Wann ist der Punkt erreicht, ab dem Geiz nicht mehr geil ist, sondern nur noch nervig und uncool? Die Drogeriemarktkette Schlecker, eine der großen Vorreiterrinnen des Prinzips billiger ist besser, steht vor der Insolvenz. Das Konzept vollgestopfter Mini-Läden mit unattraktivem Sortiment sollte auf Dauer nicht aufgehen.
Vorausgegangen war eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die 1967 mit der Eröffnung eines ersten Warenhauses in Ehingen begann. 1974 öffnete der erste Drogeriemarkt, dem über 14.000 weitere Schlecker-Märkte in ganz Europa folgen sollten, etwa 7.500 davon in Deutschland. Doch das Konzept der Selbstbedienung, das damals viele modern eingestellte Menschen von den plötzlich als altmodisch und miefig empfundenen Tante-Emma-Läden weglockte, sollte nicht lange unkopiert bleiben: Die Konkurrenz schlief nicht. Weitere Drogeriemarktketten entstanden und gingen zügig daran, Schlecker die errungenen Marktanteile abzujagen.
Ersticken an schwäbischer Sparsamkeit.
Schlecker blieb seinem minimalistischen Konzept auch dann noch treu, als Rossmann, dm oder Müller längst dazu übergegangen waren, auf großzügiger dimensionierte Läden und attraktive Warenpräsentation zu setzen. Der Marketing-Super-GAU für Schlecker jedoch war eine Reihe von skandalösen Vorgängen rund um die Mitarbeiterführung: Von Dumpinglöhnen war die Rede, von versteckten Kameras, von Angestellten, die während der Arbeitszeit nicht einmal eine Toilette aufsuchen durften. Zwar steuerte Schlecker gegen, indem er die in der Mutterfirma gezahlten Löhne öffentlichkeitswirksam auf über 12 € anhob. Gleichzeitig ging er jedoch dazu über, Mitarbeiter in eine von ihm zu diesem Zweck gegründete Zeitarbeitsfirma auszugliedern, zu 6,78 € pro Stunde.
Angesichts von 30.000 Angestellten alleine in Deutschland ein ruinöses Vorgehen, das dem Ansehen von Schlecker den Todesstoß versetzte. Da konnte die Insolvenz nur noch eine Frage der Zeit sein, denn auch Schleckers Kinder Meike und Lars, die dem Unternehmen ein neues, sympathisches Gesicht geben sollten, schafften die Trendwende nicht mehr. Symptomatisch für die unglückliche Außendarstellung auch der neuen Generation ist ein Vorgang vom letzten Herbst, als Schlecker seinen neuen Werbespruch »For you. Vor Ort« mit einem Hinweis auf das »niedrige Bildungsniveau« seiner Kunden verteidigte.

Wird Schlecker vom Markt verschwinden?
Trotz der Erklärung, sich mit einer geordneten Insolvenz neu aufstellen und die Firma Schlecker erhalten zu wollen, ist es zweifelhaft, ob dies auf Dauer gelingen wird. Zu tief sitzt das allgemeine Unbehagen gegenüber einer Marke, die sich durch Zweitklassigkeit und schwäbischen Geiz selbst verbrannt hat, zumal die geballte Charmeoffensive der Konkurrenz inzwischen Früchte trägt: Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, ist inzwischen ein gerne gesehener Talkshowgast, der Maßstäbe in Sachen Unternehmenskultur setzt und Wert auf flache Hierarchien, ein gutes Betriebsklima und hohe Mitarbeiterzufriedenheit legt. Da bleibt nur wenig Luft für die Art von schwäbischer Engstirnigkeit, mit der die Marke Schlecker heute allgemein in Verbindung gebracht wird…..
Tigerauge
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