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Exzessiven Alkoholkonsum stoppen


Zum Artikel: „Exzessiven Alkoholkonsum stoppen“ in der Lingener Tagespost am 20.1.2009.

Wenn ich mir angewöhnt habe, mit meinem Auto grundsätzlich mit Tempo 90 km/h durch die Stadt zu fahren, weil es mir so ein „geiles“ Gefühl verschafft, als wäre ich ein zweiter Schumacher, dann werde ich mich um ein Tempolimit einen feuchten Kehricht scheren. Denn das gilt nur für Memmen. Ein Kerl wie ich hat sein Auto unter Kontrolle. Ich brauche keine Richtlinien und Gesetze. Einziger Haken an der Sache: Hin und wieder stehen gut sichtbare Blitzanlagen an den Straßen. Naja, da fahr ich halt die paar Meter etwas langsamer, danach kann ich voll wieder aufs Gas treten. Ach so, und dann gibt’s da noch die Polizeikontrollen. Da muss man schon besser aufpassen. Gott sei Dank werden auch die ja oft genug vorher angekündigt, damit ich weiß, wo ich vom Gas runtergehen muss, um nicht in die Falle zu tappen.

Vielleicht hinkt dieser Vergleich ein wenig, wenn ich jetzt den Bogen spanne, zu den von Polizei und Jugendamt angekündigten „Alkohol-Testkäufen“ im Kreis Emsland. Geplant ist, Jugendliche gezielt auf Alkohol-Einkaufstour zu schicken, um zu testen, welche Verkaufsstellen sich nicht an das Gesetz zum Schutze von Kindern und Jugendlichen halten.

Immerhin hat man bei diesen Testkäufen Ende 2008 in Hannover festgestellt, dass bei 75 % der abgebenden Einkaufsstätten, das Gesetz ignoriert wird. Von Hundert Testeinkäufen, wurde also fünfundsiebzig Mal gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen und eine Ordnungswidrigkeit begangen, indem Alkohol an Kinder oder Jugendliche abgegeben wurde. Mir kann keiner erzählen, dass diese Verkäufer nicht wussten, was sie taten! Eine Ordnungswidrigkeit zieht ein Bußgeld nach sich. Naja, was ist das schon? Das Geld kommt schnell wieder rein, bei der nächsten Ordnungswidrigkeit, die nicht entdeckt wird. Übrigens ist ein Bußgeld lt. Definition, lediglich eine Sanktion gegen eine Verfehlung. Kindern und Jugendlichen Alkohol zu verkaufen, der nachweislich ihre Entwicklung körperlich und seelisch massiv schädigt, ist aber keine Verfehlung, sondern gewissenlose Körperverletzung, die aus Profitgier in Kauf genommen wird. Wer aus Profitgier anderen Menschen Schaden zufügt, handelt wissentlich verantwortungslos, und wird sein Handeln nicht ändern, nur weil er vielleicht einmal erwischt werden könnte! Welchen Sinn also machen derartige angekündigte Testkäufe? Wie man aus der Aktion in Hannover erkennen kann: Überhaupt keinen Sinn. Sie kosten das Geld der Steuerzahler und verpuffen wirkungslos. Pseudoaktionen, die den Anschein erwecken, dass intensiv an der Lösung eines Problems gearbeitet wird.

