Ein Tag ohne Verpflichtungen! Darauf freue ich mich schon lange. Computer aus, Bürotür verschlossen, mein Männerhaushalt ist geregelt, der Kühlschrank leidlich gefüllt. Es gibt nichts zu tun, und das ist gut so.
Wovon träumt ein Workaholic wie ich, wenn so ein freier Tag in greifbare Nähe rückt? – Klar! Ausschlafen! Dann mit Fahrrad zum Bäcker, eine Morgenzeitung und frische Brötchen holen. Und dann erst mal gemütlich …
Danach werde ich endlich mal in Ruhe das Buch lesen, das schon so lange ein verstaubtes Dasein auf meinem Nachtkästchen führt. Ein 500 Seiten starker Thriller. Zwischendrin ein langes Bad. Spaziergang? – Nein. Ich renne doch sonst schon genug herum.
Fast unwirklich kommt mir am Vorabend die Aussicht auf den kommenden Tag vor, und ich schlafe behaglich ein. Natürlich klingelt um 4:15 Uhr der Wecker, weil ich ihn vergessen habe abzustellen. Ich schalte ihn aus, drehe mich knurrend um und ziehe die Decke über den Kopf. Mist! Jetzt bin ich endgültig wach!, stelle ich nach einer Viertelstunde fest und stehe auf. Ist jetzt nicht Frühstücksfernsehen? – Ich schalte den Fernseher ein. Ein halbes Stündchen kann ja nicht schaden.
Um 9:00 Uhr erhebe ich mich endlich von der Couch und schalte aus. Irgendwie fühle ich mich unzufrieden. Wollte ich mir nicht frische Brötchen gönnen? Aber dazu müsste ich mich ja anziehen. Och nöö … Also beschließe ich, wie immer eine Scheibe Brot mit Marmelade zu essen. Inzwischen habe ich den Fernseher wieder eingeschaltet. Sind zwar alles Wiederholungen, aber was soll’s.
Schließlich falle ich auf der Couch in einen unruhigen Halbschlaf, aus dem mich zwei Stunden später das jähe Klingeln des Telefons herausreißt. Mein Nachbar. »Ich hänge hier, zwei Straßen weiter und hab einen Platten. Könntest Du mir schnell helfen?«
Na klar! Ich werfe mich in meine Jeans und verlasse das Haus. Zwei Stunden später bin ich wieder daheim. Mir ist schlecht. Natürlich hat der Nachbar zum Dank ne ordentliche Currywurst mit Pommes rot-weiß ausgegeben, dazu ein Bier, aus dem im Eifer des Gefechtes drei geworden sind.
Als ich mich etwas erholt habe, greife ich zu dem Buch, das ich eigentlich lesen wollte. Doch irgendwie hab ich dazu auch keinen Nerv. Als mein Blick auf die wacklige Deckenlampe fällt, die ich schon immer mal richtig befestigen wollte, beschließe ich, dass jetzt der genau richtige Zeitpunkt dafür wäre. Ich will gerade eine Leiter holen, da klingelt es an der Tür. Meine Mutter.
»Ich dachte nur, weil Du ja heute frei hast, ich bring Dir mal ein Stück Kuchen vorbei und sehe nach Dir, damit Du nicht völlig vereinsamst … «
Mamas Kuchen waren schon immer die besten. Und geplaudert haben wir auch schon lange nicht mehr. Also muss die Lampe warten.
Als meine Mutter gegangen ist, ist es schon fast dunkel. Normalerweise schreibe ich um diese Zeit immer Blogbeiträge!, schießt es mir ein. Ich bemerke ein fast sehnsüchtiges Kribbeln in meinen Fingern. Was soll’s! Der Tag ist sowieso gelaufen!, denke ich mir und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich den Computer hochfahre …


Tigerauge
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