Seit genau acht Monaten habe ich mich bei jeder neuen Horrormeldung über die Schweinegrippe gefragt, was ich noch glauben soll und was nicht. Was bedeutet eigentlich Patient „mit Vorerkrankungen“, welche Erkrankungen sind damit gemeint? Misstrauisch beobachtete ich täglich meine Tochter, wenn sie aus der Schule zurückkam und die erste Frage war seit Wochen: „Wer war krank und welche Krankheit hat der oder die Mitschüler/-in?“
Die Situation nahm langsam aber sicher paranoide Züge an, als endlich die ersten Artikel von Menschen, die selbst betroffen waren, im Internet erschienen. Natürlich saugte ich sie auf, in der Hoffnung, endlich handfeste Informationen zu bekommen. Doch Fehlanzeige. Denn genauso verwirrend und widersprüchlich, wie die seit Monaten kursierenden Medienmeldungen, waren auch die unterschiedlichen Berichte betroffener Menschen. Einige hatten nur leichte Erkältungssymptome, während andere wirklich übel gelitten haben. Keine Rede mehr von plötzlichem Beginn und dramatischem Verlauf bei dem einen, und „kaum bemerkt“ war die Aussage bei anderen Berichten. Wieder andere schleppten sich wochenlang mit Symptomen herum. Die Unsicherheit machte mich komplett verrückt. Bis letzten Montag.
Was ich solange gefürchtet hatte, brach am Montag über uns herein. Die Schule rief an, dass ich bitte meine Tochter abholen sollte, da sie über Kopfschmerzen klagte und das Fieberthermometer innerhalb kürzester Zeit auf 39° C geklettert war. In größter Sorge holte ich sie nach Hause und erwartete ein völlig entkräftetes Kind vorzufinden. Doch dem war nicht so. Zwar sah man ihr das Fieber an, aber sie konnte noch leicht allein ins Auto steigen und auch zu Hause, schien mir der Alarm nicht so dramatisch zu sein, wie er erst erschien. Sie bekam ein gemütliches Lager auf dem Sofa und gegen Abend war das Fieber auf 37° C. gesunken. Die Kopfschmerzen hatten nachgelassen, dafür hatten sich leichte Halsschmerzen eingestellt. „Doch keine Schweinegrippe“, dachte ich erleichtert. Sicher nur eine leichte Erkältung. Am nächsten Tag blieb die Temperatur kontinuierlich auf 37° C. Was mich wunderte, war, dass sie weder Husten noch Schnupfen bekam. Aber Kinder haben so etwas schon mal. Mittwoch morgen: Fieberfrei! 36,6° C. „Prima“ dachte ich, „dann war es wohl keine Schweinegrippe“, und steckte die Packung mit den Einweghandschuhen, die ich vorbeugend seit Montag trug, zurück in den Schrank.

Im Laufe des Mittwochs wurde meine Tochter lustlos, Arme und Beine schmerzten hier und da und die Halsschmerzen nahmen wieder zu. Gegen Abend bekam sie rote Wangen und glänzende Augen. Also doch noch einmal Fieber messen. Ich traute meinen Augen nicht, das Thermometer zeigte 38 C°. Freiwillig ging sie früh zu Bett und jetzt war klar, dass das keine einfache Erkältung mehr war. Sie schlief unruhig und wälzte sich, als ich gegen 22.00 Uhr noch einmal Fieber gemessen hatte, war das Thermometer wieder auf 39° C gestiegen.
Meine Hoffnung, dass der Spuk am nächsten Morgen vorbei sein würde, zerschlug sich.
39,4° C Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Der Arzt hat ihr Blut abgenommen und räumte die letzten Zweifel aus: „Ihre Tochter hat die Schweinegrippe. Sie bekommt etwas gegen die Schmerzen und gegen den Husten, mehr können wir nicht tun. Wenn es bis Montag, Dienstag nicht besser geworden ist, kommen Sie noch einmal her“, reichte mir lächelnd die Hand und eilte zum nächsten Grippefall.
So, das ist der Stand der Dinge bis heute Donnerstag. Das Fieber steigt und fällt stündlich, mal ist es auf 38° C dann wieder auf 39° C. Husten und Schnupfen sind inzwischen auch dazugekommen. Die Meldungen von schweren Verläufen reißen nicht ab und als Mutter steht man ziemlich einsam da. Eines weiß ich jetzt jedenfalls mit Sicherheit: die Schweinegrippe ist äußerst unberechenbar, und eindeutige Symptome von Anfang an, gibt es ganz offensichtlich nicht. Fakt ist: die Schweinegrippe ist in den Arztpraxen zu einer ganz normalen Grippe mutiert.
Tigerauge
Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:
Schweinegrippe im Internet angekommen
Schweinegrippe
Schweinegrippe die Zweite
Schweinegrippe und Impf-Flatrate

Das tut mir echt leid und ich hoffe, dass es ihr mittlerweile wieder gut geht! Ich habe mich auch nicht impfen lassen, da es sich bei der Schweinegrippe tatsächlich auch “nur” um eine Grippe handelt und ich mich dagegen grundsätzlich nicht impfen lasse.