Wie sagte Innenminister Schünemann zu der bevorstehenden Aktion? „Wir müssen den Trend zum exzessiven Alkoholkonsum stoppen!“ – Ja, und? Dann fängt er bei den Verkäufern an? Die Verkäufer verkaufen den Alkohol, konsumieren tun die Kinder und Jugendlichen. Sie sind es, die den Alkohol einkaufen, die Flaschen öffnen und leertrinken! Hier ist der Hebel, an dem angesetzt werden muss! Hier steht ganz groß die Frage im Raum: „Warum trinken Kinder und Jugendliche überhaupt?“ Sie sind in einem Alter, wo sie aus den Kinderschuhen herausschlüpfen und in die Welt hinaus gehen sollten. In einem Alter, wo Menschen eigentlich von Lebenslust und Visionen getrieben werden. Wo sie spüren, dass ihnen die Welt offen steht, dass sie Kraft haben, dass sie Dinge in der Welt bewegen können. Sie sehen Chancen und träumen von Veränderungen und vor allen Dingen, sind sie überzeugt davon, dass sie diese Veränderungen mit ihrem Wirken als Mensch durchsetzen können! Jede Generation durchlebte bisher diese Phase der euphorischen Pläne und Vorstellungen. Nie wieder im Leben wird ein Mensch so mutig und zuversichtlich für seine Überzeugungen eintreten und kämpfen! Voller Kraft und Selbstvertrauen sollten sich junge Menschen ins Leben aufmachen. Das gibt ihnen ein Hochgefühl, das sie im Leben weiterbringt und Ziele erreichen lässt. – Die Wirklichkeit sieh anders aus. Viel zu viele von ihnen haben diese Kraft und dieses Selbstvertrauen nicht entwickelt. Sie sehen keine Perspektive, sie wurden nicht gestärkt, sie wurden nicht fürsorglich ins Leben begleitet, ihnen wurden die Träume und Visionen genommen, bevor sie in ihnen reifen konnten. Eine Generation von Alkoholikern wächst heran, und Herr Schünemann macht Anstandsbesuche bei Kioskbesitzern um sie zum Sündenbock zu machen!
Er kommt offensichtlich gar nicht auf die Idee, dass selbstzerstörerisches Verhalten der Grund für die dramatische Zunahme von Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen ist. Er hört nicht, wie sie um Hilfe rufen. Nach dem Motto, wenn wir jemandem den Zugang zu einer Droge erschweren, dann ist alles in Ordnung. Die Erfahrung zeigt aber etwas anderes: Wer Drogen – und nichts anderes ist Alkohol – konsumieren will, der wird immer eine Möglichkeit finden, sie zu besorgen. Das ist beim Alkohol noch viel einfacher als bei schon verbotenen Drogen wie LSD oder Heroin. Herr Schünemann verhält sich wie einer, der einem gestürzten Menschen auf der Straße nicht aufhilft, sondern schnurstracks an ihm vorbeieilt, um der zuständigen Straßenbaufirma, die Leviten zu lesen. Der Verletzte bleibt liegen. Allein. Und allein sind auch die Kinder und Jugendlichen, denen offensichtlich niemand gezeigt hat, welche großartigen Möglichkeiten ihnen das Leben bietet. Kinder und Jugendliche, deren einziges Highlight im Leben, das Komasaufen ist, das sie allwöchentlich anstreben!

Wann wird dort endlich einmal eingegriffen? Wann wird in Elternhäusern aufgeklärt? Wann werden Sport- und Kulturstätten kostenlos für Kinder und Jugendliche geöffnet, damit auch diejenigen an der Gesellschaft teilnehmen können, die vielleicht nur aus finanziellen Gründen, niemals die Möglichkeit hatten, ihre Talente zu erproben und ihre Grenzen zu suchen? Wann werden Schulen zu Förderstätten, die das Beste in jungen Menschen erkennen und fördern? Wann werden Maßnahmen ergriffen, Kindern Vertrauen und Zuversicht in ihr eigenes Können zu vermitteln? Wann stehen Politik und Ämter gemeinsam auf und sagen: „Das Wichtigste und Wertvollste, das wir in unserer Gesellschaft finden, sind unsere Kinder! Wir werden ab sofort weder Kosten noch Mühe scheuen, um ihnen ein Vorbild zu sein, ihnen Zukunft zu ermöglichen, ihre Ausbildung und Betreuung ebenso kostenlos bereitstellen, wie ihnen alle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu unterbreiten!“ …?

