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Schlafprobleme, nicht nur in Lingen.


Na? Gut geschlafen?

Sicher ist das die am Häufigsten gestellte Frage in der Frühe in Lingen. Oft müssen viele Menschen mit einer ähnlichen Aussage wie: „Nein, ich habe stundenlang wachgelegen.“ oder „Hör bloß auf, ich bin wie gerädert – gestern Abend war ich fitter als jetzt!“, antworten.
Da fragt man sich „Woran liegt es denn nur?“ Längst hat man die vielen Ratschläge befolgt: Ein fester Tagesablauf, ein nettes Schlafritual, nach Möglichkeit keinen Streit und Ärger mit ins Bett nehmen, eine heiße Milch oder ein Becher mit Johanniskrauttee getrunken. Aber alles vergeblich.
Zigtausende klagen allein in Deutschland unter Schlafproblemen. Und die nehmen mit fortschreitendem Alter zu. Immer mehr klagen über schlechtes Einschlafen, Durchschlafstörungen oder zu frühes Erwachen. Viel zu schnell wird dann zu Pillen und Mittelchen gegriffen, die erholsamen Schlaf versprechen. Dabei ist es zum Beispiel für ältere Menschen ganz normal, weniger zu schlafen als jüngere. Das Schlafbedürfnis nimmt ab und richtet sich irgendwann nicht mehr danach, ob es nun Tag oder Nacht ist.


Mit den Jahren strengt der gewohnte Alltag den Körper immer mehr an. Man ist schneller erschöpft und der Körper ruft nach Ruhephasen zwischendurch, um die schwindenden Reserven wieder aufzutanken. Der Körper verteilt sein Ruhebedürfnis anders, als in jungen Jahren. Er muss zwischendurch öfter auftanken. Da genügen vielleicht eineinhalb Stunden. Man kann sich jetzt einreden, dass man Schlafstörungen hat. Man kann sich aber ebenso gut sagen, dass es an der Zeit ist, seinen Schlaf-Wach-Rhythmus neu zu organisieren.
Was spricht denn dagegen, wenn man morgens um drei aufsteht, ein Tässchen Tee macht und sich gemütlich aufs Sofa setzt um ein gutes Buch zu lesen? Wem schadet es, wenn man daraufhin, vielleicht gegen sieben Uhr, plötzlich hundemüde wird und einfach noch drei Stunden in den neuen Tag hineinschläft? Wer ohne Wecker schläft, wacht dann auf, wenn der Körper sich soweit erholt hat, dass er aus dem Tiefschlaf in die Leichtschlafphase wechselt. Und dann fängt der Tag eben um 10 Uhr an – ausgeschlafen – und fit für das, was man sich vorgenommen hat. Man kann nicht einfach ignorieren, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr alles tun kann, was man in jungen Jahren noch problemlos erledigt hat. Die biologische innere Uhr tickt zudem völlig anders, als zum Beispiel die Uhr der Arbeitswelt.
Praktisch umsetzen kann man das natürlich nur, wenn man nicht nach einem fremdbestimmten Zeitplan leben muss. Wer also das Glück hat und sich seinen Tag und seine Nacht selber einteilen kann, der wird körperlich und seelisch davon enorm profitieren, wenn er von dem „normalen“ erwarteten Schlafverhalten abrückt, und sich ganz auf die Signale seines Körpers verlässt.
Wer allerdings noch mitten im Arbeitsprozess steht, wird an Grenzen stoßen. Er kann vielleicht im Urlaub einmal ausprobieren, wie die innere Uhr tatsächlich tickt, indem er sich ganz auf sein Körpergefühl verlässt und sich hinlegt, wenn er Müdigkeit und Erschöpfung verspürt. Das kann bei dem einen schon gleich nach dem Frühstück sein, bei dem anderen nach dem Mittagessen. Wieder ein anderer legt sich um 18.00 Uhr hin und ist um 21.00 Uhr wieder munter.

Dazu kommt, dass jeder Mensch ein anderes Schlafbedürfnis hat. Der eine kommt mit fünf Stunden aus, der andere braucht acht. Wer diesen persönlichen Rhythmus ständig ignoriert, der könnte tatsächlich gesundheitliche Probleme bekommen. Es ist völlig unnatürlich, sich einem genormten Schlafzwang auf Dauer unterzuordnen. Das nützt nur denen etwas, die diese Normen eingeführt haben. Die schlimmsten Folgen haben diejenigen davonzutragen, die ihr Leben lang sich dem Schichtdienst angepasst haben. Denn wer alle zwei Wochen seinen kompletten Tages- und Nachablauf auf den Kopf stellt, kann nicht erwarten, dass sein Körper dies unbeschadet übersteht. Die meisten Schichtarbeiter reagieren deshalb auch schon in jungen Jahren mit körperlichen Beschwerden.

Tigerauge = Alfred Kues


1 Kommentar

  1. Hallo,
    gerade habe ich einen Bericht zum Thema Schlafstörungen gelesen. Angeblich sollen 40% der Kleinkinder schon Schlafstörungen haben. Ich weiß nicht, was man solchen Zahlen halten kann oder soll. Möglicherweise ist es tatsächlich so, dann ist sicher eine der Ursache die totale Reizüberflutung, mit der schon Kinder bombadiert werden.
    Andererseits frage ich mich, ob man wirklich eine Norm zu Grunde legen kann. Genau wie bei Erwachsenen ist doch auch bei Kindern, das Schlafbedürfnis ganz unterschiedlich. Sorgen muss man sich eigentlich erst machen, wenn das Kind tagsüber übermüdet und nervös ist. Vieles wird heute genormt – auch das Verhalten von Menschen. Wer dann aus der Statistik fällt, ist eben gestört. Das gefällt mir nicht.

    Schöne Grüße

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