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Winterfreude in Lingen


Vor dreißig Jahren wäre mir zu diesem Stichwort sofort eine herrlich stille Schneelandschaft oder glücklich schnaufende rotbackige Kinder, die auf ihren Schlitten den Hügel hinunterflitzen, eingefallen. Schneeballschlachten, phantasievoll geschmückte Schneemänner an allen Straßenecken – das kennen die Kids von heute auch in Lingen kaum mehr.

Mit Chance gibt es alle zwei Jahre mal eine Handvoll Schnee, der bestenfalls zwei, drei Tage schmuddelig und matschig in den Straßen liegenbleibt. Ich muss doch schmunzeln, wenn ich in den Nachrichten höre, dass es ein Schneechaos auf den Straßen gegeben hat. Die dazugehörigen Bilder zeigen dann gerade den Zustand an, der Ende der siebziger Jahre im März das Abtauen ausklingen ließ.

Ich kann mich noch an den letzten richtigen Winter 1979 erinnern. Als ich damals morgens meine Haustür öffnete, stand ich quasi vor eine Schneewand. Meterhoch war der Schnee gefallen, und wenn man das Haus verlassen wollte, musste man sich wie ein Maulwurf den Weg zum Bäcker freischaufeln. Damals ging wirklich gar nichts mehr. Bäume brachen unter den Schneelasten zusammen, der Verkehr kam komplett zum Erliegen, Schulen blieben geschlossen, Busse und Züge standen still. Wer einen Vorrat an Lebensmitteln besaß, konnte sich glücklich schätzen, denn der Zustand hielt einige Tage an.

Aussicht aus meinem Esszimmer in Lingen – Brögbern.

Aussicht aus meinem Esszimmer in Lingen – Brögbern am 22.11.2008.

Meine Jüngste war damals acht Jahre alt und versank begeistert in den Schneewehen, die sich an allen Ecken auftürmten. Und auch sie schwärmt noch heute von diesen Schneemassen. Für Kinder war das ein paradiesisches Wetter. Der Schlitten kam kaum zur Ruhe und die vielen Händchen, die an diesen Tagen schulfrei hatten, formten fleißig alle möglichen Figuren aus Schnee. So heftig war natürlich auch früher nicht jeder Winter, aber weiße Weihnachten gab es fast immer und der Schnee blieb lange bis in die ersten Monate des neuen Jahres liegen.

Obwohl diese Zeiten längst vorbei sind, sieht man alljährlich auf Weihnachtskarten, in Einkaufsläden und Magazinen, zur Winter- und Weihnachtszeit, den Weihnachtsmann und seine Helfer durch schneebedeckte Tannenwälder durch den tiefen Schnee stapfen. Rentiere und Glöckchen tragen weiße Schneehäubchen und noch immer haben die Weihnachtsmänner eine rotgefrorene Nase. Da bleibt es nicht aus, dass die Kinder immer und immer wieder fragen, wann denn endlich der Schnee käme, der diese geheimnisvolle Zeit der Weihnachtsvorbereitungen in eine zauberhafte Spiellandschaft verwandelt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mit ihnen zu hoffen und sie von einem Jahr auf das andere zu vertrösten. Weihnachten im Schnee – soll es das wirklich nie mehr geben?

Blick aus meinem Arbeitszimmer in Lingen – Brögbern.

Blick aus meinem Arbeitszimmer in Lingen – Brögbern am 22.11.2008.

So bleibt uns nichts anderes übrig, als zumindest die gemütlichen Nachmittage, die eben nur noch verregnet sind oder uns spiegelglatte Straßen liefern, mit allerlei Leckereien und Spielen traditionsgemäß aufrecht zu erhalten. Ein warmes Feuer im Kamin, selbstgebackene Kekse und die gute alte Spielesammlung, sorgen für Ablenkung und gemeinsame Aktivitäten. Nicht zu vergessen, der Korb mit den Nüssen, der nicht nur hübsch anzusehen ist, sondern auf den alle ganz verrückt sind. Wenigstens der ist noch so wie früher, allerdings auch nur, wenn man sich auf die Suche macht, nach den vielen verschiedenen Sorten, die es zu knabbern gibt. In den meisten Discountern werden nur noch Erdnuss, Walnuss und Haselnuss angeboten. Dabei gibt es noch einige besonders leckere Nusssorten, die auch noch richtig gesund sind. Es lohnt sich, einmal Pistazien, Paranüsse, Mandeln oder Cashewnüsse mit ins Programm zu nehmen. Sie alle enthalten wertvolle Stoffe, die der Körper im Winter für sein Immunsystem benötigt. Ihre wertvollen ungesättigten Fette sowie Vitamine. Stärken nachweislich das Immunsystem und das Herz-Kreislaufsystem. Bei regelmäßigem Verzehr kann der Cholesterinspiegel um 10 Prozent gesenkt werden. Viel Spaß macht es übrigens auch, mit den Kindern die kleinen Bucheckern zu sammeln und anschließend zu rösten. Ein Erlebnis, dass sie sicher nicht vergessen werden. Denn auch sie sollen doch später einige besondere Augenblicke zu erzählen haben, wenn die Enkelkinder fragen: „Wie war das früher bei Dir im Winter?“

Tigerauge



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1 Kommentar

  1. Ja, Weihnachten und Schnee gehörte in meiner Kindheit immer zusammen.
    Obwohl ich ein Stadtkind war, wo doch meistens nur matschig gefahrener Schnee von den Autos lag. Aber wir Kinder hatten unsere Plätze, wo wir uns im Schnee austoben konnten.
    In einer Großstadt gibt es genügend Parkanlagen, wo reichlich Schnee vorhanden war. Dort sind wir hinmaschiert, dick angezogen und mit Schlittschuhen, Schlitten und Gleitern ausgerüstet. Die Seen in den Parks waren dick zugefroren und wir hatten einen Mordsgaudie auf dem Eis. Auch Schlitten fahren machte riesigen Spass und wir waren so mit unseren Wintersportaktivitäten beschäftigt, dass wir Raum und Zeit vergaßen.
    Nur die plötzlich eintretende Dunkelheit erinnerte uns daran, nach Hause zu gehen. Mit rotgefrorenen Nasen und Wangen kamen wir in die warme Stube, wo es gleich einen heißen Kakao gab und selbstgebackene Plätzchen.
    Ach, war das schön, schade, dass meine Kinder dies nur selten erleben durften, aber wenn es denn mal richtig geschneit hatte, wurde der Schneemann gebaut und eine Schlittenpartie unternommen und alles andere wurde auf später verschoben, denn wir wußten ja, dass es eine verschneite Winterlandschaft nur alle paar Jahre mal gibt und der Schnee nicht lange liegenbleibt.

    Soll ich jetzt sagen: Früher war alles besser? Nein, lieber früher war alles anders.
    Ich wünsche allen Lesern eine schöne Adventszeit.

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