Altbacken, verschwurbelt und mit Scheuklappen bestückt
Glaubt man den Aussagen der katholischen Kirche, dann geht die Meinung dahin, dass die Missbrauchsskandale vor allem von den Medien hochgepuscht wurden, und es sich im Grunde um eine interne Angelegenheit handelt. Oder einfacher und mit den Worten des Papstes ausgedrückt: die Meinung der Kritiker seien „belangloses Geschwätz“ (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,686067,00.html) zum Thema, von dem sich die katholische Kirche nicht beeinflussen lässt.
Auf der Internetseite „Das Erste“ stellt der Sender die Frage:
“Wie bewerten Sie das Verhalten Benedikts XVI. zu den Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Geistliche?“
Nun, die Zahlen dieser Umfrage sprechen eine deutliche und klare Sprache.
So gaben mehr als ein Drittel der Befragten an, dass ihnen der Papst egal ist, nicht aber das Schicksal der missbrauchten Opfer. Weitere 42 % benennen das Verhalten des Kirchenoberhauptes als Wegducken und sehen gläubige Katholiken enttäuscht. Nicht einmal 22 % bezeichnet sein Verhalten als angemessen und sieht sogar Durchsetzungskraft. Knappe drei Prozent haben entweder gar keine Meinung zum aktuellen Skandalthema oder eine völlig andere. (Stand der Zahlen vom 13.04.2010 15.30 Uhr. Klicken Sie rein und stimmen Sie mit ab!)
Unterm Strich heißt dies nichts anderes, als dass fast 80 % der Befragten nicht einverstanden sind, mit der Art und Weise, wie die katholische Kirche mit dem Thema Missbrauch umgeht.
Schaue ich mir dann Sendungen wie die Talkshow von Anne Will am 11. April an, dann wird deutlich, was die Menschen verärgert, enttäuscht und was sie bewegt, sich von der Kirche abzuwenden. Ein leidenschaftliches Plädoyer von Bischof Franz-Josef Overbeck, machte drastisch klar, dass das Denken und die Regeln der katholischen Kirche noch im tiefsten Mittelalter stecken. So bezeichnete er Homosexualität als Sünde und das in einer Zeit, in der es im realen Leben längst kein Thema mehr ist, wenn Männer Männer heiraten und Frauen mit Frauen Familien gründen. Unnatürlich sei das, und wider Gottes Willen. Gott habe die Menschen so erschaffen, dass sie als Mann und Frau eine Familie gründen. Punkt. Aus. Basta.

Vor solchen altbackenen Aussagen stehe ich staunend und kalte Schauer gehen mir über den Rücken. Ausgerechnet ein Bischof, der sich dieser Planung Gottes widersetzt, will über das Leben anderer entscheiden, will anderen Menschen diktieren, wie und mit wem sie glücklich zu werden haben und natürlich auch, wie lange man als Mann und Frau glücklich zu sein hat.
Eine Kirche, die Sexualität schlechthin als Sünde bezeichnet, so sie denn nicht der Zeugung von Kindern dient, die ihrer eigenen Sexualität mit kalten Duschen und Gebeten begegnet, die trotzt Überbevölkerung sämtlichen Verhütungsmethoden ablehnend gegenübersteht, aus deren Reihen übelster Missbrauch geradezu herausschwappt … ausgerechnet von dort kommt ein Angriff auf erwachsene Menschen, die sich freiwillig zu ihrer Homosexualität bekennen und ein Leben in gegenseitigem Respekt führen. Was für ein jämmerlicher Versuch von Herrn Overbeck, vom eigentlichen Skandal abzulenken, auf ein Thema, das längst keines mehr ist.
Es gäbe eine Menge zu sagen zu dieser spannenden Diskussion, die ich allen, die sie nicht verfolgt haben, wärmstens ans Herz legen kann. Nehmen Sie sich die Zeit und lassen Sie uns teilhaben, wie Sie sie erleben und welche Gedanken Sie zum Thema haben.
Tigerauge
Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:
Kindesmissbrauch
Missbrauch

Sehr gut, :thumbs1: man kann nicht oft genug auf die manipulativen Praktiken von Glaubensgemeinschafen aufmerksam machen. Jede Form von Ausgrenzung, Unterdrückung und Missbrauch ist einfach nur unchristlich. Das, was in den letzten Wochen – nicht nur in Lingen – ans Licht gekommen ist, ist höchstwahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs und gehört gnadenlos aufgedeckt und zur Verantwortung gezogen.