Berliner Zeitung: Kommentar über sexuelle Belästigung und den Fall Weinstein. Von Tanja Brandes

Berlin (ots) – Als während des letzten Präsidentschaftswahlkampfs in den USA eine Aufnahme auftauchte, auf der zu hören war, wie Donald Trump sich damit brüstete, Frauen belästigt zu haben, gab es zwar einen Aufschrei in der Öffentlichkeit. Geschadet hat es dem jetzigen US-Präsidenten nachweislich nicht. Bemerkenswerterweise – und das ist Teil des Problems – wurde der Vorfall auch von Frauen heruntergespielt: Gerede unter Männern sei das gewesen, locker room talk. Seufzen, Schulterzucken, Männer-sind-halt-so. Müssten nicht spätestens an dieser Stelle die Männer empört aufschreien? Denn nicht nur handelt es sich bei derartigen Erklärungen um eine unfassbare Verharmlosung der Vorkommnisse. Sie zeichnen auch ein Gesellschaftsbild, gegen das vor allem Männer endlich aufbegehren müssen. Ebenso wenig, wie Frauen als hilflose Opfer gesehen werden wollen, sollten Männer mit der Reputation des ständig notgeilen, unkontrollierbaren, sexgetriebenen Wüstlings einverstanden sein. Keinem Mann kann es egal sein, immer als potenzieller Sextäter zu gelten.

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