Der Fall sorgt für bundesweite Schlagzeilen: Dirk Winter, seines Zeichens neuer Schützenkönig der Schützenbruderschaft St. Wilhelmi in Münster, könnte für das nun anstehende Landesbezirks-Königsschießen disqualifiziert werden. Grund: Er liebt einen Mann, was dem zuständigen Dachverband »Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften« sauer aufstößt. Winter möge doch alleine oder in Begleitung einer Frau, nicht jedoch gemeinsam mit seinem langjährigen Lebenspartner Oliver Hermsdorf zu den Veranstaltungen erscheinen. Hierbei beruft sich der Dachverband auf das Motto »Glaube, Sitte, Heimat« und auf die besondere Nähe des Verbandes zur katholischen Kirche, zu christlichen Werten und Sitten.
Der Fall lässt erahnen, wie schwierig das Schwulsein in der Praxis sein kann, selbst in Zeiten offen homosexuell lebender Politiker und Prominenter: Das Totschlagargument der sogenannten »christlichen Werte« lauert immer noch überall, sobald man ein wenig an der Oberfläche kratzt. Gerne wird von den Streitern des Glaubens jedoch verschwiegen, dass »christliche Werte« zu allen Zeiten recht unterschiedlich ausgelegt wurden: Folter, Totschlag, ja: ganze Völkermorde wurden damit legitimiert, womit die heutigen Anhänger nachträglich recht wenig Probleme zu haben scheinen. Allzu oft wurde das christliche Weltbild zu Ungunsten irgendwelcher »Außenstehender« ausgelegt, die den Preis für christlichen Glaubensstolz zu entrichten hatten. Machen wir uns nichts vor: Wertvoll nach dem christlichen Menschenbild ist einzig der weiße, heterosexuelle, männliche Katholik, der nach Gottes Ebenbild erschaffen ist, und dem sich deshalb alles andere unterzuordnen hat.

Das aus dieser Denkweise resultierende Problem spiegelt sich in der Praxis vielfach wider: Es beginnt schon mit der Frage, wie der einen schwulen Schützenkönig begleitende Lebensgefährte korrekt bezeichnet werden müsse. Und so wurde Oliver Hermsdorf in der Presse flugs zur »Schützenkönigin« erklärt, was den Ernst der anstehenden Diskussion nicht gerade unterstreicht.
Alles in allem ist wieder einmal festzustellen, dass es nicht nur auf eine gute Leistung ankommt, sondern immer auch darauf, wer diese Leistung erbringt. Dass ein Schwuler in der Lage sein soll, in einer derart »männlich geprägten« Disziplin nicht nur gute, sondern sogar noch die besten Leistungen zu erbringen, dürfte dem Selbstverständnis männlicher, heterosexueller Ebenbilder Gottes nicht geringe Wunden zufügen, wenn sie dies auch nur ungern zugeben. Wie gut also, dass es christliche Werte gibt, auf die man sich im Zweifelsfall berufen kann. Sie sorgen dafür, dass die Kirche im Dorf bleibt.
Ich für meinen Teil werde den Fall weiter beobachten, denn er besitzt Symbolkraft dafür, wie weit unsere Gesellschaft mit der Integration von Menschen, die dem christlich definierten Ebenbild Gottes nicht entsprechen, gekommen ist. Ein Blick auf die Homepage der Schützenbruderschaft verrät mir übrigens, dass es im gesamten Präsidium nicht eine einzige Frau gibt …
Tigerauge
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Unfassbar! Das empfinde ich als einen Skandal. Wieso darf man nicht an einem Turnier teilnehmen, weil man schwul ist? Hallo?! Wo leben wir denn? Im Mittelalter? Von Integration kann ja keine Rede sein, wenn man so etwas liest. Ich rege mich schon wieder zu sehr auf, aber das ist meine ehrliche Meinung.
Christliche Werte… wenn man das schon hört. Das klingt für mich schon echt abstoßend. Die sollten sich mal gefälligst selbst an die Nase fassen, bevor sie mit christlichen Werten daher kommen. Wieso werden Menschen, die schwul sind, anders behandelt? In meinen Augen nicht nachvollziehbar und auch total altmodisches Denken. Wer sagt denn, was richtig und was falsch ist? Könnte mich schon wieder aufregen