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Missbrauch von Alkohol


„Die wollen doch gar nicht arbeiten!“ ???

Der Missbrauch von Alkohol war noch nie so verbreitet wie in unserer Zeit des maßlosen Überflusses, der schier endlosen Ablenkungen vom ursprünglichen Sinn und Sein. Nie hatten Menschen einer Gesellschaft soviel Freizeit wie wir heute und nie war ihr Leben so gut abgesichert. Sämtliche anderen Lebewesen auf unserem Planeten müssen stündlich (!) um ihr Überleben kämpfen. Für sie gibt es keinen Mietvertrag, keinen Kassenarzt, keine Sozialkasse, keine Rentenversicherung – nicht einmal die Garantie auf eine tägliche Mahlzeit, dafür aber eine realistische Möglichkeit selber zu einer zu werden.

Unseren Vorfahren ging es ähnlich. Natürlich müssen auch wir um unsere Existenz kämpfen, aber diese Kämpfe beschränken sich auf 7,5 Stunden täglich. Die restlichen 16,5 Stunden stehen zur freien Verfügung. Das klingt verlockend. Tatsächlich braucht der Mensch aber auch in dieser Zeit Aktionen, die ihm Ringen und Siegen verheißen. Es liegt nicht in seiner Natur, ohne Ziele und Aufgaben durchs Leben zu gehen. Wir werden immer mehr Menschen auf der Erde, die alle beschäftigt sein wollen, die sinnvolle Arbeit brauchen und eine Freizeitplanung, die ihre Bedürfnisse befriedigt. Angesichts der fortschreitenden technischen Entwicklungen, die den Menschen immer mehr von seinem Arbeitsplatz verdrängen, werden sinnvolle Freizeitaktivitäten überlebenswichtig.

Noch vor fünfzehn Jahren konnte jeder sich mit Jobs ein Zubrot verdienen. Arbeiten, die auch unqualifizierten Menschen zum Broterwerb zur Verfügung standen, werden weiter verschwinden.
„Richtige“ Arbeit werden in naher Zukunft nur bestausgebildete Menschen finden. Und auch nur, wenn sie die „richtigen“ Leute kennen. Der größte Teil der Menschen wird von Arbeit ausgeschlossen sein. Dieser Teil der Gesellschaft wächst gerade heran und viele von ihnen haben schon das Dilemma von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit vor Augen. Sie kommen von Schulen und können ihr Studium nicht finanzieren, weil die Eltern nicht genug Geld haben. Sie finden keinen Job, um selbstverantwortlich leben zu können. Irgendwelchen Freizeitaktivitäten können sie nicht nachgehen, weil sie Geld kosten, das sie nicht haben. Auch Weiterbildung kostet Geld. Der Staat aber ruft nach Fachkräften. Woher sollen sie kommen, wenn man sie nicht aufzieht?
Wir konnten als Kinder stundenlang draußen mit unseren Freunden spielen, uns austoben, unsere Phantasie ausleben, Dinge entdecken, uns ausprobieren im Klettern und Laufen, wir lernten spielerisch soziales Zusammenleben, weil wir uns unsere Möglichkeiten und Grenzen erspielten. Wie viele Kinder müssen heute ihre Kindheit vor Fernsehern, Spielkonsolen und in Wohnsilos verbringen? Sie sitzen vor rechteckigen Kästen und schauen zu, wie andere ihnen Abenteuer vorleben, die sie niemals haben werden. Sie wachsen auf, ohne die wunderbaren Gefühle und Erfahrungen zu machen, die dem Leben Sinn geben. Sie erfahren nicht, wie es sich anfühlt an seine Grenzen zu gehen, stolz zu sein, auf eine körperliche Leistung im Sport, Dinge zu erforschen und das wunderbare Gefühl hinter das Geheimnis einer Sache zu kommen, durch Nachdenken und Ausprobieren, plötzlich etwas zu verstehen und zu erkennen. Kinder, die nicht nur allein gelassen sind, sondern auch noch in all ihren Träumen und Hoffnungen von Anfang an ausgebremst und um Kindheitserfahrungen beschnitten werden. Sie haben keine Idee davon, welche Möglichkeiten sie haben und was sie damit auf die Beine stellen könnten.

Hier ist unsere Gesellschaft in der Verantwortung. Das fängt an bei der Kinderbetreuung, die keine Kinderaufbewahrung sein darf, deren Kosten wir alle übernehmen müssen, geht weiter in der Schule, wo nach Talenten und Neigungen gefördert werden muss, wo Freizeitangebote her müssen, die Kindern die Möglichkeit geben, die Welt zu erforschen und erleben. Wo eine Berufsausbildung für alle genauso selbstverständlich sein muss wie die Schulzeit. Die größte Herausforderung ist die Bildung und Ausbildung aller Kinder. Wenn wir diese Chance verpassen und dort nicht investieren, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn unsere Gesellschaft in Abgründe versinkt, wenn Armut sich weiter ausbreitet, wenn keiner sich mehr um Kranke, Schwache oder Alte kümmert, wenn soziale Netze zerreißen und Autos brennen. Frankreichs Jugend macht es vor. Wie verzweifelt müssen Kinder und Jugendliche eigentlich schreien, bis man ihre Bedürfnisse wahrnimmt und sich ihnen zuwendet?

Tigerauge

Ergänzung:
Eine ähnliche Stellungnahme, im gleichen Sinne zum Thema „Jugendliche und Alkohol, das Komasaufen“,
und
Exzessiven Alkoholkonsum stoppen
kann man hier auf meinem Blog lesen.


4 Kommentare

  1. Dem stimme ich voll und ganz zu!

    Dieser Artikel bringt es mal wieder richtig auf den Punkt.
    Wenn unsere Gesellschaft immer mehr in Arme (nicht geförderte Menschen) und Reiche (geförderte Menschen) auseinander bricht, dann wird auch der Wohlstand der dafür verantwortlichen Menschen darunter leiden, die heute noch der Meinung sind, dass sie von den negativen Auswirkungen ja doch nie betroffen sein werden.

    Jeder verdient seine Chance auf das Recht auf Selbstverwirklichung und kann nur dadurch entscheidend zum Wohlstand unserer Gesellschaft beitragen!

    :Hilfe:

  2. Danke für den tollen Beitrag. Auch mir spricht er aus der Seele. Insbesondere was die mangelnde Kinderbetreuung (und die teils schlechte Qualität) in Deutschland angeht. Unsere europäischen Nachbarn sind uns da einfach einen Schritt voraus.

  3. Wenn ich einmal Kinder haben sollte, werden die sicher nicht den ganzen Tag vor den “viereckigen Kästen” sitzen und sich Videospiele reinziehen. Ich kann nicht verstehen, wieso Eltern ihre Kinder nicht andersweitig fördern. Ich bin der Auffassung dass der Alkoholkonsum auch darauf zurück zu führen ist, dass sich viele Eltern einfach nicht richtig um ihre Kids kümmern.

  4. Ich habe meinen Sohn auch schon mal am Bier-Schaum nippeln lassen. Vielleicht ist es vielen unverständlich warum Kinder und Jugendliche Trinken, aber das gehört einfach in unsere Gesellschaft dazu.

    Wir sollten uns einfach damit abfinden und eventuell auch mal mit den Kindern/Jugendlichen Trinken. Vielleicht hilft das ja gegen “Kummer-saufen”.

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