permalink

3

Sucht





Zufriedenheit und Glück kann man nicht kaufen



Wir leben in einer Zeit der Informationsüberflutung, in einer Zeit der Wertverschiebungen und -verluste. Wir leben in der Zeit der auslaufenden Wirtschaftswunder – jedenfalls was den Trend noch oben – betrifft, und damit wieder einmal in einer Zeit tief greifender gesellschaftlicher Umbrüche.

Naturgemäß bleiben bei derartigen Umbrüchen immer einige Menschen auf der Strecke. Das liegt nicht unbedingt in der Natur der Personen begründet, sondern darin, dass, wenn neue Prioritäten gesetzt werden, bisherige einfach weniger oder keinen Wert mehr haben und damit zu Perspektivlosigkeit führen können – aber nicht müssen.

Arbeitslosigkeit, Werteverlust, Vereinsamung, Sinnlosigkeitsgefühle durch Depressionen, sind nur einige Gründe, die dazu führen können, dass Menschen sich ihre Bestätigung auf anderen Ebenen suchen, die in eine Sucht führen können.

Beim Thema Sucht denken die meisten zuerst an Alkoholiker und Verbraucher harter Drogen wie Heroin oder Kokain. Doch Sucht kann viel mehr sein. Es gibt Süchte, die von der Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad toleriert werden. Die PC-, die Kaufsucht oder Spielsucht zum Beispiel. Es gibt keine Verbote für das Einkaufen und Spielen und viele Menschen unterschätzen diese Bereiche als möglichen Suchtfaktor, sodass sie fast unmerklich hineinrutschen. Selbst Sport kann zum Suchtfaktor mutieren, weil er bei ausreichendem Training Glücksgefühle hervorruft.

Auf der Suche nach dem Glück
Und das ist wohl der Hintergrund von Suchtverhalten. Betroffene erzeugen mit ihrem Verhalten ein Wohlgefühl, das ihnen im normalen Alltag verwehrt ist. Ganz gleich zunächst, aus welchen Gründen.

Menschen brauchen Aufgaben, die ihrem Leben einen Sinn geben und die ihnen zu Erfolgserlebnissen verhelfen. Der augenscheinlich einfachste Weg dorthin, ist der Weg sich Dinge zuzuführen, die diese Bestätigung vortäuschen. Durch Drogenkonsum zum Beispiel. Oder Gewinnspiele oder schöne Dinge, die man sich kaufen kann und die einem das Gefühl geben, sich selbst etwas wertvoller gemacht zu haben. Leider haben all diese Formen der Aufwertung des eigenen Ichs keine anhaltende Wirkung, sondern fordern immer neue und immer stärkere Reize, um das erwünschte Gefühl zu erreichen.

Wer keine Möglichkeiten hat, sich über Arbeit, Leistung oder Kreativität sein Selbstwertgefühl zu erhalten, ist gefährdet, sich in irgendeiner Sucht einzurichten, die ihn früher oder später genau dorthin führt, von wo er eigentlich fliehen wollte: In den körperlichen, seelischen und gesellschaftlichen Ruin.

Viele Abhängige wissen tief innen schon früh, dass sie von etwas abhängig sind, das ihnen Schaden zufügt. Doch gerade am Anfang will man diese Abhängigkeit nicht wahrnehmen. Abhängigkeit wird oft als Schwäche ausgelegt und die Hemmschwelle sich Hilfe zu holen ist hoch. Diese Hemmschwelle zu überwinden und damit „echte“ Stärke zu zeigen ist nicht einfach, wird aber einfacher, wenn man sich klar macht, dass genau diese Kraft nötig ist, um wieder zurückzufinden, in ein selbstbestimmtes, freies Leben. Um die Kraft und auch die Zeit sinnvoll einzusetzen, sich neu zu orientieren und Ordnung in das durch Suchtverhalten chaotisierte Leben zu bringen.

Suchtverhalten ist erlernt.
Erlerntes Verhalten ist aber umkehrbar und kein unabwendbares Schicksal. Jeder kann lernen, sein Verhalten umzutrainieren und neue Lebensperspektiven auszuprobieren.

Hilfe hierzu leistet zum Beispiel das Bundesmodellprojekt mit dem kuriosen Namen SKOLL. SKOLL steht für „Selbstkontrolltraining“ und hilft sowohl Betroffenen wie Angehörigen, bei der Überwindung von Suchtproblemen vielfältigster Art. In Lingen ist SKOLL über die Caritas und das Diakonische Werk, in der Bögenstraße 7 und der Bögenstraße 12 zu finden. Detaillierte Informationen zu dem umfangreichen Trainings- und Verhaltensprogramm finden Sie auch auf der Homepage von SKOLL.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Internetsucht

Jugendliche und Alkohol

Exzessiven Alkoholkonsum stoppen

Missbrauch von Alkohol

Auch in Lingen aktuell, Raucher



3 Kommentare

  1. Von der PC-Sucht bin ich zum Glück verschont. Manchmal denke ich jedoch, dass ich unter einer Kaufsucht leide. In letzter Zeit gehe ich fast täglich einkaufen und damit meine ich nicht nur Lebensmittel. Allerdings kann ich es mir auch erlauben. Das wäre ja anders wenn mein Konto ein Minus als Vorzeichen hätte. Gut, dass es für Menschen, die ernsthaft unter einem Suchtproblem leiden, entsprechende Anlaufstellen gibt!

  2. Nein, das stimmt wirklich. Glück und Zufriedenheit sind Dinge, die man sich wahrlich nirgendwo kaufen kann. Immer mehr Menschen sind unglücklick. Ich verstehe und sehe die Gründe hierfür jedoch nicht immer. Uns Deutschen geht es doch gar nicht so schlecht? Schaut doch mal zu unseren Nachbarstaaten und wie es denen so geht. Jede Art von Sucht ist schlecht und man sollte sich schnellstmöglich Hilfe suchen, damit man wieder ein geregeltes Leben führen kann.

  3. @Bianca

    Bei Frauen ist die PC-Sucht doch eher geringer wie bei Männern. Männer, vor allem Jungs, neigen doch eher zu Spielsucht. Damit meine ich nicht nur die Glücksspiele, sondern auch PC-Spiele.

    Das müsste man wohl psychologisch angehen :)

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
mehr...