Jedes Kind hat ein Recht auf bestmögliche Förderung und Anleitung, dahin muss der Gedanke zielen. Das Ziel muss die Stärkung der Kinder sein, die letztlich dann am Kiosk vorbeifahren, weil sie keinen Sinn darin sehen, sich besinnungslos zu trinken. Weil sie Ziele haben, weil sie sich auf die Wege, die zu ihren Zielen führen, freuen.

Wie lange wollen sie diese Generation noch allein herumirren lassen, Herr Schünemann? Vielleicht denken Sie einmal daran, dass diese Jugendlichen einmal das Schicksal unseres Landes in die Hand nehmen müssen … dann sind sie Führungspersönlichkeiten ohne Ziel und Weg. Die Verantwortung tragen wir alle, aber vor allen Dingen die, die jetzt in Positionen sitzen, wo sie die Möglichkeit zum Handeln haben. Dort wäre exzessives und leidenschaftliches Engagement dringend notwendig.

Tigerauge = Alfred Kues

Ergänzung:
Eine ähnliche Stellungnahme, im gleichen Sinne zum Thema „Jugendliche und Alkohol, das Komasaufen“, kann man hier auf meinem Blog lesen.


7 Kommentare

  1. Ja, es ist eine sehr ernst zunehmende Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, die meines Erachtens meistens im Elternhaus seinen Ursprung nimmt.
    Viel zu viele Eltern trinken selber und sind somit ein schlechtes Vorbild.
    Finanzielle Probleme, die heute einfach zum Alltag gehören, sind ein häufiger Grund, warum Eltern zur Flasche greifen. Keine Zeit mehr für den Nachwuchs, man muss ja das Geld verdienen, denn der Nachwuchs ist teuer geworden und schließlich will man ihn sich ja leisten können, haben andere ja auch geschafft. Und dann ist da noch das Haus, das Auto, der Urlaub u.v.m.
    Das heißt, beide Eltern müssen “schaffen” gehen, also muss der Nachwuchs heute schon sehr früh in einen Kinderhort am besten den ganzen Tag, weil mit dem Lohn für Halbtags kommt man nicht zurecht.

    Wenn Feierabend ist, wartet die Hausarbeit, das Essen kochen, die Post erledigen, na und die Großeltern, Freunde und Bekannten müssen auch mal wieder angerufen werden. Das ist Stress ohne Ende und zerrt an den Nerven. Ach ja, und ein guter Film kommt auch noch im TV und die Wäsche will auch gewaschen und gebügelt werden. Es bleibt also kaum Zeit für die Kinder und das ist eine schlechte Situation.

    War es auf der Arbeit stressig oder musste Mann auch noch Überstunden machen, ist er wahrscheinlich froh, wenn er nach dem Essen seine Füsse hochlegen kann und ein wenig Entspannung durchs Fernsehen und seine Flasche Bier bekommt, denn viel Zeit bleibt ihm ja nicht, er muss ja schon bald wieder ins Bett, weil er früh raus muss zum “schaffen” gehen. Ich frage mich nun, wo bleiben die Kinder? Sicher werden sie mit irgendwelchen Kommentaren abgespeist, wie z.B. du laß uns das morgen machen oder am Wochenende, heute geht es nicht ich muss noch das und das fertig machen usw., wenn die Kinder Fragen haben oder mit den Eltern etwas gemeinsam machen wollen. So geht es dann über manche Tage und die Kinder kommen nicht zu ihrem Recht.
    Irgendwann “gezwungenermaßen” erbarmen sich die Eltern und unternehmen mal was mit ihren Kindern, was dann eben selten vorkommt, aber für Kinder das Größte ist.

