Das Leben ist voller unerklärlicher Widersprüche. Da hat man die trübe Herbstzeit überstanden, den langen kalten Winter ertragen, in dem man sich am Liebsten nur vor dem Ofen und auf dem Sofa aufgehalten hätte, hat während der langen, dunklen, grauen Monate fröstelnd nur vom Frühling geträumt und ihn herbeigesehnt – und dann ist er endlich da!
Doch kaum, dass man ihn einige Tage genießen konnte, entpuppt sich die schöne Zeit der Erneuerung als eine bleierne Last, die einen schier zur Verzweiflung bringt.
Statt, dass man frisch und ausgeruht in den neuen sonnigen Tag springt, fühlen sich Beine und Arme an, als wären sie gefüllt mit Steinen. Die Augenlider hängen auf Halbmast und weigern sich, sich auch nur einen Millimeter höher zu heben, als es unbedingt nötig ist, um sehen zu können, wohin die Bleifüße sich schleppen. Der Blick in den Spiegel zeigt dann auch genau das, was man gerade fühlt. Ein grau-blasses Gesicht mit hängenden Wangen sieht uns entgegen und sorgt dafür, dass auch der letzte Rest guter Laune unter rastlosem Gähnen im Nirgendwo verschwindet. Die Tage scheinen elendig lang, jeder Handgriff und jeder Schritt wird zur nicht enden wollenden Qual – und das einzige Highlight des Tages ist die herbeigesehnte Abendstunde, in der man sich endlich wieder in sein Bett legen kann.
Ist etwa schon wieder eine Erkältung im Anflug? Vor ein paar Tagen litt man nur unter der Winterdepression, war aber wenigstens körperlich noch voll einsatzfähig – und jetzt? Was ist passiert? Bis es endlich ein Arbeitskollege ausspricht: „Du siehst ja furchtbar aus, kämpfst du auch mit der Frühjahrsmüdigkeit?“

Ach so, ja natürlich! Also wenigstens keine schlimme Krankheit, die sich ankündigt. Trotzdem, auch wenn man jetzt weiß, was es ist, fühlt es sich dadurch nicht unbedingt besser an. Aber man muss doch etwas dagegen tun können! Also mal gut nachgedacht. Was am meisten zu kurz gekommen ist in den Wintermonaten, ist vermutlich die Bewegung. Ausgerechnet die macht im Augenblick aber die größten Probleme. Dennoch, ein müder Kreislauf muss wieder in Fluss gebracht werden. Dabei kann man ihm ernährungstechnisch auf die Sprünge helfen. Also Zähne zusammenbeißen und zu Fuß in den nächsten Gemüseladen. Und dann wird der Korb mal so richtig gefüllt mit Obst und knackigem Gemüse der Saison! Denn genauso knackig möchte man auch schnellstens wieder werden! Im Getränkelager holt man sich am Besten noch drei bis vier Kisten Wasser. Vor dem Einkaufsladen stellt man gefrustet fest, dass das Auto zu Hause vor der Tür steht und man die Kisten jetzt mit dem Einkaufswagen nach Hause schieben muss. Ein Kraftakt, der reichlich Schweiß treibt, am Ende aber gelingt. Natürlich muss der Einkaufswagen anschließend zu Fuß zurückgebracht werden. Spätestens, wenn man danach wieder zu Hause ist, spürt man, dass die Bewegung zwar anstrengend war, aber dennoch ‚irgendwie’ gut getan hat. Also: Man ist auf dem richtigen Weg!
Ab sofort wird der Zucker vom Speiseplan gestrichen und die Fettaufnahme um die Hälfte reduziert. Die beiden fressen nämlich unnötig Energie bei der Verdauung. Stattdessen darf nach Herzenslust in den Obstkorb gegriffen werden und vor jeder Hauptmahlzeit ist ein leckerer Salat fällig. So nebenbei werden im Laufe des Tages noch 3 bis 4 Flaschen Wasser geleert, vor allem nach dem strammen Spaziergang, den man sich jetzt täglich gönnt. Nach spätestens drei Tagen ist die Frühjahrsmüdigkeit verschwunden, nach zwei Wochen, sind die angefutterten drei, vier Kilos geschmolzen und aus dem Spiegel blickt uns ein rosiges Gesicht mit frischen klaren Augen entgegen! Versprochen!
Tigerauge
Ähnliche Artikel hier auf Olle Piepen zum Thema:

Toller Beitrag, endlich mal ein handfester Plan gegen die Frühjahrsmuedigkeit. Ich dachte schon, ich werde sie gar nicht mehr los. Aber jetzt könnte es endlich klappen :2thumbs: . Ich find eigentlich die Winterzeit gar nicht so schlimm, wenn man sich mal dran gewöhnt hat. Was mich fertig macht, ist dieses verrückte April Wetter und das schon im März :shocked:
Ich bin eigentlich nicht frühjahrsmüde, aber das liegt nur daran, dass ich noch im Winterschlaf feststecke :biggrin: :xd: Ich hoffe, dass der Frühling (und damit meine ich schönes Wetter und erste wärmende Sonnenstrahlen) bald Einzug hält, getreu dem Motto: Frühling lässt sein blaues Band …