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Legionella Kuriosa

Haben Sie das eigentlich auch mitbekommen? Diese seltsame Meldung von der Legionellenwolke über Ulm? Ich fand sie, ehrlich gesagt, ziemlich erschreckend. Eine Wolke aus Bakterien, die über einer Stadt kreist! Man muss sich das einmal klar machen! Bakterien sind, mit dem bloßen Auge, normalerweise nicht sichtbar. Auch nicht, wenn sie sich zu einer zwanziger oder dreißiger Bande zusammenrotten. Wie viele Bakterien braucht man, um eine ganze Wolke zu erhalten? Und seit wann rotten diese hinterlistigen Viecher sich eigentlich zu ganzen Rudeln zusammen, um dann gemeinsam auf Jagd zu gehen? Diese Vorstellung ruft bei mir die gerade verdrängten Schweinegrippenirritationen wieder auf den Plan. Obwohl die Erreger der Schweinegrippe sich ja wenigstens noch völlig artgerecht verhalten haben. Sie haben sich brav vermehrt und von Mensch zu Mensch übertragen. Sie klebten mal hier und mal da, oder wurden von irgendjemandem ausgehustet oder geniest. Das kennt man ja. Und man hat wenigstens die Möglichkeit, sich Ausweichstrategien auszudenken.

Wie aber will man sich schützen, gegen Bakterien, die sich zusammenrotten, ihren gewohnten Lebensraum – das Wasser nämlich – einfach von heute auf morgen verlassen, sich in die Luft schwingen und gemeinsam als Wolke über einer Stadt kreisen, um sich nach passenden Opfern umzusehen? Wie gehen die eigentlich vor? Stimmen sie ab, wo sie runtergehen, infizieren 40-50 Menschen, indem sie einige Wolkenmitglieder dort absetzen und anschließend zufrieden wieder emporschweben?

Das größte Rätsel ist und bleibt aber, wie sich diese Wolke überhaupt gebildet hat. Legionellen sind ja von Haus aus Organismen, die sich am Wohlsten fühlen, wenn sie im Wasser sind. Im warmen Wasser so zwischen 35°C bis 45°C. Das weiß man und überprüft deshalb auch regelmäßig die Warmwasserzuleitungen in Gemeinschaftseinrichtungen. Besonders Krankenhaus- und Altenheimanlagen werden von Legionellen bevorzugt. Wer sich mit legionellenversetztem Wasser die Hände wäscht, hat dabei noch nicht einmal unbedingt zu befürchten, krank zu werden. Der beste Übertragungsweg ist ein ausgiebiges Dusch- oder Wannenbad, bei dem der Duschende nicht anders kann, als die winzigen Dampftröpfchen einzuatmen. Gelangen die Legionellen auf diesem Weg in die Lungen, dann kann sich innerhalb kürzester Zeit eine heftige Lungenentzündung mit hohem Fieber entwickeln, die bei geschwächten Personen, wie man sie in Krankenhäuser und Altenheimen findet, oft tödlich endet.




Das Rätsel der Wolke ist noch immer nicht geklärt. Immerhin man bemüht sich. So ist eine Überlegung, dass die Legionellenwolke aus einem Werk entwichen sein könnte, das während der Produktion seiner Produkte, Nasskühlanlagen oder Verdunstungskühlanlagen einsetzt. Auf den ersten Blick eine mögliche Erklärung. Allerdings kann diese Theorie nicht wirklich stimmen. Denn wer immer eine solche Anlage betreibt, der hat dafür zu sorgen, dass die Temperatur des austretenden Dampfes bei mindestens 60°C liegt. Legionellas Wohlfühltemperatur von 45°C ist in dem Fall weit übertroffen und sorgt dafür, dass sie abgestorben ist, bevor sie in die Umwelt gelangt. Also entweder war mit der Temperatur etwas nicht in Ordnung, oder Legionella hat sich aus reinem Selbsterhaltungstrieb so weit entwickelt, dass 60°C ihre neue Lieblingstemperatur ist.

Die Sache wird untersucht, da können wir ganz beruhigt sein. Die Wolke ist zwar verschwunden und der Verursacher hat keine Spuren hinterlassen, aber es wird trotzdem untersucht.

Wo es diese kleinen Plagegeister noch so gibt, würde Sie interessieren? Na überall dort, wo Wasser erwärmt oder in Tanks aufbewahrt wird. Also durchaus auch in Sportvereinen, Schulen, Hotels, Klimaanlagen und nicht zuletzt auch in den heimischen Anlagen. Eigentlich sind sie überall anzutreffen, wo Wasser ist. Gefährlich werden Sie aber erst, wenn sie beginnen, Kolonien mit mehr als 100 Exemplaren auf 100 ml Wasser zu bilden.

Also, wirklich lustig finde ich das nicht. Zumal es auch einige hartgesottene Exemplare aus den 48 verschiedenen Stämmen gibt, denen auch das Kaltwasserrohr als Unterkunft genügt.

Tigerauge



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