Gift im Spielzeug
Produziert wird das, was wir kaufen – Gift im Spielzeug
Es ist gerade erst ein paar Monate her und schon fast wieder vergessen: In China streckten gewissenlose Hersteller von Babynahrung, aus Raff- und Gewinngier, das Milchpulver mit hochgiftigen Zusätzen. Zigtausende von Kindern erkrankten schwer, einig starben und viele werden ihr lebenslang mit den angerichteten Schäden besonders an den Nieren leiden.
Ein empörter Aufschrei ging durch die westliche Welt und man zeigte mit dem Finger auf die Chinesen. Übel, dass es soweit kommen konnte, aber noch übler, dass die Regierung von dem Skandal wusste und aus Angst vor Prestigeverlust und finanziellen Einbußen, das Verbrechen unter den Teppich gekehrt hat, und damit die Vergiftung von Babys zugunsten der Wirtschaft duldete.
Wie sieht das eigentlich bei uns aus? Kann das in unserem fortschrittlichen Land auch passieren? Über Pestizide in Babynahrung ist z. Z. wohl nichts zu hören. Hierzulande geben sich die Verantwortlichen allerdings an die Lobby der Spielzeughersteller hin, in dem frei erfundene unbedenkliche Grenzwerte beschlossen werden.
Bis zum dritten oder vierten Lebensjahr werden alle Gegenstände, von Kindern mit allen Sinnen begutachtet, vor allem mit dem Mund. Und das wissen sowohl die politisch Verantwortlichen, als auch die Hersteller. Das Gütesiegel „sicheres Spielzeug“ beschränkt sich vor allem auf die mögliche Verletzungsgefahr, nicht aber auf austretende Giftstoffe. Halt, das stimmt so nicht! Natürlich wurden von Gesetzeswegen Grenzwerte gesetzt, die zumindest von den Herstellern deutscher Spielzeuge weitestgehend eingehalten werden. Natürlich wurde dabei darauf geachtet, dass die Grenzwerte den Herstellungsmöglichkeiten angepasst wurden und werden. Denn auch die vorgegebenen sogenannten Schwellenwerte sagen nichts anderes aus, als dass Giftstoffe aus dem Spielzeug austreten und vom Kind aufgenommen werden. Nicht von einem einzigen Spielzeug, sondern von vielen. Damit erhöht sich die aufgenommene Menge an gesundheitsschädigenden Giftstoffen um ein Vielfaches des erlaubten Wertes.

Besonders pervers: ausgerechnet die Erstspielzeuge der Babys, die aus dem herrlich weichen knautschigen Weichplastik bestehen, sind diejenigen, mit dem höchsten Schadstoffgehalt.
Man kann an Eltern nur immer wieder appellieren, keine Billigspielzeuge aus Nicht-EU-Länder zu kaufen. Die Einfuhr hochbelasteter Spielzeuge ist zwar verboten, und wird auch stichprobenartig vom Zoll kontrolliert, doch der weitaus größte Teil, rutscht durch die Kontrollen hindurch, und vergiftet durch permanentes Ausdünsten die Luft in den Kinderzimmern. Ob Bausteine oder Puppen, ob Knautschtiere, Roboter, Autos, Plüschtiere oder auch Puzzleteile, immer wieder stellen Verbrauchschützer fest, dass Kinderspielzeug derart vergiftet ist, dass es eigentlich zum Sondermüll gehört. Ganz sicher aber nicht in den Mund und die Hände unserer Kinder.
Eine Studie des Umweltbundesamtes, die den Urin von 600 Kindern im Alter von drei bis vierzehn Jahren untersucht hat, ergab, dass sich Phthalate (Weichmacher für Plastik) in einer Konzentration fanden, die weit über dem erlaubten Schwellenwert liegen. Diese Stoffe sind nicht nur eingestuft als krebserregend, sondern stehen unter dem dringenden Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu hemmen. Ähnliches gilt für die beliebten bunten Trinkflaschen, die ausgerechnet dann besonders viele Giftstoffe absondern, wenn man sie gründlich reinigt.
Die Liste der vergifteten Spiel- und Gebrauchsgegenstände ist lang. Und nur, wenn wir unseren Kindern zuliebe auf den Kauf dieser Produkte verzichten und wieder auf Qualität, statt auf Quantität setzen, wird ein Umdenken in der Wirtschaft stattfinden. Dass die Hersteller auf verändertes Verbraucherverhalten reagieren, beweist der stetig steigende Trend zur biologischen sauberen Nahrung. Je eher und konsequenter jeder Einzelne von uns, vergiftete Waren boykottiert, desto eher wird sie auch aus den Regalen verschwinden. Der Slogan „Geiz ist geil“ ist überholt. „Geiz macht krank“ und „Weniger ist mehr“ heißt die Devise der Zukunft.
Bericht: Frontal 21:
http://www.youtube.com/watch?v=Cjo_GjjTghI
Tigerauge
Ergänzung:
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Tags: Gesundheit, Umwelt

15. April 2009 um 09:12
Wenn ich Kinder hätte (habe ich aber noch nicht) dann würde ich soweit es geht komplett auf dieses Plastik Spielzeug verzichten. Ich hatte früher immer Holzspielsachen, das finde ich auch aus ökologischer Sicht irgendwie besser - ihr nicht?
16. April 2009 um 13:55
Jens, da stimme ich dir voll und ganz zu. Aber man muss aufpassen, denn auch Holz kann behandelt sein und Kinder nehmen Spielzeug einfach in den Mund, egal ob Holz oder Plastik. Was nicht größer ist als der Mund, wird einfach mal reingeschoben. Als Elternteil sollte man also unbedingt auf gesundes unbehandeltes Spielzeug achten!
21. April 2009 um 08:26
Na, prima, dazu passend lieferte das ARD Magazin “Kontraste” ja gestern einen tollen Bericht über die Verwendung von hochgiftigem Bisphenol A bei der Herstellung von Babyflaschen. “Alles harmlos und problemlos” lt. offiziellen Studien. Blöd nur, dass die Studien von der Herstellerindustrie für Babyflaschen gesponsert wurden …

Nein, wir fühlen uns doch nicht etwa ver …?
19. Oktober 2009 um 11:30
Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die das Zeitalter von “Geiz ist geil” für überholt erklären. Gerade bei Dingen wie Spielzeug ist das nämlich wirklich nicht angemessen.
Wie wäre es denn, wenn man einfach Spielzeug Made in Germany kauft? So hat man Sicherheit was die Schadfstoffbelastung angeht und man unterstützt damit die wenigen Unternehmen, die wirklich noch hier produzieren. Für Interessierte: Einfach mal auf meinen Namen klicken ;-)
26. November 2009 um 10:54
Das ist ja echt schrecklich! Naja, es geht eigentlich um China- habe nichts dagegen, aber… die Statistiken zeigen es schon!
12. März 2010 um 20:04
Solange unsere auf Gier ausgerichtete Ökonomie auf monetäre Gewinnmaximierung setzt, bleibt der soziale und ökologische Gewinn auf der Strecke. Es wird Zeit daß die Verbraucher Ihre Macht erkennen und handeln!