„Algorithmen können Kartelle bilden“: Kartellamtschef Andreas Mundt glaubt, dass Amazon weiter nach …

Kartellamtschef Andreas Mundt glaubt, dass Amazon weiter nach Größe strebt. Vor allem die neuen Sprachboxen sieht er kritisch.

WirtschaftsWoche: Herr Mundt, der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman kritisiert seit Jahren, dass die Macht Amazons der Wirtschaft schade. Aus seiner Sicht solle man Unternehmen in Einzelfirmen zu zerschlagen. Ist das aus Ihrer Sicht eine überzogene Idee?

Andreas Mundt: Das ist mir vor allem zu theoretisch. Wir haben überhaupt nicht die Befugnis etwas Derartiges anzuordnen. Wir untersuchen und bewerten Wettbewerbsverhältnisse auf verschiedenen Märkten: Wir schauen uns an, ob ein Unternehmen marktbeherrschend ist und an welchen Stellen das missbräuchlich sein kann. So sind wir zum Beispiel gegen die Bestpreisklausel von Amazon Marketplace vorgegangen, die den Händlern vorschrieb, nirgendwo günstiger anzubieten als auf der Amazon-Plattform. Das hat das Unternehmen daraufhin für ganz Europa aufgegeben.

Und die Omnipräsenz von Amazon ist aus Ihrer Sicht unproblematisch?

Es ist richtig, dass das Unternehmen in vielen verschiedenen Bereichen aktiv ist und ich kann das Unbehagen, das damit verbunden ist, nachvollziehen. Wenn wir uns dem Phänomen wettbewerblich nähern, können wir aber nicht kurzerhand Aktivitäten im Video-Streaming mit der Lieferung von Lebensmitteln in einen Topf werfen. Ein wichtiger Aspekt ist: Hat der Kunde noch andere Alternativen oder ist er abhängig von dem einen Anbieter? Der Marketplace hat offenkundig eine sehr große Bedeutung für Händler, so dass wir hier auch gegen die Bestpreisverpflichtung eingeschritten sind. Ähnlich lag es im Bereich Hörbücher auch hier haben wir ein Verfahren gegen Amazon/audible und Apple geführt. In anderen Bereichen sind die Marktverhältnisse anders. Das muss man auseinanderhalten.

Mit welchen Indikatoren bewerten Sie solche digitalen Konglomerate?

Wir berücksichtigen zum Beispiel Netzwerkeffekte in der Beurteilung. Bei Transaktionsplattformen kommt es zu indirekten Netzwerkeffekten: Es gibt viele Kunden, dadurch kommen mehr Verkäufer, die wiederum mehr Kunden anziehen usw. Solche Phänomene führen schnell in eine „the winner takes it all“-Situation, in denen ein Anbieter den Markt dominiert.

Welche Rolle spielt der Besitz von Daten für kartellrechtliche Betrachtungen?

Verfügbarkeit und Zugang zu Daten spielen eine zentrale Rolle bei der Bewertung der Marktpositionen zahlreicher Internetunternehmen. Der Grundsatz „Wo kein …

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