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Internetsucht




Die Anmerkung eines CDU-Mitglieds aus Brögbern hat mich auf den Gedanken gebracht, dass ein wichtiges Thema noch gar nicht auf “Olle Piepen” zu Wort gekommen ist. Die Rede war in einem Kommentar von dem “Dunkel des Internets”, in das man sich begeben müsse.
http://www.ollepiepen.de/Blog/broegbern/#comment-875 Dass ältere Bürger nicht so fit in Sachen Internet sind und sich dort auch nicht weiter aufhalten, kann man sich vorstellen. Deshalb ist ihnen sicherlich auch nur am Rande bekannt, dass es ein stetig wachsendes Problem in der realen Gesellschaft gibt. Während ältere Semester das Internet ignorieren, verlagern jüngere ihr ganze Leben dorthin. Therapeuten und Beratungsstellen klagen, dass die Zahl der süchtigen Internetnutzer beängstigend steigt.

Von der Politik wird dies nur am Rande wahrgenommen. Kein Wunder, bei einer Umfrage unter Abgeordneten kam heraus, dass einige noch nicht einmal ihre E-Mails selbstständig abrufen können.

Dabei ist gerade diese Sucht ein Problem, das extrem schnell in die Vereinsamung führt, zum Realitätsverlust beiträgt und Menschen zu irrealen Handlungen führt. Hier spricht die Statistik eine deutliche Sprache: Es sind Jugendliche und junge Erwachsene, die von der Internetsucht besonders betroffen sind. Also die, die eine Gesellschaft tragen und ihre Zukunft prägen.

Das Verhalten ist genau das gleiche, wie bei Alkohol- oder Drogensucht. Das Objekt der Sucht verschiebt sich immer mehr in den Lebensmittelpunkt der Betroffenen. In Chatrooms werden Kontakte geknüpft und durch das tägliche Miteinander entsteht das Gefühl, tatsächlich neue Freunde bekommen zu haben. Mit ihnen lässt es sich scheinbar viel besser diskutieren, als mit den Freunden oder Angehörigen zu Hause. Die Folge ist, dass Menschen aus dem realen Umfeld vernachlässigt werden und echte Kontakte völlig abbrechen. Kleidung und Körperpflege werden vernachlässigt und Vereinsamung tritt ein, ohne dass der Süchtige es bemerkt. Das Gleiche passiert bei diversen Spieleportalen im Internet. Sie sind so aufgebaut, dass man zu keinem Ende kommt, sondern mit jeder gewonnenen Partie, in ein höheres Level steigt. Auch hier Chatkontakt zu anderen Spielern, die am Spiel teilnehmen. Wer einmal in dieser Spirale steckt, kommt schwer allein wieder heraus. Die Sucht wird lange Zeit geleugnet und verdrängt. Familien zerbrechen und Kinder und Jugendliche geraten in schwierigste Lebenslagen, weil sie sich in der Realität nicht mehr zurechtfinden.

Schon allein deshalb ist es wichtig, dass Eltern und – warum nicht auch Oma und Opa – sich mit dem Internet beschäftigen. Und sei es nur, um zu wissen, auf welchen Seiten die Jugendlichen sich durchs Netz bewegen und was sie dort tun. Früher war es der Fernseher, vor dem Kinder und Jugendliche geparkt wurden. Heute ist es der PC, der den wichtigen Kontakt und Austausch in der Familie ersetzen muss. Oft sind Eltern beruhigt, wenn ihre Kinder sich mit diesen Medien beschäftigen, statt irgendwo unterwegs zu sein. Doch der Schein kann trügen. Im Internet warten Fallen, denen besonders Kinder nicht gewachsen sind. Ich war selbst einmal dabei, wie ein zehnjähriges Mädchen sich in einem Kinderforum mit anderen Kindern austauschte. Plötzlich begann ein anderes – angeblich zehnjähriges Mädchen – eindeutig Fragen sexueller Natur zu stellen. Ich habe daraufhin den Admin des Forums kontaktiert, es wurde kurz darauf geschlossen.

Wenn Kinder und Jugendliche im Netz unterwegs sind, sollten Erwachsene darauf achten, dass sie sich auf sicheren Seiten bewegen. Diese verlangen reale Daten bei der Anmeldung, die erst nach Überprüfung freigeschaltet werden. Sie speichern IP-Nummern der PCs, von denen aus sie angesteuert werden. So lässt sich jeder Missbrauch zurückverfolgen.

Kinder und Jugendliche brauchen von Erwachsenen Vorgaben zu Zeiten und Zielen im Internet, die unbedingt eingehalten werden müssen. Und sie brauchen Alternativen wie Zuwendung und Aufmerksamkeit für das, was sie bewegt. Wer im realen Leben bekommt, was er braucht, der flüchtet sich nicht so leicht in eine virtuelle Welt und lässt sich auch nicht von ihr blenden und einengen.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf Olle Piepen zum Thema:

Mobbing im Internet

Jugendliche und Alkohol “Komasaufen”



5 Kommentare

  1. Bei meinen Kindern würde ich stets darauf achten, auf welchen Internetseiten sie sich aufhalten. Ich habe noch keine Kinder, aber bei solchen Sachen bin ich grundsätzlich immer sehr vorsichtig. Es gibt doch Möglichkeiten, wie man sich und seine Kinder vor gefährlichen und ungeeigneten Seiten schützen kann, oder? Ich habe da mal was von einer Software gehört, die das ermöglichen soll. Wie funktioniert sowas?!

  2. Einerseits sollten sich Kinder ja so früh wie möglich mit den Themen Computer und Internet auseinandersetzen, aber ich hätte auch Angst, dass mein Kind inbesondere im Netz auf nicht jugendfreie Inhalte stösst. Das kann einem ja heutzutage selbst auf vermeintlich “kindersicheren” Seiten passieren. Ob es hier wirklich einen 100%-igen Schutz geben kann, mag ich zu bezweifeln. Eine “Kindersicherung” bzw. Firewall oder ähnliches ist hier sicherlich der erste Schritt in die richtige Richtung!

  3. Geht es nur um bestimmte Seiten im Internet, um Chatrooms, um Spieleportale? Bei Jugendlichen bestimmt!
    Aber wie sieht es bei Erwachsenen aus? Gibt es auch ein Programm zum Schutz von Erwachsenen am Computern?
    Meiner Meinung nach müssen ALLE geschützt werden , JUNG und ALT!

    Und, sollten wir JETZT nicht lieber ein gutes Buch zur Hand nehmen und lesen oder mit unserem Partner einen kleinen Spaziergang machen, reden??
    Frage: “Bin ich schon süchtig?”

  4. Zitat: “Hier gibt es Hilfe und Programme zum Schutz von Kindern im Internet”

    Soziale Probleme löst man nicht mit technischen Mitteln.
    Diese sog. Kinderschutzsoftware ist meist doch nur billiges Mittel, damit Eltern
    sich nicht selbst um die Erziehung der Kinder kümmern müssen (ähnlich wie
    Kids vor der Glotze zu parken, damit Ruhe herrscht).
    Stärken sie die Medienkompetenz der Kinder und sie werden auch mit
    sog. “gefährlichen Inhalten” umgehen lernen ohne Schaden zu nehmen.

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