Was der Regent nicht versteht, braucht das Volk nicht zu wissen
Arbeitsämter verpflichten Erwerbslose, eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen im Monat zu schreiben. Das ist gut so. Arbeitsämter wie auch Arbeitgeber haben einen gewissen Qualitätsanspruch an die Aufmachung und den Inhalt einer Bewerbung. Auch das ist gut so. Um diesen Qualitätsanspruch zu gewährleisten, werden Erwerbslose zuerst in den meisten Fällen direkt in einen 14tägigen Computerkurs geschickt, in dem sie lernen, wie man eine ordentliche Bewerbung schreibt und gestaltet. Prima Sache. In diesen Kursen lernt man, wie man einen PC an- und ausschaltet, wie man Google bedient, wo man Portale findet, auf denen Jobs angeboten werden, wo man sich selbst bewerben kann und natürlich den Aufbau einer Bewerbung.
Nach 14 Tagen gehen die Teilnehmer nach Hause und setzen das Gelernte um. So ist es gedacht. Dummerweise ist es aber so, dass längst nicht jeder Erwerbslose einen PC zu Hause hat, geschweige denn, das Geld für einen Internetzugang. Also, dachte sich ein Betroffener, frage ich doch mal beim Amt, ob man mir einen PC zur Verfügung stellen möchte, damit ich fleißig Jobs suchen und mich bewerben kann. Mit dieser Frage beschäftigten sich die Sozialgerichte und kamen zu dem Schluss:
Nein. Hartz IV Empfänger brauchen keinen Computer
Die Begründung dafür: Erwerbslosen stehen Fernsehen und Radio zur Verfügung, um sich umfassend zu informieren. Aha. Eine Erklärung, wie man über Fernseher- und Radioempfänger Bewerbungen schreibt und einen Arbeitsplatz sucht, wurde nicht mitgeliefert. Und diese Funktion konnte ich auch nach längerem intensiven Suchen über die Fernbedienung nicht finden. Möglicherweise wäre hier noch ein Kurs einzurichten, der Betroffenen erklärt, wie das geht.

Das Internet ist das Medium, in dem man jetzt und in Zukunft Chancen hat, Arbeit zu finden.
Diese Entwicklung mag an vielen älteren Entscheidungsträgern vorbeigegangen sein. Das zeigt im Übrigen auch die lächerliche und völlig irreale Vorstellung des „Bund deutscher Kriminalbeamter“, man könne das Internet bei Gefahr einfach abschalten (Man sperrt schließlich auch nicht das gesamte Straßennetz, obwohl kein Tag vergeht, an dem nicht Tote und Verletzte zu beklagen sind.)
Derartige Entscheidungen und Vorstellungen zeigen deutlich, dass dort von Menschen über Menschen entschieden wird, in Sachen, von denen sie absolut keine Ahnung haben. Die Gesellschaft ist längst vom Internet abhängig und das auf allen Ebenen. Eine funktionierende Wirtschaft ist ohne Internet nicht mehr möglich. Das bedeutet, dass Computer und Internet ein notwendiges Werkzeug sind, um überhaupt am kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Selbst Grundschüler lernen ab der vierten Klasse, den Umgang mit dem PC und werden angehalten, das Internet für ihre Hausaufgaben zu nutzen, weil von diesen Kindern keines mehr ohne PC und Internet nach der Schulzeit eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätte.
Ausschluss von Wissen und Entwicklung als Instrument zur Unterdrückung
Wie kann es angesichts dieser Tatsache sein, dass ein Fernseher, der die meiste Zeit des Tages für passive Berieselung sorgt, für einen Erwerbslosen wichtiger sein soll, als ein Computer? Ist es noch nicht bis nach oben vorgedrungen, dass man Computer nicht nur zum Spielen benutzen kann, sondern dass ein erheblicher Teil des Bruttosozialprodukts bereits heute über das Internet produziert wird? Firmen verkaufen über das Internet, erbringen Leistungen, stellen Leute ein und arbeiten weltweit mit Arbeitskräften und anderen Firmen zusammen! Dort liegen unglaubliche Chancen für Erwerbslose neue Tätigkeiten zu entdecken und sich fortzubilden. Und statt ihnen diesen Weg zu öffnen, damit das Heer der Arbeitslosen schrumpfen möge und von ihnen wieder Einnahmen in die Staatskasse zu bekommen, wird ihnen dieses Werkzeug verweigert und stattdessen ein Fernseher vor die Nase gesetzt. Glotze gucken, Klappe halten, fertig. Brot und Spiele für das Volk. Das erinnert dann schon eher an das alte Rom und seine feudalen Herrscher.
Tigerauge
Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:
Lingen-Armut
Westerwelle+Hartz-IV

Das kann ich gut verstehen, dass einem Erwerbslosen lieber ein Fernseher als ein PC zugestanden wird. Hat er nämlich einen PC, dann besteht die Gefahr, dass er bald nicht mehr erwerbslos sein könnte. Und was tun dann die ganzen Sesselfurzer vom Amt? Die mit dem staatlich subventionierten Helfersyndrom und dem gummibaumgeschmüchten Büro?
Ja so ist das eben in diesem “Sozialstaat”. Allerdings lässt sich die Begründung durchaus nachvollziehen, wenn man das Informationsrecht zu rate zieht. Dieses besagt nämlich auch, das Fernseher und Radios nicht gepfändet werden dürfen bzw. wenn ein Schuldner natürlich einen 60Zoll LED TV hat, wird der sehr wohl gepfändet, es wid ihm aber ein Ersatzgerät gestellt.
Das wir von Nullen regiert werden, die von Computern und Internet keine Ahnung haben zeigte damals ja auch das geniale “Stopp-Zeichen”, welches Seiten mit Kinderpornos (was für ein bescheuerter Ausdruck für den Missbrauch von Kindern) über DNS Sperrlisten ausblenden soll.
Zensursula wurde für diesen Schwachsinn auch noch bejubelt und die Gegner, die technische und rechtliche Bedenken hatten, wurden öffentlich als Pädophile oder zumindest Sympatisanten der Szene betitelt. :wirre:
Hervorragender Artikel :clap: Die Funktion eine Bewerbung über den Fernseher oder das Radio zu versenden fehlt leider auch bei meinen Geräten zuhause. Es ist schon interessant mit welchen Begründungen die Leute immer abgewiesen werden. :ugly: Mir persönlich fehlt nun auch irgendwo der Sinn des 14-tägigen Computerkurses wenn man danach war einiges gelernt hat, es nur leider aus finanziellen Mitteln nicht nutzen kann.
Aber Ihr müsst es doch auch aus der Sicht des Staates sehen. Eine solche zusätzliche finanzielle Belastung könnte “er” doch nicht tragen.