortsetzung folgt
Tigerauge
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Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Ja, Kinder können krank werden. Ich verstehe nicht, warum die Chefs das so abschreckt, haben doch selbst oft Kinder und wissen wie das ist. Naja, wahrscheinlich sehen die ihre Kids nicht so oft, weil die Mutti sich den ganzen Tag um die Kinder kümmert. Dennoch sollte sich hier endlich mal etwas ändern. Kinder sind ja auch unsere Zukunft, das sagen die Politiker doch auch immer. Also stellt gefälligst auch Leute ein, die Kinder haben!