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Love Parade 2010





Love Parade 2010 – Wenn Geld mehr wiegt als Menschenleben



342 zum Teil schwer verletzte und 19 tote Menschen, die sich auf ein friedliches OpenAir-Festival gefreut hatten, ist die Bilanz der diesjährigen Love-Parade. Das Vertrauen in Organisatoren ist offensichtlich groß, denn kaum einer dieser Menschen hat sich offenbar die Frage gestellt, ob die Verantwortlichen tatsächlich kompetent und verantwortlich dieses Festival vorbereitet haben. Rettungskräfte und Feuerwehr war zwar ausreichend vorhanden, wem aber nützt das, wenn sie nicht die Möglichkeit haben, durch spezielle Rettungsgassen an Verletzte zu gelangen? Wenn die Helfer ohnmächtig erleben müssen, dass sie zum einen nicht helfen können und zum anderen noch von Gästen, die offensichtlich den Ernst der Lage verkannt haben, mit Steinen beworfen und an ihrer Arbeit gehindert wurden? Nebenbei bemerkt, waren diese Steinewerfer offensichtlich auf der falschen Veranstaltung.

Angesichts der Abläufe und Fakten, die bisher bekannt wurden, kann man nicht umhin, die Ursachen für die Tragödie in der Organisation der LoveParade zu suchen. Keine Stadt ist verpflichtet, dieses Fest auszurichten. Die Stadt Bochum zum Beispiel hat die Organisation des Festes 2009 abgelehnt, mit der Begründung, dass sie die Organisation nicht leisten könne.


Finanzieller Gewinn stand an erster Stelle
Die Loveparade ist mittlerweile eine Veranstaltung, die nicht unerhebliches Geld in die Kassen der ausrichtenden Städte bringt. Um so höher ist es anzurechnen, wenn eine Stadt wie Bochum Verantwortlichkeit zeigt und zugunsten der Sicherheit von Menschen, auf diese Einnahmen verzichtet.

In Duisburg wurden offensichtlich andere Prioritäten gesetzt. Es wurden weit über eine Millionen Menschen auf ein Gelände eingeladen, das gerade für 800.000 Mensch Platz bietet. Und für diese Menschen gab es anscheinend nur den einen Weg durch den Tunnel als Zugangsmöglichkeit. Gedacht war wohl, dass man die Massen so besser kontrollieren könne.

Jeder Hausbesitzer, jede Disco, jedes Fußballstadion ist gesetzlich verpflichtet, mehrere Ein- und Ausgänge auszuweisen. Dort halten sich nicht annähernd über eine Millionen Menschen auf. Die Panik auf der LoveParade 2010, die 19 junge Menschen das Leben gekostet hat, wäre vermeidbar gewesen, wenn dafür gesorgt worden wäre, dass Menschen die Möglichkeit gehabt hätten, das Gelände an mehreren Stellen zu betreten und zu verlassen. Und nicht auch noch Sperren und Barrikaden aufzubauen. Nach dem Unglück war es schließlich auch möglich, die Autobahn für den Verkehr zu sperren, um einen Fluchtweg zu öffnen.

Großveranstaltungen bergen immer Risiken
Die Verantwortlichen werden zu ermitteln sein, möglicherweise werden sie auch tatsächlich zur Rechenschaft gezogen. Mit Unglücken bei Massenveranstaltungen muss zwar immer gerechnet werden. 100% Sicherheit kann allerdings niemand erwarten und niemand garantieren. Darüber muss man sich im Klaren sein, wenn man so eine Veranstaltung besucht. Blindes Vertrauen in Veranstaltungen, die dem Kommerz dienen, sind immer kritisch zu betrachten. Dennoch ist die Frage zu stellen, ob es für Veranstaltungen in dieser Größenordnung überhaupt klare Vorschriften gibt und erfahrene kompetente Fachleute, die wissen, wie man Risiken minimiert und ein Höchstmaß an Sicherheit schafft. In Duisburg jedenfalls war offensichtlich weder das eine noch das andere gegeben.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Brandaktuell: Amoklauf mit 16 Toten

