Erinnern Sie sich noch an Paul Kirchhof? Zwischen 1987 und 1999 als Verfassungsrichter tätig, ist er heute unter anderem Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht an der Universität in Heidelberg. Tragische Bekanntheit erlangte er als Mitglied des Kompetenzteams von Angela Merkel im Wahlkampf 2005. Eigentlich für den Posten des Finanzministers vorgesehen, wurde er von Gerhard Schröder derart unfair ins Abseits geschossen, dass Merkel ihn umgehend fallen ließ, um den zum Greifen nahen Wahlerfolg nicht zu gefährden. »Der Professor da aus Heidelberg«, hatte Schröder Kirchhof abqualifiziert und damit dem Wahlkampf der Konkurrenz einen empfindlichen Hieb versetzt.
Empfindlich geschädigt wurden allerdings auch die Bürger, die seitdem weitere Jahre mit dem undurchdringlichen Steuerdschungel zu kämpfen haben, den Paul Kirchhof eigentlich radikal hatte vereinfachen wollen. Hand aufs Herz: Wer blickt schon wirklich durch, wenn er die Steuererklärung ausfüllt? Es bleibt immer das ungute Gefühl zurück, sich mangels Kenntnis der Feinheiten selbst Nachteile zu verschaffen.
Jetzt ist Paul Kirchhof wieder da und wirbt für sein damals abgeschmettertes Steuermodell: 25 % Steuern für alle, abgefedert durch hohe Freibeträge (10.000 € für Erwachsene / 8.000 € für Kinder), die das Existenzminimum sichern. Im Gegenzug entfielen sämtliche Abschreibungsmöglichkeiten. Eine schwere bürokratische Last würde von unserem Land abfallen.
Leider scheint auch jetzt niemand dem Fachmann wirklich zuzuhören. Finanzminister Schäuble erklärte umgehend, Kirchhofs Vorschläge zu prüfen, sie aber keinesfalls umsetzen zu wollen. Unser Steuersystem, so Schäuble, bilde eben die komplexe Lebenswirklichkeit ab und könne deshalb nicht so einfach sein.

Wie lange noch?
Wie lange werden Spitzenpolitiker noch solchen Blödsinn reden können, ohne dass es im Volk rumort? Schon längst sind wir von einer Demokratie zur Bürokratur verkommen, vor der viele Bürger langsam und leise die Waffen strecken und in die innere Emigration gehen. Kirchhofs Steuerreform würde ihnen wieder Luft zum Atmen verschaffen.
Ist Ihnen übrigens schon einmal aufgefallen, wie oft deutsche Publikumslieblinge aus Film und Fernsehen in die Insolvenz gehen? Satte Summen verdient und am Ende ein Sack voller Schulden. Weil die alle verschwendungssüchtig sind? – Nein. Weil sie in ihren guten Jahren ein Finanzpolster aufbauen müssen (für die weniger guten Jahre), statt den Spitzensteuersatz an den Staat abzuführen. Also investieren sie in Steuersparmodelle, oft in windige Immobiliengeschäfte, von denen sie nicht die Bohne verstehen und fallen auf den Bauch. Solche Schicksale wären mit einem Steuersystem wie dem von Kirchhof vollkommen unnötig. Aber das werden unsere Politiker mit ihren Luxusdiäten und lebenslang garantierten Spitzenpensionen wohl kaum raffen. Wir bräuchten dringend eine Revolution. Nur haben wir dafür keine Zeit, denn wir müssen stattdessen die Steuerformulare ausfüllen …
Tigerauge
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Hallo und schönen Tag auch,
ich unterstütze das Steuermodel von Hr. Kirchhof. In welche Liste darf ich mich eintragen um das schnellstmöglich voranzubringen?
Mfg
Klaus Rattenbacher