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Herbst




Gedanken im Herbst

Längst hat sich der verregnete Sommer verabschiedet. Der Herbst kam früh und über Nacht und hat sein schönstes Kleid angezogen. Alles wird in eine eigenartige Stimmung getaucht, die zum Träumen verleitet und keine Eile mehr zu haben scheint. Spaziergänge sind jetzt von ganz besonderem Reiz. Vor allem morgens früh, wenn in den Spinnweben noch die Nebeltröpfchen hängen und Nebelschwaden über die Wiesen ziehen.

So Vieles sieht jetzt anders aus, als noch vor wenigen Wochen. Und obwohl die Blütenpracht sich verabschiedet hat, kann mann sich an der Vielzahl der erdigen Herbstfarben kaum sattsehen. An gelb bräunlich gefärbten Blättern, roten, blauen und gelben Beeren an den Büschen. Gräser, Schilf und Farne - alles hat sich wie verabredet - Ton in Ton geschmückt.

Die Zeit der Ernte für Herbstfrüchte ist jetzt. Doch nicht nur die Äpfel und Birnen sind reif, auch Bucheckern, Eicheln, Kastanien, Maiskolben, Hagebutten, Nüsse, Kürbisse und vieles mehr ist reif und im Garten gibt es Arbeit in Hülle und Fülle.

Alles fügt sich harmonisch ineinander. Manch einer verspürt aufkommende Melancholie. Wir werden leiser, nachdenklicher und man sehnt sich nach dem heimeligen Zauber, der uns gemütliche Stunden in der warmen Stube beschert.

Die Tage werden kürzer und man verbringt mehr Zeit im Haus. Viele zünden schon jetzt gern abends Kerzen an und spielen mit den Kindern Brettspiele, trinken Tee und es werden alte Geschichten wieder aufgewärmt oder neue hinzugedichtet.

Auf langen Spaziergängen, schon recht warm eingemummelt kann man den fliegenden Drachen der Kinder hinterherschauen und manch Erwachsener hat auch noch seine Freude an dem Spiel mit Wind und Drachen. Herbst - Kinder sammeln Kastanien, wie schon ihre Eltern und Großeltern und sicher werden sie zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule kleine Schmuckstücke für die Herbstdekoration daraus basteln.

Die Zugvögel formatieren sich in großen Schwärmen und drehen ihre Runden am Himmel, bis der Tag ihrer Abreise gekommen ist. Auch die Störche sind auf der Flucht vor dem kalten Winter und fliegen bis an die Südspitze Afrikas.

Der Herbst bringt auch Nebel, Sturm und Regen - Wetterkapriolen, die wir hinnehmen, weil sie zum Herbst dazugehören. Genauso, wie der Herbst uns vielleicht einen Goldenen Oktober schenkte, kann man getrost davon ausgehen, dass auch ein grauer November irgendwann zu Ende ist. Dann wird der Wind die Blätter endgültig von den Bäumen gefegt haben.

Die Natur fährt einen Gang herunter. Das sollten wir jetzt auch tun. Ganz von allein stellt sich das Bedürfnis ein, näher zusammenzurücken, vielleicht am warmen Ofen oder Kamin zu sitzen und im Schein des Feuers ein Gläschen Wein zu trinken. Manch einer findet jetzt auch endlich die Zeit, ein Buch zu lesen, dass schon lange darauf wartet.

Auch Kinder sind in dieser besinnlichen Zeit viel aufnahmefähiger für familiäre Zusammenkünfte und nehmen eine Vorlesestunde dankbar an. Man kann sich nur wundern, wie still und geduldig sie in solchen Augenblicken sein können.

Langsam bereiten wir uns auf den kommenden Winter vor. Gedenktage wie Allerheiligen und Totensonntag lösen in manch einem auch Traurigkeit aus, wenn die Gedanken zu denen wandern, die nicht mehr in unserer Mitte weilen. Grabgestecke lassen sich an den langen Novemberabenden gestalten und ausschmücken.

Schnell schreiten die letzten Wochen des Jahres voran. Ist Allerheiligen erst einmal vorüber, beginnen bereits die ersten Weihnachtsvorbereitungen. Schon duftet es aus manchem Fenster heraus weihnachtlich nach Zimt- und Lebkuchengebäck. Kinder schreiben Wunschzettel und die ganz Kleinen erzählen aufgeregt vom Weihnachtsmann.

Der November sollte nicht ein Monat sein, in dem man deprimiert in graue Wolken schaut. Sondern genutzt werden, um sich entspannt dem Angebot der Ruhe und Besinnung hinzugeben, den diese Zeit für uns vorgesehen hat.

Tigerauge

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Eine Antwort zu “Herbst”

  1. Heiko sagt:

    Mir persönlich gefällt der Herbst sehr viel besser als der Winter. Warum? Ganz einfach, weil die Farben der Wälder einfach nur bezaubernd sind. Die bunten Blätter, die letzten schönen Sonnuntergänge, all das gefällt mir am Herbst ausgesprochen gut!

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Alfred Kues / Tigerauge 2008 Lingen/Brögbern im Emsland