Menière Desaster – Autorin aus dem Münsterland
Menière ist eine Krankheit mit vielen offenen Fragen und wenigen Antworten. Und wer nicht gerade selber betroffen ist, wird sich damit nicht beschäftigen. Da ich kein Menière habe, bin ich nur deshalb auf das Buch aufmerksam geworden, weil ich andere Bücher der Autorin gelesen hatte. Sie schreibt ansonsten köstliche moderne Märchen für Erwachsene. Ich war neugierig, ob es ihre gelungen ist, auch bei diesem schwierigen Thema, ihrem scharfsinnig, satirischen Stil treu zu bleiben. Und das ist ihr perfekt gelungen. Ich jedenfalls kenne niemanden, der auf eine so ungewöhnliche Art, über so schwere Krankheitsschübe spricht oder schreibt.

Sylvia B. hat ihren Leidensweg der zwanzig Jahre dauerte, mit spitzer, analytischer Feder geschrieben. Dabei blättert sie auf unterhaltsame Art die ganze Dramatik wie aber auch die Ignoranz von Ärzten und Umwelt vor dem Leser auf. Mit ihrem Humor, trifft die gespitzte der Feder in Vorurteile, zeichnet gezielt und dosiert Karikaturen von kranken und gesunden Menschen, deckt psychische und gesellschaftliche Hintergründe auf bestechende Weise auf.
Einblicke in das Leben der Autorin entpuppen sich immer wieder als Blicke auf eigene ungeliebte Verhaltensweisen und Schwächen. Belehrendes oder Schuld zuweisende Textstellen sucht man allerdings ebenso vergeblich, wie sinnloses Klagen und Jammern. Das Buch zieht den Leser von Seite zu Seite und erzählt eine Irrfahrt, deren Wege viele Betroffene kennen, aber ganz sicher noch nicht auf so unterhaltsame und dennoch betroffen machende Art, erzählt bekommen haben. Der Leser bleibt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.
