permalink

1

Virtuell real Leben



Reale Spiele – Virtuelle Welten


Lego, Playmobil, Nintendo, Wii …
Das ist das Spielzeug, mit dem die Kinder heute aufwachsen. Erstere Beispiele gehören zu den Beschäftigungen, die die Fantasie und die motorischen Fähigkeiten trainieren können. Wobei schon Playmobil für meinen Geschmack viel zu viele vorgefertigte Teile anbietet. Lego gibt da wesentlich mehr Spielraum für eigene Kreationen kleiner Erfinder und Erbauer. Beides aber sind Spielzeuge zum Anfassen, verändern und zum Erschaffen eigener Ideen und Welten.

Was gibt dagegen das Spiel mit Nintendo oder Wii her? Sicher, auch virtuelle Spiele machen Spaß und fördern – wenn es gute, kindgerechte Spiele sind – das logische Denken und das Reaktionsvermögen. Außerdem bereiten sie die Kinder auf die virtuelle Welt des Berufslebens vor, die ebenfalls in vielen Branchen schon jetzt nur noch in virtuellen Welten stattfindet. Man denke dabei nur an “Second World”, wo jeder eine eigene Firma gründen kann, und sich genau wie im realen Leben, an einem virtuellen Ort, in einer virtuellen Stadt seiner Wahl, mit virtuellen Menschen, Vereinen, Konkurrenten und Kunden einen Namen machen kann. Was dort erwirtschaftet wird, landet regelmäßig auf dem realen Konto des Unternehmers, in der realen Welt. Sicher ist dieses System noch nicht ganz ausgereift und verbesserungswürdig, aber grundsätzlich funktioniert es schon heute und manch User betreibt sein Geschäft nur noch vom Schreibtisch aus. Optimierte Flexibilität in einer virtuellen Welt. Faszinierend.

Der Preis dafür ist allerdings hoch. Denn der bedeutet Stillstand in der realen Welt. Genau genommen gehört natürlich die virtuelle Welt zu unserer realen Welt dazu. Aber welchen Sinn macht es, wenn Kinder schon in diese Welt einsteigen, noch bevor sie Gelegenheit haben, das reale Leben mit all seinen Möglichkeiten kennenzulernen, mit allen Sinnen zu erfahren?

Müssen kleine Kinder wirklich schon Lerncomputer und Spielkonsolen haben, um sich später in der Erwachsenenwelt zurechtfinden zu können? Sind das die Reize, die ein junges Gehirn braucht, um sich ein realistisches Bild vom Leben und seinen Herausforderungen zu machen?
Ist es nicht viel wichtiger, dass Kinder zuerst lernen, dass ihre Hände unendlich viel mehr können, als Touchscreens zu berühren? Lehrer beklagen schon jetzt, dass vielen Schulanfängern die motorischen Fähigkeiten fehlen, die sie brauchen, um zum Beispiel zu schreiben. Die Konsequenz, die daraus gezogen wurde, war nicht etwa, nach der Ursache zu forschen und diese zu beseitigen, nein, es wurde eine einfachere Schreibweise der Buchstaben eingeführt, die sich den mangelnden Fähigkeiten der Kinder angepasst hat. Dadurch wurde der Mangel akzeptiert und gesellschaftsfähig.

Ich habe als Kind weder PC noch Computerspiele besessen. Dennoch komme ich heute bestens damit zurecht! Wir haben als Kinder nicht nur insgesamt weniger Spielzeug gehabt, sondern uns zudem unser Spielzeug aus dem, was uns die Umwelt anbot, einfach erfunden! Ein menügeführtes Spiel ist immer ein Spiel in engen Grenzen, die keine Überschreitungen zulassen, keine neuen Ideen, keine kreativeren Lösungswege, als die, die bereits vorgegeben sind. Das halte ich für äußerst bedenklich und gefährlich. Was macht eine derart aufgewachsene Gesellschaft, wenn sie vor realen Problemen steht, für die es noch keine computergesteuerte Lösung gibt, wenn sie darauf geprägt ist, Probleme mit Hilfe von Klicks aus der Welt zu schaffen?
Sollten wir nicht unseren Kinder die Chance geben, beides zu erlernen? Zunächst das Schöpfen aus eigenen Ideen und erst später die virtuellen Möglichkeiten als geniales Werkzeug zu nutzen?

Jetzt kommt der Herbst. Machen Sie doch einfach den PC einmal aus und gehen Sie mit Ihren Kindern in die Natur. Erinnern Sie sich noch, mit welcher Begeisterung Sie als Kind die kleinen Eichelmännchen und Kastanientiere gebastelt haben? Für ein paar Cent gibt es die Zahnstocher zu kaufen, mit denen Sie Ihrem Kind ein kreatives Wochenende mit Erfolgserlebnissen schenken können, die es viel mehr braucht, als den Aufstieg ins nächste virtuelle Leben.

Tigerauge

Entsprechende Artikel auf “Olle Piepen” zum Thema:

Mobbing im Internet

Internetsucht



1 Kommentar

  1. Das glaubt man kaum, aber wir wandern wieder zu unseren Vorfahren zurück. Viele Eltern haben einfach nur noch Angst, dass Ihre Kinder verblöden oder mit giftige Substanzen in Kontakt kommen, deswegen steigen immer mehr auf Natur Produkte wie Holz wieder zurück.

    Ich habe hier einen Interessanten Blog gefunden, der nur über Holz Spielzeuge berichtet:

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
http://www.ollepiepen.de/Blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
mehr...