Keinesfalls dürfe Griechenland aus der Euro-Zone herausfallen, so lautete die Beschwörungsformel, mit der man den Steuerzahleseln die immer wieder aufzustockenden Milliardenhilfen für das marode EU-Mitgliedsland schmackhaft machte. Heraufbeschworen wurde Horrorszenarien von zu erwartenden Dominoeffekten und einer zerbrechenden Gemeinschaftswährung. Die Folgen für das exportabhängige Deutschland mit einer dann viel zu starken und teuren DM-Währung wurden in so schwarzen Farben ausgemalt, dass man sich schon fragte, ob das Wirtschaftswunder zu DM-Zeiten tatsächlich stattgefunden hat. Jedes Mittel war also recht, Griechenland unter die Arme zu greifen, was faktisch nichts anderes bedeutete, als die Stützung exportlastiger Großkonzerne durch den Steuerzahler. Doch plötzlich scheint alles anders zu sein: Das bis gestern von Politikern ängstlich gemiedene Wort »Insolvenz« für das gebeutelte Hellas scheint plötzlich hoffähig geworden zu sein. FDP-Parteichef Philipp Rösler hält diesen Weg auf einmal nicht mehr für unmöglich, ebenso der CSU-Vorsitzende Erwin Huber, der es für notwendig hält, »mit dem Schlimmsten zu rechnen«.
Eine lässige Haltung, nachdem viele Hilfsmilliarden bereits versickert sind, finde ich. Eine geordnete Insolvenz hätte man auch gleich haben können, mit wesentlich weniger Aufwand, wenn man den Mut gehabt hätte, sich der Wahrheit zu stellen. Aber auch jetzt noch, da die ersten Politiker das Unvermeidliche aussprechen, stehen die Bedenkenträger bei Fuß: Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Peter Altmaier hält solche »Spekulationen« für »gefährlich«.
Lieber Herr Altmaier: Das Aussprechen der Wahrheit mag vielleicht unangenehm sein, aber eines ist es ganz sicher nicht: gefährlich. Oder plädiert eine Partei, die das C im Namen führt, tatsächlich dafür, die Lüge hoffähig zu machen und ihr den Anstrich der Notwendigkeit zu geben?

Pleite trotz Hilfszahlungen
Dank vieler politisch motivierter Euphemismen stehen wir nun vor dem schlimmstmöglichen Szenario: der Pleite Griechenlands trotz milliardenschwerer Hilfszahlungen der anderen Euro-Länder. Damit wäre eine große Menge weitgehend kreditfinanzierten Kapitals in dunklen Kanälen versickert, das wir nach dem bevorstehenden Zerfall des Euros dringend bräuchten, um dann wieder Ruhe in die aufgepeitschten Finanzmärkte zu bringen. Meine Meinung ist: Jeder Politiker, der sich für die Euro-Rettung mit den damit verbundenen Kosten stark gemacht hat, sollte persönlich wegen Veruntreuung angeklagt und aus dem Amt entfernt werden. Ersetzt werden sollten diese Staatsroulettespieler nicht durch andere Politiker, sondern durch gestandene Kaufleute mit Verantwortungsbewusstsein. Jürgen Stark beispielsweise, der zurückgetretene Chefvolkswirt der EZB, hätte jetzt sicher Zeit, das Finanzministerium zu übernehmen. Solange aber echte Experten genervt das Handtuch schmeißen, weil sie zwar das Wissen haben, aber keine Macht, während Leute das Sagen haben, die zwar die Macht haben, aber keinen blauen Dunst von der Materie, wird der Sog nach unten nicht abzustellen sein.
Tigerauge
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