Allg. Zeitung Mainz: Mehr Zeit / Kommentar zu Katalonien / Von Christian Matz

Mainz (ots) – Der katalanische Regierungschef Puigdemont hat im Angesicht der drohenden Katastrophe den letztmöglichen Ausweg genommen. Unabhängigkeit ja, aber auf unbestimmte Zeit verschoben – verschoben ist damit die Eskalation eines Konflikts, der für Spanien Explosionsgefahr birgt und für die Rest-EU dramatische Folgen haben kann. Die Rede des Katalanen ist ein angesichts der Zuspitzung der vergangenen Wochen kaum noch für möglich gehaltenes Zugeständnis an die politischen Realitäten, das den Konfliktparteien nun vor allem eines verschafft: Zeit. Zeit, in der sich beide Seiten sammeln können, und in der sich tatsächlich so etwas wie Dialogbereitschaft entwickeln kann. Auch wenn eine Einigung – Stand heute – völlig ausgeschlossen scheint. Zu unterschiedlich sind die Positionen, und es ist derzeit nicht erkennbar, wie sich daran etwas ändern soll. Immerhin hat Puigdemont aber erkannt, dass er entgegen seiner früheren, vollmundigen Verlautbarungen mitnichten die Katalanen hinter der Forderung nach Unabhängigkeit vereinen kann; offenbar hat die Großdemonstration für die Einheit Spaniens Wirkung gezeigt, und auch der angekündigte Abzug großer Firmen wird mit zum Sinneswandel beigetragen haben. Nach seinem vergleichsweise moderaten Auftritt ist nun Madrid am Zug – dort hat man zuletzt alles getan, um den Konflikt anzuheizen. Die Zentralregierung muss jetzt unbedingt abrüsten, und es ist auch an König Felipe, einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen. Nicht zuletzt ist die Rede Puigdemonts auch ein – unausgesprochener – Hilferuf an die EU, endlich vermittelnd tätig zu werden. Die zu lange zu passive (Vermittler-)Rolle Brüssels hat jedenfalls garantiert nicht zur Deeskalation beigetragen.

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