    Unserem Staat scheint es egal zu sein, wie es heute in den Familien aussieht. Das es vielen Kindern nicht gut tut, schon mit 2 Jahren in eine Kindertagesstätte abgeschoben zu werden, kann schon große Schäden verursachen in der kleinen Kinderseele. Ich weiß es von mir selbst, dass ich geheult habe, als meine Mutter mit mir zu einem Kindergarten gegangen ist und mich gefragt hat, ob ich da nicht hingehen will, dann könnte ich mit den vielen Kindern spielen. Achtung! Sie hat mich gefragt!!!
    Eltern, die gezwungen sind, beide zu arbeiten, können ihre Kinder nicht fragen, ob sie das wollen. Da heißt es, du gehst in den Kindergarten bzw. die Kindertagesstätte, ob gut für dieses Kind oder nicht!!!! Das ist heute Fakt!

    Es kann keine Rücksicht mehr genommen werden auf das einzelne Kind und jedes Kind ist anders!!!!

    Dann geht es weiter mit der Schule, wo nur noch die Leistung zählt und nicht mehr der Mensch, so wie heute am Arbeitsplatz: “Kind du musst gute Noten schreiben, sonst hast du später keine Chance, einen guten Job zu bekommen”!

    Da beschwert man sich auf der einen Seite, dass wir eine alternde Gesellschaft sind. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich beneide die, die heute Eltern sind, nicht. Ich bin froh, dass meine noch unter normalen Umständen groß geworden sind. Und auf der anderen Seite wird nichts getan für das Wertvollste, was wir haben, unsere Kinder.
    Da wundert man sich, dass die Geburten zurückgehen? Unser Staat ist ja nicht mal bereit die Mehrwertsteuer auf Kinderartikel zu senken!!!!
    Was sollen Eltern für ihre Kinder verbessern mit 10 Euro mehr Kindergeld?
    Es ist ein Witz!
    Was ich persönlich noch viel schlimmer finde, dass viele Jugendliche nach der Schulausbildung keinen Ausbildungsplatz für ihren Traumberuf bekommen. Da geht es doch weiter, dass ihnen die Träume genommen werden. Woher sollen sie noch Visionen bekommen? Es wird doch nur noch alles kaputt gemacht.

    Warum sagen heute so viele ältere Menschen, dass sie nicht noch einmal jung sein möchten? Das war vor 20 Jahren noch anders. Da sagten viele noch: “Ja, wenn ich noch mal jung wäre, dann würde ich …….”
    Ein Leben ohne Träume und Visionen für eine aktive Beteiligung an unserer Gesellschaft, ist kein Leben, also trinken wir lieber einen und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein.

  2. ich finde, die Gefahr und das Gesundheitsrisiko, daß von Alkohol ausgeht, wird immer noch unterschätzt… außerdem verstehe ich nicht, daß eine legale Droge relativ günstig zu beschaffen ist.. mein Vorschlag wäre, gerade die harten Sachen wie Cognac, Korn etc. so teuer zu machen, daß die Teenies sich das nicht leisten können..

  3. @ susann

    Wie teuer sollte man den Alkohol machen?

    Ich weiß nicht ob dies der richtige Weg sein kann?

    Schau einmal in den armen Ländern, wenn kein Geld für Alkohol vorhanden ist.

    „Schnüffeln“ ist dort bei den Jugendlichen angesagt, um den Alltag zu entfliehen.

  4. Ich finde jeder der sich selbst immer so abschiesst hat selber schuld!
    und das gute ist das die leute noch schön geld an den Staat abgeben…
    Und bei den kleinen sollte man härter durchgreifen wenn sie beim trinken oder so erwischt werden!
    und alkohol teuer machen??? haste noch alle tassen im schrank?! es gibt genug volljährige die auch was trinken und die dann auch rummäckern und was soll dann ein bier in der disco kosten? 20€?
    Voll dumm die idee :down: :down: :wallbash: :wallbash:

  5. @tigerauge

    Das wird in Deutschland auch zum Trend. Hier schnüffelt man zwar kein Autolack, aber Feuerzeug-Gas kostet auch nur 50 Cent.

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