Aktien Frankfurt: Anleger halten sich vor EZB-Zinsentscheid und US-Zahlen zurück

FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben
sich nach der guten Vorwoche am Montag zurückgehalten. Die Anleger
warteten auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am
Donnerstag, schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC
Markets. Auch die Berichtssaison in den USA nimmt erst ab dem
morgigen Dienstag richtig Fahrt auf.

Mit der freundlich erwarteten Wall Street, an der schon zuletzt
zuletzt der US-Leitindex Dow Jones Industrial und der
marktbreite S&P 500 Rekordstände erreicht hatten,
konnte der Dax seine Verluste immerhin ein wenig
eindämmen: Nach einem freundlichen Start und der anschließenden
Schwächephase stand der deutsche Leitindex noch 0,35 Prozent im
Minus bei 12 587,07 Punkten. Am Freitag hatte er kaum verändert
geschlossen, auf Wochensicht aber dank der Hoffnungen auf eine nur
behutsame Straffung der US-Geldpolitik deutliche Gewinne behauptet.

‚DRAGHI HAT KEIN INTERESSE AN STEIGENDEM EURO‘

Der Dax „hängt in dieser Woche am Angelhaken des Devisenmarktes“,
erklärte Experte Stanzl. Vor zwei Wochen habe EZB-Präsident Mario
Draghi mit seinen Aussagen „ein kleines Zinsbeben in Deutschland
ausgelöst“. Nun dürfte der oberste Währungshüter der Eurozone kein
Interesse daran haben, den Eurokurs auf den höchsten
Stand gegenüber dem US-Dollar seit Jahren zu treiben, da dies über
niedrigere Importpreise zu einer sinkenden Inflation führen würde.
Ein starker Euro erschwert zudem die Exportaussichten europäischer
Unternehmen.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen
sank am Montagnachmittag um 0,14 Prozent auf 25 126,17 Punkte. Der
Technologiewerte-Index TecDax gewann hingegen 0,30
Prozent auf 2305,82 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 0,24 Prozent auf 3517,49 Punkte nach
unten.

GEA UNTER DRUCK NACH PROGNOSESENKUNG

Am deutschen Aktienmarkt spielte die Musik vor allem in den
Nebenwerte-Indizes. Die Gea-Titel mussten nach
schwachen Eckdaten für das zweite Quartal und einer gesenkten
Gewinnprognose ordentlich Prügel einstecken: Sie büßten als
MDax-Schlusslicht 5,84 Prozent ein. Börsianer verwiesen darauf, dass
der Maschinenbauer nicht das erste Mal negativ überrasche, und sehen
nun die Glaubwürdigkeit der Unternehmensführung in Frage gestellt.

Deutlich bergauf ging es dagegen für die Aktien des
Elektronik-Einzelhändler Ceconomy und des
Lebensmittelhändlers Metro Wholesale & Food , die aus
dem jüngst aufgespaltenen Handelskonzern Metro hervorgegangen sind.
Beide blieben allerdings unter ihren Höchstwerten vom vergangenen
Donnerstag, als sie zum ersten Mal getrennt an der Börse gehandelt
worden waren.

CECONOMY UND METRO WHOLE & FOOD MACHEN BODEN GUT

Ceconomy legten um 3,64 Prozent auf 10,245 Euro zu und waren
damit Favorit der Anleger im Index der mittelgroßen Unternehmen. Sie
waren mit einem ersten Kurs von 9,32 Euro gehandelt worden, von dem
sie sich nun weiter nach oben absetzten – vom Höchstkurs von 10,475
Euro sind sie nur noch rund 2 Prozent entfernt. Am Wochenende hatte
Ceconomy mitgeteilt, perspektivisch den halben Jahresgewinn an seine
Aktionäre ausschütten zu wollen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux
nahm die Beobachtung der Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem
Kursziel von 11,00 Euro auf.

Für Metro Wholesale & Food, die nach ihrem Debüt am Donnerstag
zunächst wieder aus dem MDax ausscheiden mussten, ging es um 2,40
Prozent auf 18,74 Euro hoch, womit den Titeln allerdings noch knapp
7 Prozent zu ihrem Höchstkurs von 20,07 Euro fehlen. Auch ihren
ersten Kurs von 20,00 Euro haben sie noch nicht wieder erreicht.
Kepler Cheuvreux empfahl die Titel in einer Ersteinschätzung
ebenfalls zum Kauf mit einem Kursziel von 20,20 Euro, und die DZ
Bank nahm sie in ihre „Equity Ideas Long Liste“ auf.

SMA SOLAR SETZT HÖHENFLUG FORT – STUDIE BELASTET DEUTSCHE BÖRSE

Bei den Technologiewerten setzten die Aktien des Solarkonzerns
SMA Solar ihre Klettertour fort: Sie stiegen um
weitere 3,49 Prozent auf 30,965 Euro und schafften es damit erstmals
seit dem vergangenen September wieder über die Marke von 30 Euro.
Schon an den vergangenen Tagen hatten ein Großauftrag aus den USA
und positive Aussagen in einem Anlegermagazin für Auftrieb gesorgt.
Börsianer verwiesen vor allem auf ein verbessertes Branchenumfeld.
Solarwerte waren in den vergangenen Tagen weltweit wieder etwas
gefragter, wie deutliche Kursgewinne bei großen Branchenwerten wie
First Solar im bisherigen Juli-Verlauf zeigen.

Im Dax wurden die Aktien der Deutschen Börse nach
einem negativen Analystenkommentar gemieden: Mit minus 1,76 Prozent
waren sie größter Verlierer im Leitindex. Das Analysehaus RBC
Capital strich mit Verweis auf die jüngst überdurchschnittliche
Kursentwicklung sein Kaufvotum. Das Aufwärtspotenzial sei inzwischen
geringer, schrieb Experte Peter Lenardos. Er reduzierte zudem seine
Gewinnschätzungen für den Börsenbetreiber bis zum Jahr 2019.

Im SDax wiederum legten Papiere des Sportartikelherstellers Puma
zu. Für die Titel ging es nach überraschend vorgelegten Eckdaten für
das zweite Quartal samt einer erneuten Prognoseerhöhung fürs
laufende Jahr um 5,72 Prozent nach oben. Damit lagen Puma an der
Spitze des Indexes für kleine Werte.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,33 Prozent am
Freitag auf 0,34 Prozent. Der Rentenindex Rex legte
um 0,02 Prozent auf 140,46 Punkte zu. Der Bund-Future gewann 0,16
Prozent auf 161,33 Punkte. Der Euro notierte bei 1,1470 US-Dollar.
Die EZB hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1415 Dollar
festgesetzt./gl/fbr

— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —

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