Abiturzwang in Pflegeberufen?
Die EU hat uns ja schon manches eingebrockt. Was sie jetzt wieder ausgeheckt hat, dürfte eine drastische Verschärfung des Mangels an Pflegekräften zur Folge haben, sollten sich die Pläne durchsetzen lassen: Zwölf Jahre Zwangsbeschulung sollen künftig Voraussetzung sein, um einen Pflegeberuf ergreifen zu dürfen. Das heißt für Deutschland faktisch: Nur noch Abiturienten dürften Altenpfleger oder Krankenschwester werden, denn es ist nicht anzunehmen, dass dreimaliges Sitzenbleiben an der Hauptschule als ausreichend anerkannt werden würde. Begründet wird dieser Vorstoß der EU mit den »gestiegenen Anforderungen« in Pflegeberufen.
Zuerst einmal wäre zu fragen, wie das Große Latinum dabei helfen könnte, einen Pflegeberuf erfolgreich zu meistern. Sollen Altenpfleger künftig dazu verdonnert werden, alten Menschen die Reden Ciceros vorzutragen, während sie die Betten frisch beziehen? Müssen Krankenschwestern in der Lage sein, die Relativitätstheorie zu erklären, damit sie den Urinbeutel auch fachgerecht wechseln können?
Berufsverband der Pflegeberufe unterstützt die Pläne
Zustimmung für diese neuen Zumutungen erhält die EU vom Bundesverband der Pflegeberufe, der sich davon eine grundsätzliche Aufwertung der Pflegearbeit verspricht. Eine sehr merkwürdige Art, darzustellen, dass Pflegekräfte in Deutschland je nach Region teilweise krass unterbezahlt sind. So gibt es laut der Internetseite gehalt-tipps.de tatsächlich Orte, in denen eine Altenpflegekraft mit einem Bruttogehalt von unter 1000 € pro Monat auskommen muss. Obwohl dies krasse Fälle sind und das Durchschnittsgehalt höher liegt, gehört Altenpflege zu den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten überhaupt. Dies mag wohl daran liegen, dass Altenpflege eine für die Gesellschaft unverzichtbare Leistung und noch dazu Schwerstarbeit ist. Kommt noch hinzu, dass die Organisation von Pflegediensten oft immer noch in der Hand karitativer Einrichtungen wie dem Roten Kreuz oder der Caritas liegt, bei denen Ausbeutung unter dem Deckmantel der Nächstenliebe von jeher groß geschrieben wird.

Das Zwangsabitur für Pflegekräfte wird an der Unterbewertung ihrer Leistungen nichts ändern. Es wird den Mangel an Pflegekräften massiv verschärfen, da Menschen mit bestandenem Abitur natürlich andere Gehaltschancen im Auge haben, wenn sie nach einem Beruf Ausschau halten. Abitur als Zugangsvoraussetzung zu Pflegeberufen stellt eine massive Diskriminierung von praktisch begabten Menschen dar, deren Talente gerade in Pflegeberufen dringend gebraucht werden. Es ist ein weiterer Schritt zur Spaltung der Gesellschaft in wertvolle Menschen (mit Abitur) und Abschaum (der Rest). Diesem akademischen Rassismus sollte ebenso entschlossen entgegengetreten werden, wie dies bei anderen Formen der Diskriminierung längst der Fall ist.
Jeder, der heute das Abitur für Altenpfleger fordert, sollte sich lieber fragen, ob er im hohen Alter lieber unversorgt bleiben möchte, denn genau das wird die Folge dieses Wahnsinns sein. Ob Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in der Lage sein werden, diese kranke Regelung zu stoppen, steht bislang in den Sternen. Wieder ein Grund mehr, uns zu fragen, ob es klug war, derart viele nationale Kompetenzen an die EU-Bürokratie abzutreten …
Tigerauge
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Ich arbeite in der häuslichen Alten- und Krankenpflege. Habe den berühmten 200Std. Basos-Kurs gemacht. Seit über vier Jahren arbeite ich in diesen Beruf. Habe vorher als Schriftsetzer in einer großen berliner Druckerei gearbeitet.
Fazit: Übellaunige PDL, übellaunige Patienten und überllaunige Familie, weil ich keine Zeit mehr für sie habe.
Manchmal mehr als 200 Std. monatlich ohne nennenswerte Zuschläge für Wochende und Feiertage. 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr keine Seltenheit. Bei 8,50€ Stundenlohn bleibt einem ja gar nichts anderes übrig als Überstunden zu malochen.
Kreuz- und Knieschmerzen, physische Belastung (bis zu Heulkrämpfen) und die die ständige Müdigkeit, sinf die Ursachen warum viele Menschen mach kurzer Zeit, diesen
Beruf nicht mehr ausübenwollen. Die anderen kuschen und werden wohl mit 67 Jahren
gleich zum Pflefall – wenn nicht, auch schon früher.
Bitte nicht falsch verstehen, ich arbeite gerne mit alten und kranken Menschen, auch wenn die Pflege teilweise sehr schmutzig ist (IKM) oder sie sind stur und unfreundlich.
Aber auch Dankbarkeit und Anerkennung von Seiten der Pflegenden, gibt einem ein
gutes Gefühl den richten Beruf ergriffen zu haben.
DENNOCH: So Kann und darf es nicht weitergehen. Wir müssen uns organisieren um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne einzufordern. Wenn nicht durch Großdemonstrationen, dann durch Streiks.
Vielleicht liest dies ja auch ein Vertreter von Verdi und kann uns Hilfe anbieten.
Ruhigen Dienst euch allen