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Montagskrankheit




Überall wo es geregelte Arbeitszeiten gibt, taucht das Phänomen einer seltsamen Krankheit auf: die Montagskrankheit. Sie ist keine Erfindung und keine Willkür, sie ist eine durch viele Studien belegte Tatsache. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Arbeitnehmer frisch und ausgeruht wieder in den Arbeitsalltag einsteigen sollen, flattern vielen Arbeitgebern 30 % Krankmeldungen mehr auf den Schreibtisch als an anderen Arbeitstagen.

Gemeinhin wird die Montagskrankheit als Faulheit und Lustlosigkeit eingestuft. Arbeitnehmer, die öfter darunter leiden, haben schnell ihren Ruf als Schwänzer weg und sind auch bei ihren Kollegen nicht besonders hoch angesehen, da diese oftmals deren Arbeit zum Teil mit erledigen müssen. Und das, obwohl durch weitere Studien nachgewiesen werden konnte, dass von den Menschen, die am Montag am Arbeitsplatz erscheinen, viele enorme Startprobleme haben, und die Motivation zur Leistung den tiefsten Punkt der Woche erreicht. Erst gegen Mittag, wird es langsam besser, man findet sich in die Arbeitswoche ein, der Feierabend steht bevor und am Nachmittag erst, erreichen viele ihr normales Leistungspensum.

Und das alles, obwohl man doch zwei freie Tage hatte, ohne Zeitdruck, ohne Leistungsdruck. Zwei Tage, die jeder so gestalten kann, wie es ihm gefällt. Man kann seinen Hobbys nachgehen oder faulenzen, Freunde treffen oder einfach einen Kurztrip zur Verwandtschaft unternehmen, um einmal aus seinem gewohnten Trott herauszukommen. Und genau an diesem Punkt, dass man den gewohnten Trott unterbricht und radikale Änderungen im Tagesablauf vornimmt, beginnt die Anlage der Montagskrankheit.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Dennoch kann er seine Gewohnheiten ändern. Und davon geht der Körper aus, wenn er am Samstag und Sonntag nicht zur gewohnten Zeit aus den Federn kommt, sein Frühstück nicht zur gewohnten Zeit bekommt, nicht die Leistung erbringen muss, wie an jedem anderen Tag. Oftmals wird ihm zusätzlich abverlangt, mit weniger Nachtschlaf auszukommen, mehr Alkohol verkraften zu verkraften, mehr Nahrung zu verarbeiten. Und das alles, ohne Vorbereitung. Jede Änderung im Lebensrhythmus erfordert eine Umstellung des Stoffwechsels und des Schlaf-, Wachrhythmus. Darauf reagiert der Körper empfindlich, auch wenn dies nicht sofort spürbar ist, sondern erst nach 36 bis 48 Stunden. Wer jeden Abend um 23 Uhr schlafen geht, weil er um 6 Uhr aufsteht, und am Wochenende diese Zeiten um drei bis vier Stunden verschiebt, der hat am Montag ein Problem. Denn der Körper hat begonnen, sich dem neuen Lebensrhythmus anzupassen. Und mitten in diesem Prozess wird er ausgebremst, weil wieder Montag ist und er zu seinem gewohnten Verhalten übergehen soll. Das frisst Energie und das ist der Zustand, der zur Montagskrankheit führt. Je jünger ein Mensch ist, desto leichter wird der Körper damit fertig. Aber schon ab dem dreißigsten Lebensjahr ist ein Organismus nicht mehr so flexibel. Und je nach Gesamtkonstitution schleppt der eine sich trotzdem ausgelaugt zur Arbeit, während einer anderer erschöpft im Bett liegen bleibt.

Nun will natürlich niemand auf sein wohlverdientes Wochenende verzichten, wenn er die ganze Woche fleißig seine Arbeit getan hat. Das muss ja nicht sein. Aber man sollte doch ein Auge darauf haben, wie man sein Wochenende gestaltet. Ausufernde Feten von Freitagabend bis Sonntagmorgen haben mit Sicherheit keinen Erholungseffekt. Ebenso wenig wie stundenlange Autofahrten, um auf der anderen Seite der Republik Oma oder Tante zum Kaffee zu besuchen. Nach Möglichkeit sollte man versuchen, seine Schlaf- und Wachzeiten beizubehalten und wenn überhaupt, nur geringfügig zu ändern. Wer sonst keinen Sport treibt, sollte nicht am Wochenende die Eiger-Nordwand besteigen. Eine gemütliche Wanderung wird mehr Gesundheit und Erholung bescheren. Um einen wirklichen Gewinn aus den freien Wochentagen davonzutragen, tut man gut daran, genau zu prüfen, was man mit dieser wertvollen Zeit anfangen will und ein Programm auszuarbeiten, das sowohl Aktivität als auch Entspannung im gewohnten Tagesrhythmus verspricht. Dann kann auch der Montag ein Arbeitstag sein, der wieder Freude macht.

Tigerauge



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4 Antworten zu “Montagskrankheit”

  1. Viola sagt:

    Ja, ja, die Montagskrankheit :lachtot: . Ich kenne sie nur zu gut. Ich bin zwar nicht wirklich krank aber lustlos allemal. Ich denke aber, dass das sehr sehr vielen Menschen so geht. Der Montag ist nun mal der Wochenbeginn und damit verbunden sind Ängste, Stress, Sorgen und vieles mehr. Solange es sich aber in Grenzen hält, kann man damit gut leben.

  2. Koschi sagt:

    Also die Eiger-Nordwand habe ich noch nicht bestiegen :zwinker: aber ich würde auch jedenfall gerne endlich wieder damit anfangen mehr Sport zu machen. Dass der Menschein Gewohnheitstier ist, kann ich unterstreichen. Ich brauche meine Tagesabläufe und wenn die erstmal durcheinander kommen, dann bin ich es auch.

  3. Jens sagt:

    Oh ja, montags ist es ganz schlimm mit der Arbeitsmoral :xd: Ich kenne das nur allzu gut. Am liebsten würde man schon gar nicht erst aufstehen und den ganzen Tag im Bett verbringen. Aber was nützt es, man muss aufstehen, ob man will oder nicht, oder nicht? :smile:

  4. Ernst sagt:

    naja. so pauschal kann man das nicht sagen, denn was ist mit den ganzen hobbyfussballern, die sich am WE verletzen und dann am Mo zum Arzt gehen. Und sowieso ist doch die Wahrscheinlichkeit am WE einen Unfall zu haben eher groß. Also das gibt es, aber nicht so… nicht alles ist Absicht.

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Alfred Kues / Tigerauge 2008 Lingen/Brögbern im Emsland