Ausraster durch Medikamente



6 Kommentare

  1. Wenn ich etwas von Großveranstaltungen höre, vibrieren bei mir alle feinen Sensoren. Ich selbst bin ein Gegner solcher Veranstaltungen, die auf jeden Fall ein gewisses Risiko darstellen. Dieses Risiko muss man einkalkulieren, wenn man diesem Rummel beiwohnen möchte. Das entledigt die Verantwortlichen selbstverständlich nicht von ihrer Pflicht, für die Sicherheit der Menschen Sorge zu tragen. Wenn man auf einem Gelände, das etwas 800.000 Besucher umfassen kann, über einer Million Menschen den Besuch der LoveParade gestattet, ist das schon ziemlich verantwortungslos. Daher sollte geprüft werden, wer zur Verantwortung gezogen werden muss. Dennoch müssen solche „Feste“ wirklich gefeiert werden? Wer hat den Nutzen davon? In so einem Gedränge kann das doch kein Vergnügen mehr sein. Aber jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn tatsächlich finanzieller Gewinn im Vordergrund stehen sollte, kann ich nur abwinken.

    LG.Rita Hajak

  2. Danke für diesen Beitrag, für die klaren Worte. Fragen, die dringend beantwortet werden müssen, werden gestellt. Finanzielle Interessen standen bei der Love-Parade im Vordergrund. Offensichtlich wurden vorab vorgetragene Bedenken, etwa zur Sicherheit, bewusst verdrängt und nicht beachtet! Erschütternd, einfach erschütternd!

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass Nichtigkeiten in erstaunlicher Weise gesetzmäßig geregelt werden… dass Kleinstunternehmer eine Gesetzesflut beachten müssen, die alles und jedes regeln….. aber wenn es um eine Veranstalung mit einem Publikum von mehr als einer Million Menschen geht… Da scheint es statthaft zu sein, die Menschenmassen durch einen einzigen Eingang zu lenken… Unbegreiflich…

    Danke für diesen wichtigen Beitrag zur großen Tragödie der Love-Parade!

    Walter

  3. Der Artikel geht davon aus, dass Platz für 800.000 Menschen war. Tatsächlich weiß man inzwischen, dass das Gelände lediglich 250.000 Menschen aufnehmen kann und die Zahl der Verletzten ist auf 500 gestiegen.

    Ich denke auch, dass jeder, der zu so einer Großveranstaltung geht, sich darüber im Klaren sein muss, dass er Risiken eingeht. In diesem Fall aber, waren Risiken vorhanden, die man einfach nicht für möglich hält. Das viel zu kleine Gelände, das komplett eingezäunt war und nur einen einzigen Eingang, der zugleich Ausgang war, ist mehr als Fahrlässigkeit.

    Und die Pressekonferenz der Verantwortlichen, war das schäbige Schweigen einer Truppe, die genau weiß, dass sie Schuld trifft und die zu feige ist, dieser Schuld ins Auge zu sehen.

  4. Ich muss mich korregieren: Tatsächlich sollte dieser Platz nur 250.000 Besucher aufnehmen. Dann ist es umso unverantwortlicher, wenn man an die überhöhte Besucherzahl denkt.

  5. Zugegeben, ich war noch nie ein Fan dieser Veranstaltung. Finanizieller Gewinn steht bei solchen Events doch fast immer an erster Stelle. Wenn schon vorher nicht sicher war, ob dieser Ort für eine Veranstaltung dieser Größe überhaupt geeignet ist bzw. ob die Sicherheit zu 100% gewährleistet werden kann, dann verstehe ich nicht, wieso man nicht doch besser eine andere Stadt bzw. eine andere Location gewählt hat.

  6. “Großveranstaltungen bergen immer Risiken”:

    dem stimme ich auch zu. Es ist doch auch immer so, da wo viele Menschen sind wird gedrängelt und geschubst. :motz:

    In der U-Bahn steigt man ja auch nicht dort ein, wo es schon gerammelt voll ist, sondern geht ein paar Meter weiter in die nächste Tür. Aber beim Ausgang ist es wieder eben so, dass man keinen anderen Weg hat, den man frei wählen kann. Da müssen die Verantwortlichen dann einspringen.

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