Wieder einmal hat ein legendärer Pop-Star viel zu früh das Zeitliche gesegnet: Die großartige Whitney Houston ist am 11. Februar 2012 mit nur 48 Jahren in einem Hotelzimmer in Beverly Hills gestorben, eine unvergleichliche Stimme ist für immer verstummt. Obwohl die konkrete Todesursache offiziell noch nicht bekannt gegeben wurde, lässt sich schon jetzt sagen, dass auch Whitney Houston sich in eine lange, tragische Liste von Mega-Stars einreiht, die uns in vergleichsweise jungen Jahren verlassen, ihr Körper gezeichnet von jahrzehntelangen Alkohol- und/oder Drogenexzessen. Ob Jimi Hendrix, Elvis Presley, Marilyn Monroe, Michael Jackson, Amy Winehouse und jetzt auch Whitney Houston – sie alle lebten ihr kurzes Leben in einem verzweifelten Kampf zwischen Erfolg und Absturz, Rausch und Entzug, Rebellentum und Leistungsdruck, meist verfolgt von nagenden Selbstzweifeln und dem Zwang, stets aufs Neue an alte Erfolge anschließen oder sie gar noch toppen zu müssen. Hinzu kommen die Schwierigkeiten ihrer eigenen psychischen Struktur: Die außergewöhnliche Emotionalität, die solche großen Künstler auszeichnet, ist zugleich die größte Gefahr, der sie sich ausgesetzt sehen.
Jung stirbt, wen die Götter lieben
Dieses Sprichwort wurde schon 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung vom römischen Dichter Plautus geprägt. Die Besten sterben jung, eine Auffassung, die auch heute gerne bemüht wird, wenn es gilt, eigene Exzesse scheinbar logisch zu erklären. Doch alle logischen Bemühungen scheitern, wenn man sich die Frage stellt, warum Menschen solchen Selbstmord auf Raten begehen. Und warum es sehr oft gerade außergewöhnliche Persönlichkeiten sind, die den Kampf gegen den Selbstzerstörungstrieb verlieren. Ist dies schon entsetzlich genug, so ist die Wirkung solcher Vorbilder auf junge Menschen geradezu fatal: Jugendliche brauchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Allzu oft finden sie sie genau in solchen Persönlichkeiten, die sich vor den Augen der Welt selbst zerstören und den Dauerexzess zum Kult erheben. Zu einem nachahmenswerten Style, denn er ist scheinbar verknüpft mit Erfolg, Geld und Freiheit. Ist die Absolution durch manche Mega-Stars, die es schließlich auch nicht anders machen, ein Mitgrund für den leichtfertigen Umgang vieler junger Menschen mit Alkohol und Drogen, sodass das Problem sich zigfach multipliziert?
Drogen und Rebellentum
Ein echter Rebell schert sich nicht um die »spießigen Vorgaben des Establishments« und tut, was er will. Dieser Grundsatz ist seit den Zeiten von Jimi Hendrix untrennbar mit Drogenkonsum verknüpft, denn cool ist, was verboten ist. Eine Art von Rebellion, die schnurstracks in den eigenen Untergang führt und nichts ist als die Flucht vor einer Wirklichkeit, die so unerträglich ist, dass sie dem Helden Angst macht, was der aber nicht zugeben darf, will er weiterhin als Held gelten. Ein fataler Fehlschluss, den wir jungen Menschen nicht deutlich genug vor Augen führen können. Wir müssen sie mit aller Kraft davor schützen, neben der Bewunderung für großartige künstlerische Leistungen auch eine heimliche Begeisterung für den Lebensstil drogensüchtiger Stars zu entwickeln. Das eine vom anderen zu trennen ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich: Erzählen wir ihnen die Geschichten von Jimi Hendrix, von Elvis und von Marilyn in all ihren Facetten. Zeigen wir ihnen nicht nur den Glamour, sondern auch den entsetzlichen Abgrund dahinter.
Tigerauge
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