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Perfektionisten



Es gibt immer noch einen der besser ist als Du

Gehören Sie auch zu den Menschen, für die hundert Prozent das Minimum ist? Die bei allem was sie tun – oder tun müssen – ein High-End-Ergebnis brauchen? Für die Perfektionismus das Einzige Ergebnis ist, das zählt? Und die vor allen Dingen, dabei immer das Gefühl haben, das angestrebte Ziel nicht erreicht zu haben, obwohl ihnen von allen Seiten gesagt wird, dass etwas kaum besser gemacht sein könnte?

Dann setzen Sie sich jetzt einfach einmal gemütlich hin und lassen Sie Fünfe gerade sein. Können Sie nicht? Dann befinden Sie sich eventuell in einem Anspruchsdenken, das früher oder später ihrer Gesundheit schaden wird. Selbst dann, wenn Sie jetzt sagen, dass Sie die perfekte Ernährung und Lebensweise ebenso anstreben.

Menschen sind keine Maschinen, die man auf Perfektionismus programmieren kann. Sie sind lebendige Wesen und eines der Merkmale des Lebendigen ist das Unperfekte. Das, was das immer Gleiche und statische des Materiellen vom Lebendigen unterscheidet, ist vor allem die Fähigkeit ein und die selbe Sache auf viele unterschiedliche Weisen zu tun. Welche Weise am Ende perfekt ist, dafür gibt es nicht wirklich eine Norm. Für den einen ist ein urwüchsig verwilderter Garten mit vielen verschiedenen Gewächsen perfekt, weil er und andere Lebewesen sich darin wohlfühlen. Für den anderen muss es ein englischer Rasen sein, umsäumt von einzelnen exakt gleichmäßig gepflanzten Blumen, die unbedingt farblich einheitlich sein müssen. Perfekt ist relativ und wird individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Je nach Anspruch erscheinen den Menschen Dinge mehr oder weniger perfekt.

Wer dem Perfektionismus auf allen Ebenen hinterher jagt, verlangt von sich  selbst Unmögliches. Er wird nie ganz zufrieden sein mit seiner Leistung und niemals das befriedigende Gefühl, etwas Tolles geleistet zu haben, ganz genießen können. Vor allem ist der Hang zum Perfektionismus mit dem Fluch belegt, niemals mit einer Sache wirklich zu Ende zu kommen. Denn alles ist immer noch irgendwie zu verbessern. Und das ist der Punkt, der unter Umständen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen führen kann.
Oft steht hinter dem Perfektionszwang eine Persönlichkeit, die lebenslang vergeblich auf Anerkennung gehofft hat. Da verliert sich leicht der reale Blick auf die tatsächlichen Leistungen.

Nicht sein Ziel zu erreichen, fühlt sich für keinen Menschen besonders gut an. Für einen Perfektionisten aber kann ein nicht erreichtes Ziel, die reinste Katastrophe sein. Niederlagen kann er sich selbst nicht verzeihen, kleine Mängel werden höher bewertet, als alle bis dahin guten Leistungen. Wer sich ausschließlich über Leistung definiert, die er vermeintlich besser zu erfüllen hat, als jeder andere, wird regelmäßig vor einem kräftezehrenden Dilemma stehen. Das kann im Extremfall soweit führen, dass der Perfektionist in eine tiefe seelische Krise fällt, die ihn am Ende genau dort hinführt, wo er niemals hin wollte. In das absolute Chaos. Wer alles abwertet und sich niemals zufrieden gibt, wird eines Tages mutlos. Mutlosigkeit zieht Antriebsschwäche nach sich. Das Ergebnis sind weitere Niederlagen. Die Spirale dreht sich unaufhaltsam in die entgegengesetzte Richtung. Das Ergebnis sind oft Schlafstörungen, Depressionen oder Zwangshandlungen. Meistens bemerken betroffene Menschen selber nicht, dass sie völlig überzogene Ansprüche hinterher jagen.

Sollte es Ihnen öfter passieren, dass gute Freunde Sie darauf hinweisen, dass sie Ihren Perfektionismus für übertrieben halten, dann erlauben sie sich ruhig einmal einen intensiveren Blick auf das eigene Verhalten. Etwas Nachsicht mit sich selbst ist da angebracht. Das Ansehen eines Menschen sinkt nicht dadurch, dass er hin und wieder Fehler macht. Im Gegenteil: Fehler sind die kleinen Ereignisse, die einen Menschen menschlich und liebenswert machen.

Tigerauge

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3 Kommentare

  1. Ich bin in mancher Hinsicht vielleicht schon eine kleine Perfektionistin. Aber da sich meine Mitmenschen noch nicht darüber beklagt haben, gehe ich davon aus, dass es nicht so schlimm oder übertrieben ist. Ich bin hauptsächlich im Beruf Perfektionistin und das kann doch gar nicht schlecht sein, oder? Ist jedenfalls meine Meinung :thumbs1:

  2. Naja, es kommt ganz darauf an, wie man damit umgeht. Wenn man gerne perfekt ist und man damit klar kommt, dann sehe ich da keine Probleme. Wenn man aber (wie ich früher) ständig das Gefühl hat perfekt sein zu müssen und einen das eigentlich stört, dann sollte man schleunigst was dagegen tun.

  3. Also, nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, stelle ich fest, dass ich kein Perfektionist bin. Ich würde sagen, ich bin der perfekte Nicht-Perfektionist :xd: Wenn ich mal ein Ziel, das ich mir gesetzt habe, nicht erreiche, dann ist das nicht so schlimm. Ich stecke mir dann einfach ein neues Ziel und denke nicht länger über das Nicht-Erreichen nach.

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