Nichts auf der Welt spaltet die Menschheit so sehr wie Religion. Selbst kleine Annäherungen auf der menschlichen Ebene scheinen schwer möglich zu sein, wenn es um wirklich drängende Probleme geht wie die Frage, ob Maria nun leiblich in den Himmel aufgefahren sei oder nicht.
Deutschland erlebte in den letzten Tagen einen Papst, der mühsam die Last alter Dogmen vor sich herträgt. Fast möchte man ihn an Jesaja 45/20 erinnern: »Keine Erkenntnis haben, die sich abschleppen mit den Klötzen ihrer Götzen und zu einem Gott flehen, der nicht helfen kann.« Was ist ein starres Dogma auch anderes, als ein Klotz am Bein der Menschheit?
Den Bestrebungen der Ökumene hat Benedikt XVI. wieder mal eine schallende Ohrfeige erteilt. Und so wird auch weiterhin eine gemeinsame Religionsausübung für gemischt-konfessionelle Ehepaare im katholischen Rahmen nicht möglich sein. Was für ein Anachronismus, 500 Jahre nach der Kirchenspaltung.
Als freier Mensch könnte man jetzt sagen: Gut so! Nichts ist schlimmer, als eine Einheitskirche, deren Einfluss auf Politik und Gesellschaft noch größer wäre, als der der sich gegenseitig bekämpfenden religiösen Machtblöcke. Doch das wäre zu kurz gedacht, denn: Wenn aufgrund völlig erstarrter Strukturen eine Verständigung schon zwischen christlichen Gruppierungen unmöglich ist, wie steht es dann künftig mit dem interreligiösen Dialog? Wie sollen Islam, Judentum, Hindus, Buddhisten und alle sonstigen Religionen jemals in einer immer enger zusammenrückenden Welt miteinander auskommen? Wer an der Trennung der Menschheit in solcher Form mitarbeitet, wie der Papst dies tut, der macht sich damit schuldig.
Der Nahe Osten – Wohin Dogmen führen
Was die Buchreligionen der Menschheit angetan haben, sehen wir am Beispiel des Nahen Ostens klar vor uns. Dort tobt ein scheinbar unlösbarer Konflikt, der aus lächerlichen Dogmen heraus entstanden ist. Die dort Lebenden haben über all den Streitereien ihr Menschsein vergessen und kämpfen nun als »Moslems«, »Juden« und »Christen« gegeneinander. Alles Etiketten, die sie sich von ihren Vordenkern haben aufkleben lassen und die nun an ihnen haften wie Dreck. Wenn sie diese Irrtümer nur abstreifen und ihre »Traditionen« zur Seite schieben könnten. Dann kämen darunter die Menschen zum Vorschein, die sich überall in der Welt sehr viel ähnlicher sind, als religiöse Führer in ihrem Wahn das jemals zugeben würden.

Der Papst ist wieder weg – Was bleibt?
Eine kleine Meldung in irgendeinem Fernsehsender ist mir im Kopf hängen geblieben. Dort hieß es sinngemäß, der Papst habe sich auch »mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Missbrauchsopfer getroffen.« Wer mag sie für ihn ausgewählt haben? Und ich frage mich auch, ob die Betreffenden, wenn der Papsthype abgeklungen ist, sich vielleicht sogar ein weiteres Mal missbraucht fühlen werden? Missbraucht als Werkzeug zur Reinwaschung einer unmenschlichen Organisation?
Während sich der Papst in seinen weitläufigen vatikanischen Gärten nun wieder mit der Frage beschäftigen kann, wie der Einfluss des Heiligen Augustinus auf die Kirchengeschichte abschließend zu bewerten sei, wird es weiterhin zu Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen kommen. Werden katholische Frauen sich weiterhin massiv abgewertet fühlen, weil sie zwar putzen, aber nicht predigen dürfen. Werden weiterhin geschäftsträchtige Gewissenskonflikte auf den Themenfeldern Scheidung, Verhütung oder Abtreibung ausgesät werden. Eine durchaus magere Bilanz.
Tigerauge
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