Wetten, dass ..?- Schwerer Unfall bei laufender Sendung
Ein tragischer Unfall passierte am vergangenen Samstag während der 192. Live-Übertragung der beliebten ZDF-Samstagabendshow »Wetten, dass ..?«. Wettkandidat Samuel Koch hatte angekündigt, auf sogenannten Sprungstelzen der Länge nach und mit einem Salto über insgesamt fünf ihm entgegenfahrende Autos zu springen. Beim Überspringen des dritten Wagens passierte es: Koch streifte das Autodach, stürzte und verletzte sich schwer im Bereich der Halswirbelsäule. Auch jetzt, nachdem er einer Operation unterzogen und zwei Tage lang ins künstliche Koma versetzt wurde, ist noch ungewiss, ob und welche bleibenden Schäden der 23-jährige davontragen wird.
Wie dieser Unfall nun moralisch zu bewerten ist, darüber scheiden sich die Geister. Vom lakonischen »Selbst schuld!«, über »den Fernsehsendern ist nur die Quote wichtig!« bis hin zu »schuld sind die Sprungstelzen, da sie ein zu gefährliches Sportgerät sind!« ist jede Interpretation des Geschehens in den dazugehörigen Kommentaren zu lesen. Hier zu einer abschließenden Meinung zu kommen, stellt sich also gar nicht so einfach dar.
Wetten, dass ..?-Unfall: Wie viel Schuld trifft das ZDF?
Bedingt durch das zu erwartende Millionenpublikum besitzt die Möglichkeit eines Auftritts bei »Wetten, dass ..?« hohe Anziehungskraft gerade auf junge Menschen, die sich im Leben bewähren möchten. Der Wunsch, eine große Leistung zu erbringen, die noch kein anderer vorher vollbracht hat, ist dem Menschen angeboren. In einer Gesellschaft, die bereits in Überfülle lebt, ist er jedoch nur noch sehr schwer erfüllbar. Die Aussicht auf Anerkennung durch Millionen von Menschen scheint eine gewaltige Triebfeder zu sein, die dazu verleitet, über jede Grenze gehen zu wollen. Ein Auto genügt nicht. Nehmen wir lieber fünf. Ein einfacher Sprung ist zu wenig, warum nicht noch ein Salto dazu?
Klar ist: Jede Grenzüberschreitung beinhaltet die Gefahr des Scheiterns. Genau diese Gefahr nämlich ist es, durch die die Grenzüberschreitung attraktiv wird. Erstaunte »Ohs« und »Ahs« bedingen die erfolgreich bestandene Lebensgefahr, wie Zirkusartisten seit Jahrhunderten wissen.

Schreckliche Unfälle im Zusammenhang mit artistischen Darbietungen hat es schon oft gegeben. Dieser jedoch wühlt die Menschen auf, denn kaum je ein Unfall geschah vor den Augen so vieler Zeugen, die sich plötzlich im Spannungsfeld von heimlichem Voyeurismus und der eigenen Scham darüber wiederfinden und gierig nach Schuldigen suchen, um ihre Sensationslust als sachliches Interesse vor sich selbst zu rechtfertigen.
Meiner Meinung nach gibt es in diesem Fall keine wirklich Schuldigen. Das Fernsehen als der Zirkus der Moderne stellt die Arena zur Verfügung. Die Hersteller der Sprungstelzen kann man ebenfalls nicht zu Buhmännern machen, denn in der vorgesehenen, weniger artistischen, Weise benutzt, gelten sie als witziges, nicht besonders gefährliches Sportgerät, genau wie Rollschuhe oder Fahrräder auch. Und der junge Mann selbst? Ist er »selber schuld«, weil er seinem natürlichen Bedürfnis nach Anerkennung Rechnung getragen hat?
Will man nun um jeden Preis einen Schuldigen verurteilen, dann sind wir das wohl alle. Wir, die das Klima in unserer Gesellschaft zu verantworten haben, in der junge Menschen auf der Suche nach Anerkennung und Liebe sogar ihr Leben riskieren müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Tigerauge
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Ich habe die Sendung auch gesehen bzw. den Anfang davon, bis dann der schlimme Unfall passiert ist. Persönlich erschreckend finde ich immer die Fotografen, die sich ja fast schon um das beste Foto vom Verunglückten prügeln. Die Schuld kann man hierbei keinem geben, das ist auch meine Meinung!
Ich habe den Unfall selbst gar nicht mitbekommen, hatte nur vorher kurz eingeschalten und dann wieder auf einen anderen Sender gewechselt. Ich hoffe, dass der Kandidat wieder auf die Beine kommt. Ich finde auch nicht, dass man “Wetten, dass…” die Schuld dafür geben kann, schließlich hat der Kandidat gewusst, wie riskant diese Wette ist. Er hat dies ja auch nicht zum ersten mal dort gemacht. Schon bei der Probe gab es Probleme.
Also ich finde schon dass die Wetten immer gefährlicher werden. Höher, schneller, weiter ist das Motto. Dabei werden die Gefahren leicht übersehen und wenn dann mal etwas passiert, fragen sich alle: Hätte es wirklich soweit kommen müssen? Ich denke man hätte die Wette nicht erlauben dürfen. Der Schwierigkeitsgrad war hoch und dann auch noch mit fahrenden Autos … ich weiß nicht….