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Mallorca in der spanischen Krise

In den letzten Wochen und Monaten überschlugen sich die Negativschlagzeilen in der europäischen Schuldenkrise. Neben Griechenland und Italien fielen in der Diskussion um die hochverschuldeten EU-Länder vor allem auch die Namen Portugal und Spanien. Spanien, als das für deutsche Touristen vielleicht attraktivste, europäische Urlaubsland, befindet sich inmitten einer Wirtschaftskrise, die allen voran auf Bildungsprobleme und den völlig überzogenen Boom im Bausektor vor rund 10 Jahren zurückzuführen ist. Über 5 Millionen Arbeitslose sowie unzählige, leer stehende Hotelburgen und andere abgerissene oder unbewohnte Gebäude symbolisieren die wirtschaftlichen Probleme Spaniens. Besonders deutlich werden die katastrophalen Beschäftigungszustände bei den Jugendlichen zwischen 16 und 24, von denen beinahe jeder Zweite keinen Job hat.

Nun verbinden wir als Urlauber Spanien in der Regel mit Sonnenschein, wunderschönen Stränden und Buchten und leckerem Essen – Urlaub eben. Das unter Deutschen beliebteste Reiseziel ist dabei mit großem Abstand die balearische Mittelmeerinsel Mallorca, doch auch die Küsten des spanischen Festlandes wie z.B. die am Atlantik gelegene Costa de la Luz in Andalusien oder die Costa Brava im nordöstlichen Katalonien zählen zu den viel bereisten Gegenden Spaniens. Ob auf Mallorca oder an den Festlandküsten – die Strände sind immer noch genauso schön und auch die Sonne scheint wesentlich länger und wärmer als in Deutschland. Was dabei jedoch gerne in Vergessenheit gerät, ist das riesige Landesinnere, sowohl auf dem spanischen Festland, jedoch z.B. auch auf der relativ großen Insel Mallorca. Wir als Touristen bekommen von der Wirtschaftskrise dort herzlich wenig mit, denn selbstverständlich fahren wir am liebsten in die schönen, teils sogar extra für Touristen erbauten Urlaubsorte. Doch was verbirgt sich wirklich hinter den Küsten in den Dörfern und Städten des Landesinneren?


Auf Mallorca beschert der Tourismus alleine rund drei Viertel des gesamten Einkommens. Über 10 Millionen Touristen darf die Insel, die selbst nicht einmal eine Million Einwohner zählt, jährlich begrüßen. Der Großteil der Besucher verteilt sich dabei auf die südwestlich gelegene Hauptstadt Palma de Mallorca sowie die zahlreichen kleinen Orte wie Cala Ratjada, Cala Millor, Cala d’Or oder Porto Cristo an der Ostküste. Besonders an der schönen Ostküste scheint die Krise bisher kaum Spuren hinterlassen zu haben. Doch wer einen Blick ins Landesinnere wagt, wird auch auf Mallorca bereits auf die einen oder anderen Anzeichen einer Krise stoßen. Zwar findet man hier (noch) keine Unmengen an leer stehenden Hotelburgen wie es an der Costa Brava beispielsweise immer häufiger der Fall ist, aber dennoch zeichnen sich besonders in der Bevölkerung die aktuellen Probleme des gesamten Landes ab. Neben dem Tourismus verdienen die Mallorquiner ihr Geld hauptsächlich in der Landwirtschaft oder eben der stark schwächelnden Bauindustrie. Je weiter man sich von den Küsten entfernt, desto geringer werden der Einfluss des Tourismus und analog dazu auch die Beschäftigungsmöglichkeiten und der Wohlstand der Einwohner.


Zwar ist der stets wachsende Tourismus an den Küsten beinahe ein Garant für laufende Einnahmen und auch Arbeitsplätze, aber trotzdem sind rund 25% der Mallorquiner arbeitslos. Durch die immer weiter sinkende Beschäftigung in der Landwirtschaft und Bauindustrie sowie das dadurch ebenfalls sinkende Einkommen der Bewohner tritt ein allseits bekannter volkswirtschaftlicher Effekt ein, den wir unter dem Begriff Rezession kennen. Investitionen und Ausgaben gehen aufgrund des geringen Einkommens zurück, wodurch wiederum die Einnahmen der Wirtschaft sinken und weitere Arbeitsplätze abgebaut werden – ein Teufelskreis. Die Rekordzahlen der Arbeitslosigkeit lösen Frust und Verzweiflung in der Bevölkerung aus, die hohe Arbeitslosenrate unter Jugendlichen führt zu steigender Kriminalität. Unsere liebste Urlaubsinsel steckt wesentlich tiefer in der Krise, als man von schönen Urlaubsfotos und warmen Sommernächten zu denken vermag. Bisher gelingt es jedoch in den meisten Fällen noch sehr gut, diese Probleme von den schönen Stränden und Urlaubsorten fern zu halten. Doch mit zunehmendem Frust und sinkendem Einkommen der Einheimischen ist auch die schöne, heile Welt in den bei uns so beliebten Küstenorten in Gefahr.

Im Vergleich zu anderen Regionen tief im Inneren des spanischen Festlandes hat Mallorca jedoch in jedem Fall den landschaftlichen Bonus, der auch in der Zukunft viele Millionen Touristen auf die Insel locken wird und damit zumindest einen Teil der spanischen und mallorquinischen Wirtschaft aufrecht erhält.





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