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Missbrauch




“Mein Mund, meine Beine, mein Po?”

Welche Frau oder welches Mädchen kennt es nicht, dieses beängstigende Gefühl, wenn man allein durch dunkle einsame Straßen laufen muss. Fast immer tauchen Ängste auf, dass an der nächsten Ecke ein Unhold steht, dass man verfolgt wird, dass etwas ganz Schreckliches geschehen wird. So tief sitzen die Ängste, die Warnungen aus Kindertagen vor Dunkelheit, fremden Straßen, dass sie bis ins Erwachsenenleben immer wieder präsent sind. Schon immer haben Eltern ihre Kinder vor dem „bösen Mann“ gewarnt, der unverhofft auftaucht und kleinen Mädchen und Jungs Gewalt antut. Doch ist das realistisch?

Täglich werden Kinder sexuell missbraucht und das in den meisten Fällen nicht in dunklen Gassen und an einsamen Plätzen, von denen sie sich fernhalten sollten. Nein, die tatsächliche Gefahr lauert ganz woanders. Nämlich dort, wo man sie am wenigsten vermuten sollte: In der Familie, in der Nachbarschaft. Ausgerechnet dort, wo ein Mensch den größtmöglichen Schutz finden sollte, dort findet Missbrauch der Schwächsten statt. Natürlich – es gibt es die Tragödien, wo Kinder von fremden Menschen sexuell missbraucht und anschließend sogar getötet werden. Doch im Verhältnis zu den Missbrauchsfällen in Familien und Nachbarschaft ist das ein geringer Prozentsatz.

Die Menschen, die nicht davor zurückschrecken, ein Kind anzufassen oder zum Beischlaf zu zwingen, sind mitten unter uns. Ein Onkel, dem die Eltern das Kind in Obhut gegeben haben, ein Nachbar, der ein Kind in seine Wohnung einlädt – das sind typische Situationen, auf die man Kinder vorbereiten muss, denn hier kann Missbrauch stattfinden. Und viele Kinder tragen dieses bittere Geheimnis schweigend mit sich herum.

Täter suchen sich für ihre Tat gern Kinder, die besonders lieb und angepasst sind. Die gelernt haben, dass man vor Erwachsenen Respekt haben muss, dass man ihnen nicht widersprechen darf. Hier liegt ein Schlüssel, mit dem man Missbrauch vorbeugen kann. Kinder, die sich nicht als selbstbestimmt erfahren dürfen, sondern gewohnt sind, dass ihre Bedürfnisse zweitrangig sind, neigen dazu, sich nicht zu wehren, wenn ihnen Unrecht getan wird. Kinder müssen früh die Erfahrung machen, dass sie nicht alles erdulden brauchen, sondern ein Grundrecht auf eine unversehrte Seele und einen unversehrten Körper haben. Das bedeutet: Sie entscheiden selbst, was jemand mit ihnen machen darf und was nicht. Kinder müssen „NEIN“ sagen dürfen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen fürchten zu müssen.

Hier setzt das Projekt Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück an. Mit ihrer Arbeit „Mein Körper gehört mir“ wollen sie Kinder und vor allem auch Eltern erreichen, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, dass Kinder über ihren Körper selbst bestimmen. „Nein“ sagen dürfen in dem Augenblick, wo irgendjemand sich ihnen so nähert, dass sie sich unwohl fühlen. Ohne Wenn und Aber. Denn Kinder spüren genau, ob eine Umarmung aus Fürsorge oder sexuellem Interesse erfolgt. Und wer sein Kind beobachtet, im Umgang mit anderen Erwachsenen, erkennt auch schnell, in wessen Nähe es sich aufgehoben und sicher fühlt und wo die Nähe ganz gezielt vermieden wird.

Das Projekt der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück trägt seine Botschaft stressfrei und kindgerecht in die Grundschule Brögbern in die dritten und vierten Klassen, wo die Zehnjährigen sitzen, die genau in dem Alter sind, in dem die meisten Übergriffe stattfinden. Unterstützt wird das preisgekrönte Präventions- programm von der OLB, der Volksbank, dem Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch“ sowie dem Schulelternrat und dem Förderverein. Ziel ist es, den Kindern Mut zu machen, sich nach außen abzugrenzen und den Eltern einen Weg zu zeigen, wie sie ihren Kinder das nötige Selbstbewusstsein vermitteln, um die Gefahr einzugrenzen. Denn Eltern können nicht mehr jeden Weg der Kinder begleiten. Kinder erweitern ihren Radius und brauchen deshalb Möglichkeiten sich selbst zu schützen. Dazu brauchen sie Informationen und die Gewissheit, dass sie allein das Recht auf ihren Körper haben und sie allein über ihn bestimmen.

Zum Thema gibt es weitergehende Hilfsangebote und Informationen im Internet auf der Seite:
Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück
oder telefonisch auch anonym unter der kostenlosen „Nummer gegen Kummer“ 0800-1110333.
Betroffene können sich dort Rat und Hilfe holen.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Mobbing im Internet

Jugendliche und Alkohol



1 Kommentar

  1. Leider ist es immer noch keine Seltenheit, dass Kinder sexuell missbraucht werden. Deshalb ist Aufklärung in der Familie äußerst wichtig. Kinder dürfen keine Angst haben, mit ihren Eltern darüber zu sprechen.
    Besser ist es natürlich die Kinder sind soweit gefestigt sich Annäherungen von Anfang an zu entziehen und sofort mit einem Menschen ihres Vertrauen zu reden.
    Auch Eltern leiden sicherlich unter der Vorstellung ihrem Kind könnte so etwas passieren. Deshalb sollte man seine Kinder stets gut beobachten, um kleine Veränderungen sofort zu bemerken. Dann sollte man das Kind vorsichtig und liebevoll zum Reden bewegen.

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