Silvester
Dies und das zwischen alt und neu
Weihnachten ist schon wieder Vergangenheit, auch wenn in vielen Haushalten die Weihnachtsbäume noch stehen bleiben dürfen, bis nach Neujahr. Anderer Weihnachtsschmuck, in den Zimmern und an Fenstern, allerdings, muss schon mal weichen, denn schon schickt das nächste Fest seine Vorboten. Silvester ist nahe und da sehen die festlich geschmückten Räume schon neuen Dekorationen entgegen, die so ganz das Gegenteil von den leicht kitschigen und romantischen Zutaten der letzten Wochen sind.
Schon jetzt hört man draußen die ersten Knaller und Böller, die von den Ungeduldigen zu Testzwecken gezündet werden. Nicht immer vorschriftsmäßig und zum Schrecken vieler älterer Menschen und auch vieler Tiere.
Für viele Tiere ist die Silvesternacht eine einzige dramatische Katastrophe. Die Kanonenschläge und Raketen versetzen sie in Angst und Schrecken. Was für einige Menschen eine Riesengaudi ist, stürzt viele Tiere in regelrechte Todesängste. Unser Hund verbrachte in den letzten Jahren die kompletten Silvesternächte am ganzen Körper schlotternd unter einer Bettdecke. Er war mit keinem Mittel abzulenken oder zu beruhigen. Da bringt es auch nichts, wenn man selbst auf das ganze Geldverpulvern verzichtet, denn drum herum geht es munter weiter. Da zeigt sich das wahre Ausmaß deutscher Armut …
Aber gut, bleiben wir friedlich, das Jahr liegt in den letzten Zügen, da wird man stiller. So still vielleicht, wie es um die Schweinegrippe geworden ist, die auch unser Blog einige Male beschäftigt hat, und die sich nun doch, wie vermutet, als Riesen-PR-Gag der Pharmaindustrie entpuppt hat. Schade. Sollte jetzt wirklich ein Killervirus auftauchen, wird man die Warnungen wohl in den Wind schlagen. Auch um die katastrophalen Folgen der Bankenkrise ist es leider stiller geworden. Die Banker sind nach monatelangem eisernen Schweigen, aus ihren Verstecken gekrochen, um ihrer skrupellosen Gewinnsucht in alter Leidenschaft zu frönen. Immerhin wissen sie jetzt, dass das deutsche Volk für die Schulden aufkommen wird, und nicht sie. Ja, ja … geduldig sind wir Deutschen, das muss man uns lassen. Jedenfalls, wenns um ein paar Hundert Milliarden ihrer Steuergelder geht. Bei ministerialen Privatreisen ist das etwas anders. Fragen Sie mich nicht, weshalb den Ministern und Ministerinnen nicht mal ein Bruchteil von Steuergeldmissbrauch zugebilligt wird, während Banker die Gelder gleich säckeweise davonschaffen.
Aber wie gesagt, wir wollen friedlich bleiben. Es gibt weitaus Schlimmeres, als den Verlust einiger Milliarden Olle Piepen (ha, konnt ich mir jetzt nicht verkneifen). Zum Beispiel, wenn mutige beherzte Menschen ihr Leben riskieren, wenn Sie einen Streit zwischen Jugendlichen schlichten wollen. Und wenn Hunderte andere danebenstehen und zusehen, wie dieser couragierte Mensch zu Tode geprügelt wird. Auf der Beerdigung sind sie dann alle gern dabei mit betretenen Gesichtern und dem gestreckten Moralfinger.
Ist das wirklich alles auf unsere friedliche und geduldige Natur zurückzuführen? Ich fürchte, dass es etwas ganz anderes ist. Es könnte genau das Gegenteil von dem sein, an das uns das grad verklungene Weihnachtsfest erinnern sollte: Zivilcourage, Mut zur Gerechtigkeit, Mut sich zu wehren und Mut Schwächere zu schützen und das alles mit einer gehörigen Portion Menschenliebe - oder besser Weltliebe. Das ist wohl das, was unsere Welt am dringendsten braucht in diesen Zeiten. Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz für das neue Jahr: Sich selbst wieder einbringen in die Gesellschaft, sich eine Stimme zu verschaffen und einzutreten, für eine gerechtere Welt. In der die Armen nicht an Hunger und die Reichen nicht an Fettsucht sterben müssen. Und unsere Enkelkinder nicht an den Katastrophen scheitern, die wir ihnen bereitet haben.
Tigerauge
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Tags: Olle Piepen
