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Lingen: Atomkraftwerk abgeschaltet



Kommen die Kernkraftwerke in die kritischen Jahre?

Gegen drei Uhr in der Nacht von Donnerstag auf Freitag den 24. Juli wurde das Lingener Atomkraftwerk abgeschaltet. Grund dafür soll ein harmloser Defekt an einem Maschinentrafo gewesen sein, berichtete die RWE Power. Die Ursache, die zur automatischen Abschaltung geführt hat, wird zur Zeit vom TÜV und vom Maschinentrafo-Hersteller gesucht. Es handele sich nicht um eine dramatische Panne, bei der Radioaktivität ausgetreten sei, versicherte der Betreiber. Wie zu erwarten, bestand weder für die Belegschaft noch für die Menschen im Umland zu irgendeiner Zeit eine Gefahr.

Das 21 Jahre alte Kernkraftwerk, aus dem Jahr 1988 wurde am 12. Juni bereits einmal abgeschaltet. Allerdings wurden an dem Tag routinemäßig 44 Brennstäbe ersetzt. Eine weitere Abschaltung erfolgte am 07. Juli, da es auf einer Baustelle, des Gaskraftwerks, einen sog. Funkenüberschlag gegeben haben soll.

Nun, hellhörig wird man ja doch, immerhin ist man durch Krümmel wieder etwas sensibilisiert. Zudem wurde auch in Karlsruhe ein Teil des Kernkraftwerks in Phillipsburg vom Netz genommen. Auch hier soll der Grund ein Defekt am Maschinentrafo sein.

Die ersten Meiler kommen in die Jahre, da macht man sich ernste Gedanken um ihre Zuverlässigkeit und Sicherheit. Insgesamt neigt die Bevölkerung, angesichts der sich häufenden Störfälle wieder mehr dazu, sich von der Atomstromproduktion abzuwenden. Daran ändert auch die Beschwichtigung der Behörden und Betreiber nichts, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für die Menschen bestünde.

Denn eine Gefahr sind sie auch ohne Störfälle, allein dadurch, dass es bis heute kein legales Endlager für die Entsorgung abgebrannter Brennstäbe gibt. Lediglich ein geheimes Lager, über das man uns jahrelang belogen hat und das unter Angabe falscher Tatsachen betrieben wurde. Offensichtlich sickert aus dem Lager Asse schon seit Jahre radioaktives Material in Gewässer und Erdreich. Und das mit Wissen der Verantwortlichen. Selbst die dringend notwendigen Untersuchungen in der Sache, werden jetzt wieder vertagt.

Wo zugunsten von wirtschaftlichen Gewinnen, derartige Unglaublichkeiten von der Atomlobby vertuscht werden, da kann man doch nicht ernsthaft noch erwarten, dass man auch nur für einen Cent Vertrauen in die Aussagen angeblich Verantwortlicher hat. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass im Fall des Falles die Meldung käme: Schwerer Atommeiler Störfall, große Mengen Radioaktivität sind entwichen, Menschen im Umkreis von 200 km sind bereits verseucht … Sicherlich nicht, denn wer will die Massenpanik stoppen, die in einem solchen Fall ausbrechen würde?

Tigerauge



4 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Beitrag und die News. Ich bin selbst gegen Atomstrom und habe mich schon immer dafür bzw. dagegen eingesetzt. Zugegeben, es ist nicht leicht einen Anbieter zu finden, der komplett auf den Atomstrom verzichtet, aber es gibt sie. Viele Leute sind auch einfach zu faul ihren Stromanbieter zu wechseln, dabei geht das heutzutage doch ganz einfach. :Klugscheisser:

  2. Ich stimme Kerstin zu! Ich frage mich, wieso es überhaupt noch Atomkraftwerke gibt. Mittlerweile sollten wir doch so weit sein, dass wir nahezu vollständig auf alternative Energiequellen zurückgreifen und umstellen können? Ich bin absoluter Fan von Ökostrom und möchte jetzt auch schnellstmöglich meinen Stromanbieter wechseln. Kennt ihr empfehlenswerte Ökostromanbieter, die wirklich auch nur Ökostrom anbieten?

  3. Der Strom, den man als Ökostrom kauft, ist natürlich immer noch der gleiche wie vorher. Aber der Gewinn aus den Einnahmen wird in erneuerbare Energiegewinnung gesteckt und nicht in Kernkraft- und Kohlekraftwerke. Dadurch können mehr umweltfreundliche Energieerzeuger den Markt beliefern und der Anteil von Ökostrom in der Mischung erhöht sich. Jeder, der Ökostrom kauft, trägt dazu bei, dass Kernkraftwerke überflüssig werden. Greenpeace bietet es auch auf seiner Seite an.

  4. Ich weiß nicht. Wenn ich davon höre, dass ein Atomkraftwerk wegen eines kleines Defekts abgeschaltet werden mußte, beschleicht mich immer ein ungutes Gefühl. Es wird zwar von den Betreibern runtergespielt, aber im Hinterkopf habe ich dabei immer Tchernobyl. Ob die Katastrophe dort auch mit einer kleinen technischen Panne begann?
    Sicherlich gibt es Meinungen für oder gegen Atomkraft.
    Auf der einen Seite ist da die relativ günstige Möglichkeit, Strom zu gewinnen. Auf der anderen Seite sehe ich jedoch die direkte und indirekte Gefahr für die Menschen. Zum einen kann die Katastrophe kommen, vor der wir uns alle fürchten. Zum anderen sehe ich den atomaren Dreck, für den bis heute keine 100-prozentige Lösung gefunden wurde.
    Man kann nur hoffen, dass alternative Energien langsam die Atomenergie ablöst.

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