permalink

3

Gaddafi

Ein bizarres Spiel mit dem Rest der Welt

Mit einer Mischung aus Grauen, Faszination und Belustigung beobachtet die Weltgemeinschaft seit langem die Umtriebe des Oberst Muammar al-Gaddafi, dessen Showeinlagen Außenstehenden immer ein wenig wie eine bizarre Operettenaufführung erschienen. Oft täuschten Gaddafis Extravaganzen darüber hinweg, dass hier ein blutrünstiger Ex-Terrorist um Aufmerksamkeit buhlte wie ein Top-Model.

Die Haltung der Weltgemeinschaft zu Gaddafi war stets von einer merkwürdigen Doppelzüngigkeit geprägt: Als Urheber verheerender Bombenanschläge in Berlin (Diskothek La Belle) und Lockerbee (Flugzeugabsturz) galt Gaddafi lange Zeit als Persona non grata unter den Staatschefs der Welt. Gleichzeitig brauchte man ihn: als wichtigen Handelspartner, als Zugangsgaranten zu libyschem Erdöl und nicht zuletzt als Bollwerk gegen eine unkontrollierte Einwanderung afrikanischer Flüchtlinge nach Europa.

»Revolutionsführer« Gaddafi wusste mit seinen Pfunden zu wuchern und spielte mit dem Rest der Welt sein bizarres Spiel. Mal eben, samt seiner rein weiblichen Leibgarde, in Italien einreisen und dort mehreren hundert Frauen persönlichen Islam-Unterricht zu erteilen, natürlich ausschließlich ausgesucht schönen Models, das war typisch für Gaddafis Art, fremde Staaten mehr oder weniger subtil zu demütigen. Die meisten Staatschefs ließen es sich gefallen, sei es aus Gier, Opportunismus oder persönlicher Erpressbarkeit. Auch sein vor nicht langer Zeit bei der UNO gestellter Antrag nach einer Zerschlagung der Schweiz gehört in diese Schublade. Die Schweiz hatte den »Fehler« begangen, den Gaddafi-Sohn Hannibal und dessen Frau wegen Misshandlung von Hotelangestellten kurzzeitig zu inhaftieren.


Gaddafi steht vor dem Sturz.

Sein Volk erhebt sich gegen einen blutrünstigen Machthaber, der auch innenpolitisch ohne Skrupel seine Interessen durchsetzte. Im Land tobt ein erbarmungsloser Bürgerkrieg, denn noch immer wehren sich die letzten Getreuen mit Zähnen und Klauen gegen das Wegbrechen ihrer Pfründe. Bereits jetzt ist der Nationale Übergangsrat von vielen Staaten als die eigentliche Regierung von Libyen anerkannt worden, der endgültige Sieg ist nur noch eine Frage der Zeit.

Trotz dieser guten Nachrichten mischt sich die Freude mit einem mulmigen Gefühl. Denn noch ist längst nicht klar, in welche Richtung sich Libyen in der Nach-Gaddafi-Zeit entwickeln wird. Islamistische Strömungen sind auch in diesem (eigentlich säkular organisierten) Staat auf dem Vormarsch. Die neue Freiheit könnte bereits wieder verloren gehen, ehe sie richtig erworben wurde. Der gesamte arabische und maghrebinische Raum steht nach den Umstürzen der letzten Zeit an einem Scheidepunkt: Freiheit oder Islamismus. Für welchen Weg die Völker sich entscheiden werden, ist von vielen Faktoren abhängig. Klar ist: Sollte ein solch bedeutender Teil der Welt nach iranischem oder afghanischem Vorbild in finsterstes Mittelalter zurückfallen, wird selbst das unsere rückgratlosen Staatsführer nicht daran hindern, mit den Machthabern gute Geschäfte zu machen und damit deren Einflussmöglichkeiten weiter zu vergrößern. Gier auf der einen und blinder, religiöser Eifer auf der anderen Seite werden dann eine Form der Blockbildung begünstigen, wie wir sie seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt haben.





Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

USA: Drohender Staatsbankrott

Vorgeführtes Rechtssystem

Stehen Deutschlands Buerger auf?!


3 Kommentare

  1. Danke für den tollen Beitrag. Ich finde die ganze Geschichte schon lange “witzlos”. Kann mir mal jemand verraten, warum sich die UNO nicht von Anfang an dort eingemischt hat. Immerhin tötet Gaddafi Zivilisten, eigene Staatsbürger. Vielleicht hat man erst mal Berge von Papierkram erledigen müssen, bevor man sich der Sache widmen konnte. Kann ich nicht verstehen und nicht nachvollziehen :(

  2. Gaddafi soll ja mittlerweile umzingelt sein. So richtig glauben mag ich das ja nicht, ich könnte mir eher vorstellen dass er bereits außer Landes gebracht wurde. Möglicherweise kämpft er aber auch bis zum letzten Atemzug, auch das traut man ihm durchaus zu. Der Mensch ist unberechenbar und absolut brutal. Wer sein eigenes Volk so behandelt, der muss gestürzt werden.

  3. Bis jetzt zählt man offenbar schon ca. 50.000 Tote im Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit, also gegen Gaddafi. Die Rebellen sind sich ja recht sicher, das Gaddafi immer noch in Lybien ist. Also ich wieß nicht so recht, an Gaddafi’s Stelle würde ich wohl bereits geflohen sein. Ich hoffe, dass sie ihn erwischen und am besten gefangennehmen, damit er seine Strafe absietzen muss und nicht so leicht davon kommt.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif 
mehr...