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Klimaveraenderung

Ein Planet wehrt sich gegen seine Peiniger

Wetterfühligkeit ist kein Phänomen der Neuzeit. Symptome wie Schwindel, Kreislaufprobleme oder auch Rheuma und Muskelschmerzen, sind altbekannte Geißeln bei Wetterwechsel. Auch, dass bestimmte Krankheiten wie Erkältungen, Magen-Darm-Probleme oder Allergien, in manchen Jahreszeiten häufiger auftreten, als in andere ist bekannt und niemand wundert sich.

Durch die Klimaerwärmung verändert sich allerdings sowohl die Qualität, als auch die Dauer dieser Beschwerden. Pollenallergiker, die noch vor wenigen Jahren zumindest in der Zeit von November bis März beschwerdefrei waren, kämpfen mittlerweile ganzjährig gegen Heuschnupfen und Asthma. In Monaten, in denen man früher mit einiger Sicherheit mit Frost zu rechnen hatte, ist es so mild, dass jeder Niederschlag sich als Regen herabläßt. Die Folgen spüren vor allem Rheumapatienten, deren Schmerzen sich durch feuchte Witterung regelmäßig verstärken. Hitzeperioden werden das Leben älterer und geschwächter Menschen vermehrt vorzeitig beenden, besonders auf der nördlichen Halbkugel, wo der Organismus nicht auf extreme Hitze trainiert ist. In südlichen Ländern hat sich die Wasserversorgung verschlechtert. Noch vorhandenes Trinkwasser wird bei steigenden Temperaturen mit immer mehr Keimen und Bakterien versetzt sein, mit denen unser Körper sich auseinandersetzen muss. Entgegengesetzt die Entwicklung in Gebieten, in denen es noch vor Jahren scheinbar nur herrliches Urlaubswetter gab (it never rains in California), haben die Menschen mit Überschwemmungen, Stürmen und Schneekatastrophen zu kämpfen.




All diese Veränderungen rufen eine Ein- und Auswanderung von Tieren und Keimen hervor. Mittlerweile fühlen sich Zecken zum Beispiel, das ganze Jahr über im Norden wohl und übertragen auch dort das FSME-Virus (Meningitis), das eigentlich einer Zeckenart in südlichen Ländern zugeschrieben wurde. Spinnen oder Stechmücken, die es vor einigen Jahren in unserer Region noch nicht gab und gegen die ein absoluter Schutz gar nicht möglich ist, übertragen nachgewiesen mehr und mehr Krankheiten, auf die wir Europäer nicht ausreichend vorbereitet sind.

Und mehr noch. Forscher sind davon überzeugt, dass völlig neue Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen auf die Weltbevölkerung warten. Bereits vorhandene Viren werden quasi auf Wanderschaft gehen, sich mit anderen Bakterien, Viren und Keimen vermischen und so neue Krankheiten entstehen lassen.

Dies alles ist keine Sience Fiction, sondern Gegenwart. Die Eisbären, denen der Boden unter den Füßen schmilzt, werden vielleicht völlig verschwinden, so wie einige andere Arten, die schon sehr viel länger auf der Erde heimisch sind, als wir Menschen. Tiere und Pflanzen gehen auf Wanderschaft und erobern sich neue Territorien. Je kleiner eine Art ist, desto schneller der Generations- und Anpassungswechsel und desto einfacher gelingt ihr das.

Wie schnell sich zum Beispiel Viren über die ganze Welt verbreiten, hat uns in jüngster Zeit der Erreger der Schweinegrippe vorgemacht. Wie hilflos dagegen der Mensch einer solchen Ausbreitung entgegentritt, konnten wir dabei hautnah miterleben. Würde man nämlich konsequent reagieren, müssten sämtliche Grenzen, zu Land, zu Wasser und in der Luft geschlossen werden. Das aber hätte katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft. Die Auswirkungen wären nicht weniger bedrohlich, wie die, die durch eine pandemische Krankheit die Menschen bedroht. Das letzte Virus verläuft anscheinend milde, doch wie viele Tote hätten wir schon zu beklagen, wenn es aggressiver wäre?

Verhindern kann man diese Entwicklung nicht mehr. Darüber sind sich die Forscher einig. Lebensbedingungen für Tiere und Menschen werden sich drastisch verändern. Was lange als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, wird sich als trügerische Verklärung erweisen. Wirbelstürme, Überflutungen, Dürrezeiten und damit auch neue Krankheiten werden die Themen der Neuzeit sein. Ob der Mensch so anpassungsfähig sein kann, wie die kleinsten Lebewesen auf unserem Planeten … ich wage das stark zu bezweifeln. Im Augenblick jedenfalls spricht alles dagegen. Ein Lebewesen, das sich seiner gemachten Fehler bewusst ist, die daraus folgenden Konsequenzen kennt und dennoch glaubt, sich gegen Naturgesetze stellen zu können, hat so gut wie gar nichts verstanden. Letztlich ist die Menschheit nur eine von vielen Arten auf diesem Planeten. Und letztlich wird sie wohl eine der Arten sein, deren Präsenz verschwindend kurz war in der Erdgeschichte.

Tigerauge

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