Was für ein unwürdiges Schauspiel, das unsere Politiker momentan aufführen: Mit großem Trara wird das neue Bio-Benzin E10 eingeführt. Die Mineralölbranche wird mit Strafsteuern bedroht, bringt sie nicht eine staatlich festgelegte Menge Pflanzenöls an den Mann, auf welchem Weg auch immer. Planwirtschaft lässt grüßen.
Nun sind ja die Ziele, die Schadstoffemissionen als auch unsere Abhängigkeit von den Scheichs zu reduzieren, erst mal per sé lobenswert. Wir wissen alle, dass beides uns eines Tages ruinieren wird. Doch die uns jetzt in wildem Aktionismus dargebotene Teillösung namens E10 ist ein gigantischer Irrweg. Scheibchenweise kommt die Wahrheit ans Licht: Selbst Autos, die E10 angeblich vertragen, können auf Dauer durch das Gepansche Schaden erleiden, da sich das Motoröl bei Verbrennung des Bio-Sprits mit Kondenswasser verdünnt und viel öfter wird ausgetauscht werden müssen. Versäumt man es, droht der Kollaps.
Viel schlimmer als einen beschädigten Bolliden aber finde ich eine Tatsache, die in den letzten Tagen erbärmlich wenig thematisiert wurde: die Verbrennung von Lebensmitteln zum Zwecke der Fortbewegung. Schon jetzt hat die weltweit wachsende Nutzung von Bio-Diesel die Preise für beispielsweise Mais ins Astronomische erhöht. Klar: Zahlt die Treibstoffindustrie dafür mehr als die Bäckerinnung, dann werden Maiskolben statt zu Tortillas eben zu Pferdestärken. So what? Doppelten Umweltschutz könnte man es nennen: Je mehr Menschen krepieren, weil sie sich Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, desto weniger der Ausstoß von Schadstoffen. Und desto mehr Platz für die Autos derer, die das Brot der Armen in ihrem Tank verheizen.
Was für ein zynischer Dreck, uns diese Neuerung auch noch als ökologisch zu verkaufen! Kann es ökologisch sein, kostbare Ackerflächen auszulaugen, nur für Benzin? Ackerflächen, die man nach Jahren des intensiven Getreideanbaus dann wieder aufbauen muss? Mit Kunstdünger, zu dessen Produktion wiederum Erdöl nötig ist? Warum dann nicht gleich das Erdöl im Tank verfeuern und die Äcker in Ruhe lassen? – Fragen über Fragen.

In der Zwischenzeit ist die Autoindustrie heimlich einen großen Schritt weitergekommen: Das Wasserstoffauto steht kurz vor seiner Serienreife. Frage: Warum hören wir in sämtlichen Nachrichtensendungen nur vom E10-Streit, nicht aber über die Entwicklungen, die unsere Zukunft ausmachen werden? Kein Mensch wird in 50 Jahren mehr über Bio-Kraftstoffe reden. Jeder wird ganz selbstverständlich mit solarem Wasserstoff unterwegs sein. Warum also, wenige Jahre vor der Energiewende, noch solch ein Aufriss um E10? Sind unsere Politiker technisch nicht auf dem neuesten Stand? Oder haben irgendwelche Grünen das Pferd „Wasserstoff“ schon vor Jahrzehnten totgeritten, noch ehe es ausgewachsen war?
Wir schlagen uns mit Politikern und ihren halbherzigen Ideen herum. Wetten, dass E10 nicht wegen seiner Umweltfreundlichkeit eingeführt werden soll, sondern wegen der Tatsache, dass der Spritverbrauch beim Einsatz von E10 um 3 % steigt und man dem Autofahrer auf diese Weise noch ein paar Cent mehr Steuer abknöpfen kann? Ganz zu schweigen von den erhöhten Spritpreisen für E10-Verweigerer? Da klingelt die Kasse, und unsere Dienstwagen fahrenden Freunde aus allen Parteien lachen sich ins Fäustchen, während unser Entwicklungshilfeminister durch die Welt reist und subventionierte Tortillas verteilt, im Namen der Menschlichkeit …
Tigerauge
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