„Gesundheit!“
Kurz vor Weihnachten kamen die ersten Anrufe von Besuchern, die mich zum Fest mit ihrer Anwesenheit beglücken wollten. Der eine lag mit Magen-Darm-Grippe flach, der Nächste mit Husten und Schnupfen, andere quälten sich abgeschlagen und matt schon drei, vier Wochen mit Bakterien herum, die selbst für ein hochdosiertes Antibiotika nur ein müdes Lächeln übrig hatten. „Aber bis Weihnachten sind wir sicher wieder fit!“, klang es von allen Seiten optimistisch durch den Telefonhörer in mein Ohr. Mir wurde angst und bange und ich sah mich schon im Geiste mit sämtlichen Krankheiten in meinem Bett vor mich hindämmern. Ganz ehrlich: insgeheim wünschte ich, dass die Kranken doch bitte noch bis über Weihnachten das Bett hüten müssten, um ja nicht auf die naive Idee zu kommen, dass ihre Viren und Bakterien verschwunden seien, wenn sie bei mir aufkreuzen würden.

Doch vergeblich. Zu Weihnachten waren alle angeblich wieder hergestellt. Der Eine hatte noch ein wenig Durchfall, der Andere „lediglich“ heftige Niesanfälle, dass die Wände wackelten. Bei jedem Nieser zuckte ich zusammen und stand kurz vor einer Panikattacke. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe die Viecher förmlich fliegen sehen, wie sie mit 140 Km/h durch mein Wohnzimmer katapultiert wurden und sich fächerförmig auf alles legten, was sich an Möbeln und Gebrauchsgegenständen in meinem Haus befand. Ich wusch mir wohl dreißigmal am Tag die Hände, putzte immer wieder Türklinken und Toilettenbrillen mit Sagrotan-Tüchern ab, vermied das Atmen, wo immer ich konnte und gab mir alle Mühe, die Besuchszeit so unattraktiv wie möglich zu gestalten, in der Hoffnung, dass mein Besuch sich wieder auf den Heimweg machen würde.
Nach vier Tagen endlich waren alle wieder entfleucht und ich machte einen vorgezogenen Frühjahrshausputz. So gründlich wie schon lange nicht mehr. Abends fiel ich todmüde in mein Bett.
Als ich am Silvestermorgen erwachte, kratzte es im Hals. Im Laufe des Tages wurde das Kratzen stärker, und eine gewisse Unlust und Mattigkeit stellte sich gegen Abend ein. Noch während der Tagesthemen überfielen mich die ersten Fieberschübe. Ich schleppte mich in mein Bett und glaubte ganz fest daran, dass am nächsten Tag alles wieder O.K. sein würde.
Während der Nacht krochen fiese Schmerzen in meine Muskeln und ich fand kaum mehr Ruhe, als ein gelegentliches Dummeln, aus dem ich immer wieder schweißgebadet erwachte.
Gegen Morgen erwachte ich mit Kopfschmerzen und mir war hundeelend. Ein Rumoren in meinen Eingeweiden riss mich trotz der Kraftlosigkeit aus dem Bett und der Spurt zur Toilette ließ keinen Zweifel zu: Ich war definitiv krank. Na Prima! Vielen Dank, liebe Gäste, für diese Weihnachtsgeschenke! Doch tief in mir erwachte mein Ehrgeiz. Ich hatte absolut nicht vor, die ersten Wochen des Jahres mit Krankheit zu füllen. Und damit kam die große Stunde meiner Lieblingspflanze: Mein Holunder!

Ich schleppte mich in den Keller und holte aus meinem Vorratsraum drei Gläser mit eingemachtem Holundersirup. Die stellte ich neben mein Krankenlager, holte mir noch den Wasserkocher aus der Küche und begann, mich abwechselnd mit heißem, verdünnten Holundersirup und Instantbrühe zuzuschütten. Alle zwei Stunden wärmte ich meine Körnerkissen erneut auf und legte sie abwechselnd mal auf den Hals, den Nacken, unter die Rippen oder auf den Brustkorb. Und es funktionierte! Ich schwitzte wie ein Stier! Der Holundersaft kurbelte meine Verdauung an und sorgte dafür, dass ich in kürzester Zeit innerlich komplett gereinigt war. Gleichzeitig versorgte er mich permanent mit Vitamin C. Seine restlichen Inhaltsstoffe wie z. B. ätherische Öle, Schleim- und Gerbstoffe und weitere Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die sich u.a. um freie Radikale kümmern, wirkten anregend auf Drüsen und Zellen. Nach drei Tagen war der Spuk vorüber. Die Nase läuft noch ein wenig, aber ansonsten bin ich wieder fit.
So eine Kur ist etwas für Menschen mit guter Kondition. Herz- und Nierenkranke sollten vorher ihren Doc befragen.
Zum Thema passend ist dieser Artikel auf Olle Piepen:
Nicht nur in Lingen, es (f)liegt was in der Luft …
Tigerauge

Ein guter Tipp, das mit dem Holunder. Ich finde sowieso dass diese häuslichen Rezepte immer “weniger werden” und immer mehr in Vergessenheit geraten. Dabei ist einem doch alles recht, wenn es einem richtig schlecht geht. Und wenn’s dann auch noch hilft … na bitte, für was brauche ich dann Medikamente, die wie ein Hammer wirken und vielleicht mehr Schaden anrichten als zu helfen … :ugly:
Viele Sportler beispielsweise schwören ja auf Eiweiß als Schutz für das Immunsystem in den kalten Wintertagen. Auf jedenfall wichtig sind Vitamine, vorallem Vitamin C, aber auch Vitamin E und A. Das mit dem Holunder habe ich auch schon gehört, ich persönlich mag Holunder aber nicht und kann deshalb auch keinen Holundersaft trinken.