AKTIE IM FOKUS 2: Gea frustriert Anleger mit erneut gesenkten Zielen

(neu: Schlusskurs, DZ-Aussage u.a. zu Abfüllanlagen)

FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Maschinenbauer Gea hat
am Montag die Anleger mit schwachen Geschäftszahlen und einem
gesenkten Gewinnziel vergrätzt. Und das nicht zum ersten Mal: Ein
Händler monierte das vierte Quartal nacheinander mit Enttäuschungen
oder Gewinnwarnungen, was grundsätzliche Fragen über die
Unternehmensführung und die Transparenz des Unternehmens aufwerfe.
Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank sieht daraufhin die
Glaubwürdigkeit des Managements in Gefahr.

Entsprechend gingen die Aktien letztlich um 5,81 Prozent auf
36,535 Euro in die Knie. Damit waren sie abgeschlagenes Schlusslicht
unter den mittelgroßen Unternehmen im wenig veränderten MDax
. Nachdem sich die Papiere erst in den vergangenen
Tagen wieder in zaghaft in positives Terrain vorgekämpft hatten,
fielen sie nun auf Jahressicht erneut in den roten Bereich zurück.

Einem Börsianer zufolge hielten sich die Kursverluste dabei sogar
noch in Grenzen, da viele Investoren bereits negativ für die Aktie
gestimmt seien und bereits Wetten auf fallende Kurse abgeschlossen
hätten.

ANALYST: ‚BELEG FÜR DIE SCHWIERIGKEITEN‘

Gea blickt nach einem enttäuschenden zweiten Quartal weniger
optimistisch auf das Gesamtjahr. Das operative Ebitda werde 2017
statt der bisher erwarteten 620 bis 670 Millionen Euro nur noch bei
600 bis 640 Millionen Euro liegen, hieß es. Der Umsatz soll hingegen
wie bisher vorhergesagt moderat über den 2016 erreichten 4,5
Milliarden Euro liegen.

Der schwache Zwischenbericht belege die anhaltenden
Schwierigkeiten insbesondere im Geschäft mit Anlagen zur
Milchverarbeitung, schrieb daraufhin Analyst Firdaus Ibrahim von S&P
Equity Research. Der operative Gewinn im zweiten Quartal liege um
rund ein Sechstel unter der Konsensschätzung. Ibrahim senkte seine
Gewinnschätzungen und wiederholte seine Verkaufsempfehlung für die
Aktie.

EXPERTE VOM AUSMASS ÜBERRASCHT

Vor dem Hintergrund der Prognosesenkung erinnerte Arash Roshan
Zamir vom Analysehaus Warburg Research daran, dass Gea bereits nach
dem schwierigen Auftaktquartal das Erreichen der Jahresziele an den
Verlauf des zweiten Quartals geknüpft hatte. Dennoch überrasche das
Ausmaß der gekürzten Prognose. Die Kennziffern zum zweiten Quartal
wertete er ebenfalls als enttäuschend.

Auch DZ-Analyst Thorsten Reigber sieht infolge der erneuten
Gewinnwarnung die Gefahr eines weiteren Glaubwürdigkeitsverlustes.
Ein weiteres potenzielles Risiko sieht er nun in zusätzlichen
Belastungen wegen nicht mehr vermarkteter Abfüllanlagen, da hier
noch unklar sei, in welcher Höhe weitere Rückstellungen benötigt
würden. Die Zusatzkosten hierfür sind laut Gea in dem neuen Ausblick
noch nicht enthalten.

GEA SEIT GUT EINEM JAHR AUF TALFAHRT

Im vergangenen August hatten die Gea-Titel bei knapp über 50 Euro
noch ein Rekordhoch erreicht. Doch seitdem wurden die Investoren
immer wieder böse überrascht. Am schlimmsten hatte es die Aktie im
Oktober erwischt, als die Senkung der Jahresziele den Kurs an einem
Tag um rund 20 Prozent abstürzen ließ. Damals waren Anleger und
Experten völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden, da das
Unternehmen auf einer Kapitalmarktveranstaltung wenige Wochen zuvor
keine diesbezüglichen Hinweise gegeben hatte./gl/men/tih/he

ISIN DE0006602006

AXC0197 2017-07-17/18:36

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